31/07/2026
Ein Kunde stellt einen sieben Jahre alten Laptop auf den Tresen. Lüfter laut, Akku müde, das Hochfahren dauert vier Minuten. Er sagt: „Eigentlich wollte ich mir längst ein neues Gerät holen. Aber ich weiß gerade nicht, wie es bei uns in der Firma weitergeht."
Diesen Satz höre ich seit anderthalb Jahren häufiger. Nicht als Klage. Eher beiläufig, so wie man das Wetter erwähnt.
Was der Mann am Tresen spürt, steht in den Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Im ersten Quartal 2026 waren 157.000 Menschen weniger erwerbstätig als ein Jahr zuvor. In den energieintensiven Branchen ist die Produktion seit Februar 2022 um 15,2 Prozent gesunken. Von Januar bis April wurden 6,7 Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen registriert als im Vorjahreszeitraum. Das sind keine Stimmungsbilder, das ist gezählt.
Worauf das zurückgeht, ist zwischen Wirtschaftsforschung, Verbänden und Politik strittig. Diese Debatte entscheide ich in dem Beitrag nicht, und ich halte es für unredlich, so zu tun, als wäre sie entschieden.
Stattdessen habe ich eine sehr alte Liste hervorgeholt. Epiktet beginnt sein Handbüchlein mit einer Inventur und teilt die Welt in zwei Fächer. In unserer Macht: Urteil, Bestrebung, Begier, Abneigung. Nicht in unserer Macht: Leib, Besitz, Ansehen, Amt.
Das ist keine Sesselphilosophie. Epiktet war Sklave, bevor er freigelassen wurde und lehren durfte. Ein Mann, dem der eigene Körper juristisch nicht gehörte, schreibt auf, was einem Menschen tatsächlich gehört. Die Liste ist deshalb so kurz, weil sie aus Erfahrung stammt.
Im Beitrag geht es darum, was aus dieser Unterscheidung praktisch folgt. Für einen Betrieb, für eine Familie und für das, was Kinder am Abendbrottisch mitbekommen.
Meine Frage an Sie: Wo ziehen Sie im Alltag die Grenze zwischen dem, was Sie annehmen müssen, und dem, was Sie verantworten?
Der Beitrag ist der Auftakt einer Serie in fünf Teilen. Zum Beitrag: https://noahs-arche.blogspot.com/2026/07/vier-dinge-gehoren-uns.html
Gerion Weidl Noahs Arche Pflegedienst, Weilersbach