20/05/2012
Es ist soweit. Die Zeitreise kann beginnen. Das länderübergreifende Schülerprojekt "Schule trifft Reformation" startet zum zweiten Mal. Die Klassenräume bleiben leer. Es werden keine Bücher aufgeschlagen, keine Jahreszahlen müssen auswendig gelernt werden. Statt dessen heißt es, Vergangenheit und eigene Geschichte hautnah und unmittelbar zu erkunden. Zwei Schulklassen aus Altenburg und Zeitz hat die Neugier gepackt. Sie wollen mehr wissen über das Leben und das Denken der Menschen in der Reformationszeit, wollen mehr erfahren über ihre Wünsche, Vorstellungen und Träume, wollen nach ihren alltäglichen Sorgen und Ängsten fragen. Um ihre Neugier zu stillen, lassen sie die vertraute Umgebung hinter sich, begeben sie sich in das Jahr 1525, verwandeln sie sich in Kinder einer ansonsten nur aus Lehrbüchern und Filmen bekannten Zeit.
Fünf Tage dauert die Zeitreise. Und sie bedeutet Verzicht auf die vielen Annehmlichkeiten unserer Zeit. Handys und IPods bleiben zu Hause. Computerspiele sind tabu. Es gibt kein Fernsehen, keine SMS blinkt auf. Statt dessen werden historische Gewänder getragen, werden Dusche und Badelotion gegen Waschzuber und Kernseife getauscht. Auch vom geliebten Fastfood heißt es Abschied nehmen. Aufgetischt werden einfache und zünftige zeitgenössische Gerichte, Brot, Butter und Honig zum Frühstück, deftige Eintöpfe zum Mittag und abends am Lagerfeuer dann Bratwurst, Gemüse und Brot. Statt Cola und Limonade gibt es Wasser und Tee.
Geschlafen wird, in Decken gehüllt, in der Kirche und in einem mittelalterlichen Wehrturm. Doch wer kann schon schlafen am Ende der ausgefüllten Tage auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit, wenn es heißt, in den historischen Gemäuern in Altenburg und Zeitz auf den Spuren der Vorfahren zu wandeln?
In drei Zünften, als Baumeister, als Buchdrucker und Buchbinder sowie als Spielleute, erfolgt die Spurensuche. Historisch einzigartige und mit den beiden Städten seit Jahrhunderten verbundene Zeugnisse sind zu bestaunen. Es werden das Altenburger Lindenau-Museum und die Zeitzer Stiftsbibliothek besucht, es werden die Innenstädte erkundet, das Zeitzer Schloss Moritzburg durchstreift, das ehemalige Kloster Bosau vor den Toren von Zeitz erwandert, es heißt, auf Pilgerreise zu gehen, von Altenburg nach Zeitz bzw. von Zeitz nach Altenburg über Kayna und Tegwitz. Und es gilt, selbst zur Tat zu schreiten. Die Baumeister errichten Modelle, die Buchdrucker und Buchbinder drucken Holzschnitte und stellen Bücher her, die Spielleute studieren ein Theaterstück ein.
Vom 20. bis 24. Mai 2012 wird sich eine achte Klasse des Altenburger Spalatin-Gymnasiums auf Zeitreise begeben, gefolgt vom 02. bis 06. Juli 2012 von einer siebenten Klasse des Zeitzer Geschwister-Scholl-Gymnasiums.