16/08/2026
Die Akasha kann man nicht lesen, veilleicht deswegen, weil wir längst Teil von ihr sind
Wenn wir von der Akasha-Chronik sprechen, benutzen wir ganz selbstverständlich ein Wort, das bereits eine Vorstellung in uns erzeugt:
Lesen.
Jemand liest in der Akasha.
Jemand öffnet die Akasha.
Jemand erhält Zugang zu ihr.
Doch all diese Formulierungen setzen etwas voraus: Auf der einen Seite gibt es uns – und irgendwo auf der anderen Seite gibt es die Akasha.
Was aber, wenn genau diese Trennung gar nicht existiert?
Was, wenn wir die Akasha nicht betreten können, weil wir sie niemals verlassen haben?
Vielleicht lässt sich dieser Gedanke mit einem mehrstöckigen Gebäude verstehen.
Der Mensch im Keller
Stell dir einen Menschen vor, der sein ganzes Leben in einem Keller verbracht hat.
Seine Welt ist dunkel. Über ihm befindet sich eine massive Betondecke. Nur durch ein kleines Fenster weit oben fällt etwas Licht herein.
Er sieht keinen Garten.
Er sieht keine Bäume.
Er kennt den Horizont nicht.
Vielleicht sieht er manchmal einen Schatten vor seinem kleinen Fenster vorbeiziehen. Vielleicht hört er Schritte über sich. Vielleicht nimmt er Dinge wahr, deren Ursprung er nicht erkennen kann.
Und wenn du ihn fragst, wie die Welt aussieht, wird er dir genau das beschreiben, was er kennt:
Die Welt ist ein dunkler Raum mit einer Betondecke.
Und das Merkwürdige ist:
Er hat damit nicht einmal unrecht.
Der Keller existiert.
Sein Irrtum beginnt erst in dem Augenblick, in dem er glaubt:
Weil ich nur den Keller wahrnehmen kann, muss die ganze Wirklichkeit so aussehen.
Ein Stockwerk höher
Nun steigt dieser Mensch eine Treppe hinauf.
Plötzlich steht er im Erdgeschoss.
Zum ersten Mal sieht er durch große Fenster einen Garten. Er sieht Bäume, Menschen und eine Straße. Er erlebt Regen und Sonne.
Seine Wirklichkeit hat sich vollkommen verändert.
Aber hat sich tatsächlich die Welt verändert?
Nein.
Nur sein Standort hat sich verändert.
Und vermutlich wird er auch hier zunächst glauben:
Jetzt sehe ich, wie die Welt wirklich ist.
Dabei befindet sich über seinem Kopf schon die nächste Betondecke.
Er kann vielleicht hören, dass über ihm jemand lebt. Er hört Schritte. Manchmal ein Geräusch. Vielleicht fällt ein Schatten auf seinen Balkon.
Aber er kann nicht sehen, was dort oben geschieht.
Es liegt außerhalb seines gegenwärtigen Blickwinkels.
Vielleicht ist manches, was wir heute als übersinnliche Wahrnehmung bezeichnen, gar nicht so „übernatürlich“, wie es erscheint.
Vielleicht nehmen wir für einen kurzen Moment lediglich etwas wahr, das zu einem größeren Ausschnitt derselben Wirklichkeit gehört.
Mit jedem Stockwerk verändert sich der Blick
Gehen wir weiter.
Im ersten Stock kann der Mensch plötzlich über die Gartenmauer sehen.
Im zweiten erkennt er mehrere Häuser.
Noch weiter oben sieht er ganze Straßenzüge.
Und irgendwann geschieht etwas Entscheidendes:
Er sieht nicht einfach mehr.
Er beginnt, Zusammenhänge zu erkennen.
Unten sah er vielleicht einen Krankenwagen vorbeifahren.
Von oben erkennt er, woher er kam und wohin er fährt.
Unten sah er zwei Menschen miteinander streiten.
Von weiter oben erkennt er vielleicht Ereignisse, die diesem Streit vorausgingen.
Was unten wie ein einzelnes, isoliertes Geschehen aussah, wird von oben Teil eines größeren Zusammenhangs.
Die Wirklichkeit hat sich dabei kein einziges Mal verändert.
Verändert hat sich nur der Ausschnitt, den der Mensch von ihr wahrnehmen konnte.
Vielleicht ist Bewusstseinserweiterung genau das.
Nicht immer mehr Wissen anzusammeln.
