09/11/2026
Die schlesischen Weber
Heinrich Heine (1844)
Im düstern Auge keine Träne
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt -
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen lässt -
Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!
Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch,
Wir weben, wir weben!
The Silesian Weavers
Heinrich Heine (1844)
No tear in the gloomy eye is shed,They sit at the loom and gnash teeth instead.
Germany, we weave your shroud-sheet now,
And into it weave the threefold vow—We weave, and we weave!
A curse on the God to whom we have prayed
In chill of winter and hunger's blade;
In vain we have hoped and waited long.
He mocked us, and fooled us, and did us wrong.
We weave, and we weave!
A curse on the King, of the rich the king,
Whom our wretched misery could not sting.
Who squeezes the very last coin from our hand,
And has us shot down like a canine band—
We weave, and we weave!
A curse on the false and treacherous land,
Where only disgrace and shame expand,
Where every early blossom is crushed,
And rot and decay make the worm well-fed and flushed.
We weave, and we weave!
The shuttle flies, the loom groans loud,
We labor and weave day and night from the crowd—
Old Germany, we weave your shroud-sheet now,
And into it weave the threefold vow,
We weave, and we weave!