27/09/2026
Dein Kind braucht im Wald keine Desinfektion. Es braucht Dreck!
Ich sehe es bei Familien mit wenig Naturerfahrung immer wieder:
Ein Kind fasst Erde an: „Mach dir danach die Hände sauber!“
Es hebt einen Käfer auf: „Danach musst du desinfizieren.“
Es buddelt im Waldboden: "Wo sind die Feuchttücher?"
Morgens bei Waldtagen packen die Schüler ständig die Desinfektionstücher aus....
Warum? Weil viele Eltern ihr Kind vor Keimen, Schmutz und Krankheiten schützen möchten. Wer wenig Natur gewohnt ist, empfindet Erde, Matsch und Waldboden schnell als etwas, das möglichst schnell wieder weg muss.
Aber der Wald ist kein Operationssaal.
Kinder müssen nicht nach jedem Kontakt mit Natur desinfiziert werden.
Sie dürfen Erde an den Händen haben. Sie dürfen einen Käfer anfassen und im Waldboden wühlen.
Und ja: Sie dürfen dabei dreckig werden.
Wenn man ihnen das vorenthält, lernen Kinder nicht, Natur als Lebensraum zu begreifen. Sie lernen, sie als etwas Unsauberes zu betrachten.
Und die Feuchttücher? Die gehören meiner Meinung nach eh verboten und keinesfalls in den Wald.
Sie sind Müll und können Inhaltsstoffe enthalten, die in einem empfindlichen Ökosystem nichts verloren haben. Auch „biologisch abbaubar“ bedeutet nicht: „Kann ich im Wald liegen lassen.“
Bei Quercus gilt:
Lasst Kinder den Wald nicht nur anschauen. Lasst sie ihn begreifen: Mit den Händen und mit allen Sinnen!
Und manchmal eben mit ziemlich viel Dreck.