27/03/2023
Klassik@5 mit der Trompeterin Anja Steiner, und Liudmyla Polova am Flügel
Steinen Spiel strahlt etwas Festliches und Hoffnungsvolles aus
Jürgen Scharf 24.01.2023 - 07:15 Uhr
Ein unterhaltsames und inspirierendes Konzert gaben die Trompeterin Anja Steiner und die Pianistin Liudmyla Polova. Foto: Jürgen Scharf
Ein unterhaltsames und inspirierendes Konzert gaben die Trompeterin Anja Steiner und die Pianistin Liudmyla Polova. Foto: Jürgen Scharf
Von Jürgen Scharf
Steinen. Als gesellschaftlicher Treffpunkt zwischen Kaffee und „Tatort“ sind die Konzerte „Klassik@5“ des Vereins Kunst und Kultur Steinen angedacht. Dieses Jahr ist die Musikschule Mittleres Wiesental mit ihren gut vernetzten Lehrern und deren befreundeten Musikern für die Reihe zuständig.
Am Sonntagnachmittag sorgten die Trompeterin Anja Steiner, die an hiesigen Musikschulen unterrichtet, und die aus Kiew stammende Liudmyla Polova am Flügel für eine unterhaltsame und inspirierende Konzertstunde. Dabei war die Aula des Meret-Oppenheim-Schulzentrums voll besetzt.
Bunt und ansprechend
Angelegt zwischen Barock, Klassik und zeitgenössischer Musik reichte das bunte, abwechslungsreiche und ansprechende Programm mit Trompeten- und Klavierklängen von elegisch bis scherzhaft. Es begann mit einem Trompetenkonzert von Giuseppe Tartini. Eigentlich eines der zahllosen Violinkonzerte des Barockmeisters, das für Trompete adaptiert wurde, und mittlerweile, wie Steiner in ihrer Moderation sagte, im Repertoire der Trompeter ein Fixpunkt sei. Dass die Trompeterin wie auch ihre Klavierbegleiterin Kenntnisse in Alter Musik haben, zeigte sich in den Phrasierungen ihres Spiels auf einer kleineren Barocktrompete. Die beiden haben sich an der Schola Cantorum Basiliensis, der Kaderschmiede für historische Aufführungspraxis, kennengelernt.
Gute Klanggebung
Steiner bläst nicht nur diesen Tartini, sondern auch modernere Musik von Alexander Arutiunian mit Bravour und guter Klanggebung. Von dem armenischen Komponisten, der bekannt ist für seine Trompetenkonzerte, erklang mit „Concert Scherzo“ ein kleines scherzhaftes Stück, bei dem die Trompeterin durch Lockerheit, Farbigkeit und Klangschönheit aufhorchen ließ.
Bei der melancholisch-traurigen „Elegi“ des Norwegers Rolf Wallin überzeugte sie durch einen lyrischen Tonansatz und sichere Intonation. In einem gewitzten Arrangement von Gershwins berühmter „Rhapsody in Blue“ konnte Steiner ihre Tonsprache exponieren und mit Dämpfer erweitern. Das populäre Werk klang wie maßgeschneidert auf ihre Trompete. Dabei gab sich Steiner ganz dem Swing hin und hatte den Drive für die virtuosen angejazzten und bluesigen Kapriolen. Da konnte man dem „Ton in blauer Luft“ nachlauschen, der für den Konzerttitel wohl Pate stand, inspiriert von einem Gedicht Hermann Hesses („Verlorener Klang“).
Bagatellen mit Poesie
Als aufmerksame Duopartnerin assistierte Polova, die ihre pianistische Kompetenz aber nicht nur in den Dienst der Begleitung stellte und sich in den unterschiedlichen Werkumgebungen sehr firm zeigte, vielmehr konnte sie sich auch solistisch bestens präsentieren. Mit drei der späten sechs Bagatellen op. 26 von Ludwig van Beethoven erzählte sie Tastengeschichten zwischen Poesie und skurrilem Witz. Wenn man weiß, dass diese „Kleinigkeiten“ große Anforderungen für Interpreten enthalten, weil sie dramatische Kontraste und schnelle Wechsel verlangen, dann bewunderte man Polovas Spiel umso mehr.
Exzessive Herausforderung
Die Pianistin bestand auch die exzessiven manuellen Herausforderungen in dem „Kiewer Triptychon“ der 90-jährigen ukrainischen Komponistin Bohdana Filtz. Das Stück enthält ein technisch schwieriges Ostinato, Gesänge aus Klöstern, eine rasante Toccata und eine Glockenstrecke. Diese erinnerte an Modest Mussorgskys Glockenklänge im „Großen Tor von Kiew“ (aus den „Bildern einer Ausstellung“). Das Werk wurde zur 1500-Jahr-Feier von Kiew komponiert. Es strahlte in der klangintensiven Wiedergabe von Polova Kraft und Selbstbewusstsein, etwas Festliches und Hoffnungsvolles aus.