25/03/2026
Fast 20 Pferde leben hier. Verschiedenen Alters, verschiedene Körper. Manche laufen "rund", manche zeigen uns gerade, wo es hakt. Manche sind jung, haben noch alles vor sich und sprühen vor Lebensfreude. Manche tragen ihr Leben schon sichtbar im Körper.
Warum ich das schreibe? Weil die Frage, die gerade überall gestellt wird, auch mich erreicht hat: Bin ich schuld? Spiegeln sie mir etwas? Zeigt mir der Körper meines Pferdes, was ich in mir noch nicht angeschaut habe?
Ich verstehe den Wunsch dahinter. Wirklich.
Wir wollen nicht hilflos sein. Wir wollen Einfluss haben. Wir wollen eine Erklärung. Wir wollen glauben, dass unsere Innenwelt zählt. Das tut sie auch aber nicht so.
Ich lebe täglich mit diesen Tieren. Ich kenne ihren Gang, ihren Atem, ihre Eigenheiten, ihre Geschichte. Wenn irgendwo etwas nicht stimmt, dann ist mein erster Gedanke nicht: Was zeigt mir das über mich?
Mein erster Gedanke ist: Was stimmt nicht? Was braucht dieser Körper jetzt? Welche Bewegung fehlt. Welcher Boden schadet. Was hat sich verändert? Was ist vielleicht schon länger da und ich habe nicht genug hingeschaut.
Das ist Verantwortung.
Und die liegt beim Menschen — aber nicht als spirituelle Selbstbespiegelung, sondern als konkretes Hinschauen. Erfülle ich die natürlichen Bedürfnisse eines Pferdes? Passt die Herdenkonstellation? Passt Futter, Bewegung usw? Ist der Traumstall des Besitzers auch der Traumstall des Pferdes?
Das Pferd hat ein eigenes Leben. Einen eigenen Körper. Eigene Themen, die nichts mit mir zu tun haben.
Es ist kein Code, den ich entschlüsseln muss. Es ist ein Lebewesen, das klare Signale sendet — wenn ich gelernt habe, sie zu lesen.
Das ist der Unterschied zwischen Projektion und Wahrnehmung.
Und für mich ist Wahrnehmung das Einzige, was zählt.