16/07/2025
Lisa Kögeböhns Gedanken zum Übersetzen.
Übersetzer:innen werden sorgfältig vom Verlag für ein bestimmtes Buch ausgewählt. Sie bekommen den Auftrag, weil die Lektor:innen sie schon aus vorheriger Zusammenarbeit kennen oder sie von Kolleg:innen empfohlen wurden. Ist es der erste Auftrag für einen neuen Verlag, verlangt das Lektorat manchmal erst eine Übersetzungsprobe, um sich von den Fähigkeiten des*der Übersetzer*in zu überzeugen.
Trotzdem ist die Wahl des Übersetzenden immer eine schicksalhafte (für Leser*innen und Autor*in). Denn natürlich versuchen wir alle, den Text so originalgetreu wie möglich zu reproduzieren, aber es müssen trotzdem in jeder Übersetzung unzählige Entscheidungen getroffen werden, die immer begründet, letztendlich aber auch individuell sind. Der Text, der am Ende dabei herauskommt, ist daher grundsätzlich ein anderer als der, den die Leser*innen in den Händen hielten, hätte der Verlag jemand anderen mit dem Auftrag betraut.
Dabei geht es gar nicht um ein Besser oder Schlechter, sondern darum, dass sich zwei Über-setzungen zwangsläufig an vielen Stellen unterscheiden würde. Denn es gibt nie die eine "richtige" Übersetzung, sondern viele Varianten. Es macht einen Unterschied, ob ein Buch „geöffnet“ oder „aufgeschlagen“ wird, ob man den Satzbau des Originals beibehält oder ihn aus rhythmischen Gründen umstellt, und welches deutsche Sprich-wort man wählt, um dem aus dem Original am nächsten zu kommen: „It’s raining cats and dogs“ - „Es regnet Bindfäden“ oder doch „Es gießt wie aus Eimern“?
Das sind nur ein paar kleine Beispiele für die Entscheidungen, die man beim Übersetzen in jedem Satz, bei jedem Wort treffen muss. Deshalb kann es auch nie egal sein, WER ein Buch übersetzt hat.
Eine Übersetzung hat immer zwei Urheber:innen, die beide das Recht auf Namensnennung haben. Nenne Übersetzer:innen überall dort, wo du die Autorin oder den Autor nennst. Damit respektierst du unsere Arbeit.