19/03/2022
Ballett und MS – geht das?
Meine Antwort dazu ist: Klar geht das – nur ein bisschen anders!!!
Hier beschreibe ich euch meinen Weg:
Ich wurde mit dem Ballett konfrontiert, da war ich noch nicht geboren, denn meine Mutter war Tänzerin und ich „tanzte“ schon in ihrem Bauch… - wurde mir berichtet.
Angefangen habe ich dann mit drei Jahren in einer Stunde für Tänzerische Früherziehung und mit fünf Jahren wollte ich das erste Mal Tänzerin werden.
Geworden bin ich es dann tatsächlich mit einem Umweg über eine Ausbildung als Gymnastiklehrerin. Inzwischen habe ich auf verschiedensten Bühnen getanzt und bin stolze Miteigentümerin meiner eigenen Ballettschule, in der ich immer noch Unterricht gebe.
MS wird ja als die Krankheit der 1000 Gesichter beschrieben und ich kann das nur unterschreiben, gibt es doch so viele Dinge und Funktionen, die sich aus- und auch wieder anschalten. Ich kann hier nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten und natürlich von denen, die ich kenne.
Aber zurück zum Ballett: Das Training fördert nicht nur ganz allgemein die körperliche Fitness, im Einzelnen werden die Fähigkeiten der Kraft, der Ausdauer und der Beweglichkeit trainiert und überdies und ganz nebenbei auch Gleichgewicht, Bewegungsverhalten und Merkfähigkeit.
Eine Ballettstunde besteht im Normalfall aus drei verschiedenen Bewegungseinheiten – nämlich (1) dem Training an der Stange, (2) einer Einheit, die der Dehnfähigkeit gewidmet ist und einer, (3) die Bewegungen im Raum schult.
Jede Einheit hat speziell für MS ihre ganz individuellen Vorteile:
(1) Das Training an der Stange – einer Art Handlauf, an dem man sich festhalten und ausbalancieren kann - bietet die Möglichkeit der Bewegung Halt zu geben. Man hält sich z.B. mit einer oder beiden Händen fest und bekommt die Unterstützung für Gleichgewicht und Balance indem selbst entschieden werden kann welchen „Festhaltegrad“ man benötigt.
Beide Hände an der Stange ermöglichen es, die Haltung oder Bewegung so zu koordinieren, dass eine (auch selbstständige) Balance geübt wird (nie dem Mut verlieren, manche Dinge können einige Zeit in Anspruch nehmen).
Eine Hand an der Stange ermöglicht eine koordinierte Bewegung der Körperseite, die von der Stange abgewandt ist – also Koordination, Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht werden trainiert. An Variationen sind den Bewegungsabläufen keine Grenzen gesetzt.
(2) Dehnung und Flexibilität werden im zweiten Teil in den Focus genommen. In diesem Teil des Trainings sind langsame und geführte Bewegungen entweder sitzend, liegend oder stehend durchführbar. Für MS ergeben sich einige nicht zu vernachlässigende Vorteile: es wird leichter (auch im normalen Leben) unvorhergesehene Bewegungen, z.B. stolpern oder schwanken auszugleichen und Verletzungen damit abzuschwächen.
Ich bin z.B. beim Rückwärtslaufen aus dem Gleichgewicht geraten und hätte mich sehr unsanft auf den Hosenboden gesetzt, wenn ich nicht – aus welchen Gründen auch immer – die Bewegung weiter laufen ließ, eine Rolle rückwärts gemacht habe und so unbeschadet wieder aufstehen konnte.
(3) Die Übungen und Bewegungsabläufe in der Mitte fördern eine Bewegung im Raum also Gleichgewicht (das ist ja immer dabei), Koordination (verschiedene Bewegungsabläufe werden geübt) und die Orientierung im Raum ist hier ein großes Thema.
Wenn jemand hierzu Fragen hat, schreibt mir einfach und ich werde sie gerne nach bestem Wissen und Gewissen beantworten…