08/11/2024
Der Förderverein Realschule wünscht sich mehr Transparenz, Offenheit, Ehrlichkeit und Klarheit in der aktuellen Diskussion um das zukünftige Bildungssystem Baden-Württembergs. Die bisherigen "Stärkungen" der Realschulen waren wenig zielführend und de facto stets zusätzliche Belastungen. So wurde in jüngster Vergangenheit die Ermöglichung des Hauptschulabschlusses an Realschulen als Stärkung verkauft und führte in Wirklichkeit zu erheblichen Problemen und Belastungen der Lehrkräfte und der Klassengemeinschaften aufgrund zunehmend divergierender Leistungen und sozialer Spannungen. Die steigenden Zahlen an Schulausschlüssen und weiteren Maßnahmen nach §90 belegen dies eindrücklich. Auch Klassenstärken von 30 Schülerinnen und Schüler können nun wirklich nicht als Stärkung der Realschulen empfunden werden. Lehrkräfte fehlen - andere quittieren den Dienst aufgrund permanenter Überlastungen in viel zu großen Klassen und schwierigen, äußerst heterogenen Settings. Wo ist sie denn nun, die Stärkung der Realschule? Wie sehen die Maßnahmen zur Förderung unserer lernwilligen und interessierten Schülerinnen und Schüler aus?
Erinnern wir uns an unsere Landesverfassung:
Artikel 11
(1) Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirt-
schaftliche Lage das Recht auf eine seiner Begabung entsprechende
Erziehung und Ausbildung.
Die aktuellen Rahmenbedingungen erlauben häufig keine der Begabung entsprechende Ausbildung, da weder die personelle Ausstattung noch die Rahmenbedingungen stimmig sind.
Nein - wir benötigen nicht eine Reduktion der Vielfalt unserer Bildungsangebote - ganz im Gegenteil. So werden wir den unterschiedlichen Begabungen der jungen Menschen nur dann gerecht, wenn wir eine lernerorientierte Pädagogik ermöglichen. Wir wollen in unserem Bildungssystem kein Oben und Unten, keine Restschule neben dem Gymnasium, keine weitere Spaltung der Gesellschaft in 2 Säulen, kein weiteres Aushöhlen der Mitte. Es wird Zeit die Realschulen wirklich zu stärken. Und dies geht angesichts der vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen nicht kostenneutral.
Sven Kubick, 1. Vorsitzender