29/12/2016
LOB DES FREIEN UND OFFENEN SPIELS
Eltern, die nicht wollen, dass ihre Kinder mit Smartphone, Tablet & Co. spielen, sehen sich häufig dem Vorwurf der Rückständigkeit und Technikfeindlichkeit ausgesetzt. Hinzu kommt eine enormer Druck auf diese Eltern, der allein schon dadurch entsteht, dass sie zahlenmäßig in der Minderheit sind. Nun droht weiterer Druck von höchster Instanz, denn das Bundesbildungsministerium fordert die Einführung digitaler Medien bereits in den Kitas.
Sinnvoll ist das nicht, meint Salman Ansari in seinem Beitrag "Rotkäppchen" in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 27. November 2016. Er spricht damit den oben genannten Eltern aus der Seele und stellt eine Gegenforderung auf, die exakt den Punkt trifft. Erzieherinnen und Erzieher sollten lieber mit den Kindern spielen.
Genau das aber findet in Kindergärten immer seltener statt. Die Gründe dafür sind bekannt und heißen: Betreuungsschlüssel, Bürokratisierung, fehlendes uns schlecht ausgebildetes Personal und falsch verstandene Pädagogik.
Wie wertvoll das freie Spiel der Kinder untereinander und mit den Erziehern ist, durften wir mit unseren Kindern im Kinderhaus Zuffenhausen erleben. Hier tauchen die Erzieher jeden Tag aufs neue in die Spiel- und Erlebniswelt der Kinder ein und begeben sich mit Ihnen auf eine spannende Entdeckungsreise. Die Kinder begreifen so die Welt und sich selbst im sozialen Kontext. Wem diese Erfahrungen fehlen, dem fehlt etwas Wesentliches.
Was das ist, beschreibt Ansari so: "Wer das Spiel geeringschätzt, verweht Kindern die Chance, sich selbst einzuschätzen und zu lernen, eigeninitiativ zu handeln. Erwachsene, die Kindern virtuelle Welten empfehlen, rauben ihnen Lebenszeit, die sie brauchen, um sich in der Welt zu orientieren."