18/09/2025
Ein grüner Balkon – mit Liebe und Sachkenntnis
Er züchtet Pflanzen, deren Namen viele Menschen nicht einmal kennen. Beispielsweise einen Glücksbambus. Oder Japanischen Bergahorn. Auch Orchideen gibt es dank Justinas Wojtko auf dem Balkon des Internates der Paulinenpflege in der Schlossstraße zu sehen. Justinas Wojtko besitzt nämlich keinen Garten in Winnenden, sondern er besucht das Berufliche Gymnasium der Schule beim Jakobsweg und wohnt in einem Internatshaus. Sehr erfreulich für ihn – und für seine Mitbewohner – ist, dass dieses Internatsgebäude Balkone hat Auch Nutzpflanzen züchtet er, unter anderem Zitronen, Avocados, Tomaten, Paprika, Chilli, Ananas und Feigen. „Basilikum wächst exponentiell“, erklärt der Gymnasiast. Auf dem Balkon des Hauses nahe des Haupttores des Klinikums Schloss Winnenden kann man also auch ernten. Seine Pflanzen sind ihm sehr wichtig: Auch in den Ferien kommt Justinas regelmäßig nach Winnenden, um zu gießen. Seine Leidenschaft für Pflanzen hat Justinas von seinen Großeltern übernommen. Die zogen ihre Pflanzen auf ihrem großen Gartengrundstück. Justinas zeigt nun, dass man mit den richtigen Kenntnissen auch auf einem kleinen Balkon viel anpflanzen kann.
Justinas hat das Autismus-Spektrums-Syndrom. Seine Schullaufbahn war deshalb schwieriger als sie üblicherweise bei Regelschülern ist. Bevor er nach Winnenden zur Paulinenpflege kam, besuchte er die Rupert-Mayer-Schule in Ellwangen. Die Schule dort ist wie die Schule beim Jakobsweg ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum. Dort erwarb er den Hauptschulabschluss. In der Schule der Paulinenpflege Winnenden absolvierte er Berufsfachschule, erwarb so die Fachschulreife und setzt seine Schullaufbahn nun im Beruflichen Gymnasium fort. Es entspricht dem Ziel der Paulinenpflege, dass auch Schülerinnen und Schüler mit Handicap den für sie bestmöglichsten Schulabschluss erreichen, auch wenn sie länger als andere dafür brauchen.
In der Rupert-Mayer-Schule erwarb er in eine zusätzlich den Fischereischein. Ein angelbegeisteter Lehrer bietet dies als freiwillige Arbeitsgemeinschaft für die dortigen Schülerinnen und Schüler an. In Winnenden nahm Justinas am Lehrgang Rettungssanitäter teil – ebenfalls ein freiwilliges Angebot für die Schülerinnen und Schüler der Schule beim Jakobsweg. „Ja, wissbegierig war ich schon immer“, sagt Justinas, „aber mein Autismus führt dazu, dass ich mich leicht ablenken lasse und dass zu viele Geräusche für mich äußerst störend sind.“ Deshalb hat die Schule beim Jakobsweg in fast allen Klassen maximal 12 Schülerinnen und Schüler.
Nach dem Abitur will Justinas Biochemie studieren. Praktische Kenntnisse in Biologie hat er dann schon viel mehr als seine zukünftigen Kommilitonen. Bis er das Abitur erworben hat, wird auf seinem Balkon im Internatsgebäude in der Schlossstraße weiterhin ein Pflanzenmeer zu bewundern sein.