15/10/2025
Erinnerungen an früher…
Willkommen zum heutigen Flauscheplausch mit einer kleinen Zeitreise.
In den letzten Tagen bekomme ich im Internet immer wieder kleine Videos angezeigt, Erinnerungen an die 80er Jahre. Sei es die Musik, die Frisuren, die Kleidung oder auch der Lebensstil.
Erinnere ich mich an die 80er Jahre war die Zeit aufregend, wild und bunt. Wir standen so nah an der Zukunft, welche in den Kinofilmen sehr futuristisch ausgemalt wurde. Die ersten Computer standen in den Startlöchern, Funktelefone waren riesig und allgemein war die Zukunft zum Greifen nah.
Bei den Pferden war es damals ähnlich, es war eine Zeit mitten im Umbruch.
Plötzlich gab es nicht nur die vornehmen Reitställe im Kasernenton, sondern auch viele kleine Bauern erkannten die Möglichkeiten der Pensionshaltung.
Die Möglichkeiten, die sich boten, waren enorm. Denn nicht nur das es auch vielen nicht ganz so betuchten Pferdeliebhaber nun möglich war ein eigenes Pferd zu halten, mit der Masse an neuen Pferdebesitzern gab es damit nun auch noch mehr Möglichkeiten für Pflegemädchen eine der begehrten Stellen zu ergattern.
Und in diesen kleinen Ställen herrschte nicht der ach so strenge Kasernenton, wenn auch mancher Stallbesitzer gerne noch Pfeife rauchend im Kittel erschien und nach dem Rechten schaute.
Für uns Kinder war das einfach ein Traum, denn auch wenn man mit dem Rad statt dem Elterntaxi zum Stall fuhr, aus dem Wasserhahn trank oder eine Capri Sonne und ein Raider teilte (ja die hiessen damals noch so) und meist erst, wenn es dunkel wurde nach Hause fuhr, waren wir gut aufgehoben. Unsere Eltern wussten, wir waren bei den Pferden, oder unterwegs auf den Pferden durch den Wald und die Felder. Ohne Handy, ohne Ortung und oft ohne Aufsicht. Eigentlich etwas das undenkbar heute ist, aber damals war es völlig normal.
Auch wenn damals noch viele Ständer und Boxenhaltung als normal angesehen wurden waren die ersten Schritte schon in Richtung Offenställe und Trailhaltung gemacht worden.
Man kam sich fast wie ein Rebell vor wenn man diese Haltungsweise erklärte, und auch verteidigte.
Westernreiten schwappte rüber und eroberte so langsam die Reiterwelt auch bei uns, wie auch andere Reitweisen mit ihren passenden Gurus.
Ob es ein Monty oder ein Hempfling war, oder eine Linda oder ein Rai den man auf einer Messe mit großen Augen zu sah, ob man die Methoden mochte oder nicht, es gab so viel dazu zu lernen, wenn man denn wollte. Und das nur mit Büchern, VHS Videos und Kursen, ohne wie heute mit einem Klick per Internet.
Eine Pferdemesse war immer ein Erlebnis, etwas worauf man hin sparte damit man sich dort Dinge kaufen konnte, die es meist im gängigen Reitsporthandel nicht gab. Allenfalls in den zwei Bestellkatalogen von Loesdau und Krämer.
Und dort auf den Messen sah man diese Sachen zum ersten Mal mit eigenen Augen, und ebenso viele Sachen die man nicht kannte.
Es war die Zeit der neuen Produkte, gute wie schlechte aber alles rund um den Reitsport entwickelte sich sensationell schnell.
Es gab soviel zu sehen und zu lernen und nicht zu vergessen die Schnäppchen welche man damals auf den Messen noch machen konnten.
Während der allseits bekannte Holländer auf der Equitana immer als Geheimtipp galt, waren es auch die kleinen Stände wie damals von Erwin Meroth die mit Innovationen, oder in seinem Fall auch mit einem speziellen Charme verzauberten.
Geht man heute auf eine Messe sind die kleinen Stände verschwunden, geschuldet ist das den horrenden Standmieten. Echte Schnäppchen macht man nur noch selten, was nicht auf der Messe verkauft wird geht dann eben wieder daheim über den online Shop weg, nicht wie früher als gerade an den letzten Messetagen massive Rabatte möglich waren.
In den Ställen gibt es kaum noch Pflegemädchen, diese haben inzwischen lieber eine Reitbeteiligung denn sie wollen sich ja nicht ausnutzen lassen.
Und schaut man durch die Ställe sitzen die Mädels nicht mehr zusammen bei einer Capri Sonne und putzen das Sattelzeug, sondern hängen währenddessen und auch oft auf dem Pferd am Handy.
Und obwohl und das Internet Neuigkeiten rund um die Pferde komplett aus der ganzen Welt anbietet, gibt es keine wirklichen aha Momente mehr. Man hat quasi alles schon einmal online gesehen und gelesen, alles was das Herz begehrt ob Ausrüstung oder sogar Pferd ist inzwischen nur einen Klick entfernt.
Und während mir früher die Zukunft aufregend, wild und nichts als unmöglich erschien, sehe ich heute einen Rückschritt im Bereich Pferde.
Dank Übergriffen auf Pferde, Diebstahl und den Wölfen geht die Offenstallhaltung gerade wieder riesigen Schritte zurück.
Dank Reitbeteiligungen die lieber zahlen, fehlt vielen Pferdebesitzern die Vorerfahrung, die sie als Pflegemädels in den Ställen erlernt haben. Sei es das Verhalten eines Pferdes lesen, Futter zusammen stellen, Stallarbeiten, Pferde Versorgung und Handeln bei medizinischen Notfällen usw.
Dank der sehr massiven GOT-Erhöhung -welche zwar gerechtfertigt ist aber ausgesprochen plötzlich kam- sind viele Tierbesitzer am Limit, erst recht wenn die Tiere (egal ob Hund/Katze/Maus oder Pferd) schon alt und kaum bis gar nicht versicherbar sind.
Viele sagen inzwischen *das ist mein letztes Tier, danach kommt nichts mehr*
Allgemein fehlt mir die Freude und Leichtigkeit die ich früher erlebt habe, und wenn ich mich umsehe nicht nur mir.
Wie kann es sein das wir uns unser Immenhof Feeling haben nehmen lassen?
Wo ist die Freude hin?
Und wie finden wir sie wieder?
Ist euer Pferdeleben noch ein Immenhof?
Erzählt es mir…
Flauschige Grüße
Celeste Drake
P.s.: Und wie immer gilt: "Dieser Text richtet sich nicht gegen bestimmte Personen oder konkrete Situationen. Ich schildere persönliche Gedanken, Erfahrungen und Sichtweisen zu einem schwierigen Thema – aus meinem Leben und dem vieler anderer Menschen, die Ähnliches durchleben.“