05/07/2022
NOAH
Und es soll auch ein Update von Noah geben.
Nachdem er in Panik durch mehrere Zäune gegangen war habe ich natürlich lange überlegt, was wohl der Grund war und wie es vermeidbar wäre. Kann er überhaupt noch auf die Weide? Sollte man es lassen? Ja, ich habe sogar überlegt, ob das Leben für ihn wirklich noch lebenswert ist. Immerhin ist ihm and er Longe auch schwindelig, am Langzügel ist er total instabil - nur beim Reiten ist er super. Aber ein Pferd, was in der freien Bewegung immer eingeschränkt ist, nicht auf die Wiese kann, nicht mal frei galoppieren und bocken kann?
Ich habe in der entsprechenden Gruppe nachgefragt und viele verschiedene Antworten erhalten.
Bei den einen geht es nur ohne Strom, bei den anderen nur mit viel. Die einen mähen vor dem Zaun einen Streifen, andere hängen akustische Hilfsmittel dran. Nichts kam mir so richtig passend vor. Die einen Pferde scheinen gut klar zu kommen. Andere nicht.
Aber Noah wäre ja nicht Noah, wenn er nicht immer wieder einen Weg finden würde, wenn er nicht einfach im Hier und Jetzt wäre und es nicht so nehmen würde, wie es einfach ist.
Also mähten wir zunächst zwei Wochen mit der Sense Gras, sperrten ihn in den Stall zum Fressen und ließen Ibera raus. Dann entfernte ich den Zaun, der die Wiese teilte, nahm ich ihn an einen langen Strick und ließ ihn an der Hand auf der Weide grasen. Das ging nach anfänglicher Nervosität ganz gut.
Also habe ich dann einen Meter von Zaun weg einen 2. Zaun gezogen. Ohne Strom, aber mit Baustellenband, damit er es wenigstens bei Wind hört. Weitere Tage haben wir uns daneben gestellt und ihn beaufsichtigt. Dann haben wir uns langsam entfernt und von der Ferne immer wieder geschaut. Er hatte ganz genau im Kopf, wo bisher der Zaun war! Er blieb immer exakt auf dem einen Teil der Wiese. Auch wenn Ibera sich begeistert ins hohe Gras nebenan stellte.
Letzte Woche kam dann unser Flexigate mit 19m Länge, das nun den bisher zweigeteilten Eingang ersetzt. So ist der Eingang ganz offen und die Wiese auch.
Nun lässt der Stallbesitzer sie morgens wieder raus und wir holen sie nach einiger Zeit wieder rein. Bisher haben wir ja immer nachgesteckt und eine Weide hatte immer Ruhe. Es ist also ein bisschen viel drauf im Moment. Nun dürften sie leider nur stundenweise drauf. Aber immerhin. So geht es ganz gut. Er bewegt sich wieder sehr sicher auf der Wiese.
Neulich war ich dann sogar ausreiten. Ich ziehe mittlerweile zum Helm auch eine Schutzweste an, schicke meinem Mann einen Live- Standort und habe einen Strick dabei, damit ich notfalls auch führen kann. Ich habe mich gefragt, ob es das wert ist. Aber er geht doch so gerne raus. Und ich auch.
Nach ca. 30min schien es einen Schalter umzulegen und er war ganz der Alte. Wäre er nicht ab und an bei Unebenheiten gestolpert, wäre nichts aufgefallen. Wir sind sogar am lockeren Zügel durch`s Dorf marschiert! Wie ein alter Hase. Im Trab und Galopp ist er sehr verhalten. Aber im Schritt geht es flott voran.
Einen Tag nach dem ersten schönen Ausritt kam seine allergische Reaktion wieder. Ein Dämpfer. Lauter offene, nässende Stellen am Kopf. Juckreiz. bisher half ja nur Entzündungshemmer. Dieses Mal habe ich ihm Ceterizin gegeben. Und siehe da: Am nächsten Tag war es trocken und begann zu heilen. Zum Glück.
Wir haben nun nochmal vor Augen gehalten bekommen, wie schnell es gehen kann und dass es schon nächsten Tag wieder anders sein kann - Und deshalb genieße ich gerade jeden guten Moment.
Ida kommt auch jede Woche und lernt fleißig von ihm und bis auf den heißen Sonntag war Noah auch jedes Mal richtig motiviert bei der Sache. Ich bin sehr froh, dass das mit den beiden so gut klappt! Das ist eine echte Bereicherung.