13/05/2026
Herzliche Einladung und Nikolskoe – ein Hauch von Russland an der Havel, wo die Glocken nicht nur läuten.
In der Nähe des Blockhauses Nikolskoe, das schon wie ein vergessener Posten aus sibirischen Holzfällertagen anmutet, erhebt sich ein Kleinod, das nicht hierherzugehören scheint – und genau darin liegt sein Zauber. Die Peter-Paul-Kirche ragt auf, eine Vision aus rotem Backstein, byzantinisch-russischem Geist und protestantischer Strenge. Sie ist eine der vielen orthodoxen Anmutungen in Deutschland, die leise vom russischen Kultureinfluss des 19. Jahrhunderts erzählen.
Die Legende, die um ihre Entstehung weht, ist so romantisch, dass man sie fast nicht erzählen mag, aus Sorge, sie könne zu schön sein, um wahr zu sein. Charlotte, die Tochter des preußischen Königs – jene, die später als Alexandra Fjodorowna den Zaren Nikolaus I. heiratete – soll den Wunsch geäußert haben, dass Glockenmusik über die Wiesen, über die Flüsse, über das stille Wasser hinweggleiten möge.
Eines Tages, so die Überlieferung, stand der König am Ufer der Pfaueninsel, blickte wohl hinüber und deutete mit dem Finger auf die Anhöhe und sagte: "Dorthin soll die Kirche kommen, eine Glockenkirche mit russisch-orthodoxer Seele." Das liegt gleich neben das Blockhaus, das zuvor noch 1819 erbaut wurde. Der berühmte Bildhauer Schadow erhielt den Auftrag, diesen Glockenklang in Stein zu übersetzen. Es entstand eine Oase des Friedens, eine Synthese aus Wasser, Wald, steil aufragender Erde und warmen Sonnenlicht. Hier ist alles im Einklang: Die orthodoxe Theologie im Stein verkündet: der Himmel, der zur Erde niedersteigt. Ein offener Himmel für jeden. Nahe dem alten Blockhaus erhebt sich die Kirche St. Peter und Paul — ein Bauwerk zwischen Preußen und Russland, zwischen Romantik und Glaube. König Friedrich Wilhelm III. ließ sie für seine Tochter Charlotte errichten. Der Legende nach soll sie gesagt haben, dass dieser Landschaft noch etwas fehle: der Klang der Glocken.
Man hat dieses Werk bewusst als „hörbares Landschaftsbauwerk“ entworfen. Jenseits der weiten Havel können die Glockentöne den Raum umarmen, und am Abend des 18. August 1837 erklangen erstmals die berühmten Weisen, die auf der Potsdamer Garnisonkirche gespielt wurden: „Üb‘ immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab“. Das war die Musik, die der Prinzessin noch gefehlt hatte. Wald, Wasser, Himmel und Glockenklang verbinden sich hier zu etwas Seltenem: zu einer Landschaft der Erinnerung.
Theodor Fontane, der große Wanderer und Schilderer märkischer Landschaften, war von diesem Zusammenspiel aus Architektur, Landschaft und Klang tief bewegt. Er schrieb einmal über die Kirche auf Nikolskoe, dass sie nicht nur „als Bild in der Landschaft wirken sollte, sondern auch mit ihren Glocken die Stille romantisch-feierlichen Klanges unterbrechen“ müsse. Für Fontane zählte dieser Ort zu den schönsten der Gegend. Die Aussicht von hier oben, über die Bäume, das Wasser und die Uferlinie, sei von besonderem Reiz – und wer hier steht, versteht das sofort.
*Ich erinnere mich an mein ersten Vortrag über Alexandrowka, den viele von Ihnen im April besucht haben. Nun geht die Reise weiter: am kommenden Mittwoch, den 19. Mai, um 19 Uhr, im Russischen Haus in der Friedrichstraße 176 in Berlin. Ich werde die Geschichte von Alexandrowka um neue Perspektiven ergänzen, um bisher kaum beachtete Geschichten und überraschende Verbindungen. Diesmal geht es um Nikolskoe als eine Art Vorboten der späteren russischen Kolonie, um die spirituelle und architektonische Bedeutung der Alexander-Newski-Kapelle, aber auch um die dramatische und viel zu wenig bekannte Zeit Alexandrowkas während der DDR, als die Siedlung in ihrer Existenz bedroht war.*
Selbst wer beim ersten Vortrag dabei war, wird viele neue Aspekte entdecken. Der Vortrag wird auf Deutsch gehalten. Spüren Sie mit mir dieser Atmosphäre nach – jener Atmosphäre, die Fontane schon so fesselte. Lassen Sie uns gemeinsam in eine Welt eintauchen, in der Kulturgeschichte, persönliche Schicksale und die großen politischen Umbrüche aufeinandertreffen.
🗓 19. Mai 2026
🕖 19:00 Uhr
📍 Friedrichstraße 176, Berlin
📲 Anmeldung über die Webseite des Russischen Hauses in Berlin
Herzliche Einladung!