Sondern einen Standpunkt einzunehmen, von dem aus mehr sichtbar wird.
Warum die Akasha nichts für Anfänger ist
Wenn man die Akasha so betrachtet, bekommt auch die Aussage, dass die Arbeit mit ihr nichts für Anfänger ist, eine andere Bedeutung.
Nicht, weil die Akasha nur wenigen Auserwählten offensteht.
Und schon gar nicht, weil irgendeine geistige Instanz entscheidet, wer eintreten darf.
Der Mensch im Keller befindet sich schließlich im selben Gebäude wie der Mensch im obersten Stockwerk.
Das ist entscheidend.
Niemand ist außerhalb.
Aber nicht jeder kann von seinem momentanen Standort aus dasselbe sehen.
Ein Mensch kann durchaus plötzlich einen kurzen Blick in ein anderes „Stockwerk“ bekommen.
Ein inneres Bild.
Eine unerwartete Wahrnehmung.
Ein Gefühl, das scheinbar aus dem Nichts auftaucht.
Eine Information, für die er keine Erklärung findet.
Doch Wahrnehmung allein bedeutet noch nicht, dass wir verstehen, was wir wahrgenommen haben.
Vielleicht besteht ein großer Teil medialer Entwicklung deshalb nicht darin, immer mehr zu empfangen.
Sondern darin, den eigenen Standort immer genauer kennenzulernen.
Denn nur wenn ich weiß, wo ich selbst gerade stehe, kann ich beginnen zu unterscheiden, was zu meiner eigenen Innenwelt gehört – und was möglicherweise darüber hinausgeht.
Je höher wir steigen, desto weniger eindeutig wird die Trennung
Stockwerk für Stockwerk wird der Blick weiter.
Der Mensch sieht immer mehr von dem, was unter ihm geschieht.
Er erkennt Freude und Drama gleichzeitig.
Er sieht Wege, die sich kreuzen.
Ereignisse, die aus der Nähe vollkommen unabhängig voneinander erschienen, zeigen plötzlich Verbindungen.
Vielleicht verändert sich irgendwann sogar die Frage.
Nicht mehr:
„Welche Information bekomme ich?“
Sondern:
„Aus welcher Perspektive nehme ich gerade wahr?“
Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Denn die Akasha wäre dann kein gewaltiges Archiv, aus dem einzelne Informationen herausgeholt werden.
Sie wäre vielmehr ein Bewusstseinsfeld, innerhalb dessen sich der mögliche Blickwinkel verändert.
Und dann erreichen wir das Dach
Bis zu diesem Punkt hatte jedes Stockwerk etwas gemeinsam:
Über uns befand sich eine Decke.
Ganz gleich, wie weit wir bereits sehen konnten – irgendetwas begrenzte unseren Blick nach oben.
Doch dann öffnet sich die letzte Tür.
Wir treten auf das Dach.
Keine Betondecke mehr.
Kein weiteres Stockwerk über uns.
Nur Weite.
Frische Luft.
Und der freie Himmel.
Von hier oben können wir zurückblicken.
Wir sehen das Haus.
Den Garten.
Die Straßen.
Vielleicht die ganze Stadt.
Wir erkennen, was unten geschieht, ohne selbst mitten in jedem einzelnen Geschehen zu stehen.
Aber vielleicht liegt die größte Erkenntnis gar nicht in dem, was wir jetzt sehen.
Sondern in etwas anderem:
Der Himmel war die ganze Zeit da.
Auch als wir im Keller saßen.
Er begann nicht erst dort, wo wir das Dach betraten.
Der Mensch im Keller konnte ihn lediglich nicht wahrnehmen.
Und vielleicht verhält es sich mit der Akasha genauso.
Vielleicht führt der Weg gar nicht zur Akasha
Vielleicht steigen wir nicht Stockwerk für Stockwerk hinauf, um irgendwann einen geheimnisvollen Ort namens Akasha zu erreichen.
Vielleicht geschieht etwas vollkommen anderes:
Mit jedem Stockwerk verschwindet ein Teil dessen, was unseren Blick begrenzt hat.
Bis irgendwann immer weniger zwischen unserem Bewusstsein und dem liegt, wovon wir die ganze Zeit ein Teil waren.
Und dann bekommt die Vorstellung einer „Akasha-Lesung“ plötzlich eine völlig andere Bedeutung.
Denn Lesen setzt zwei Dinge voraus:
Einen Leser.
Und etwas, das gelesen wird.
Doch was geschieht, wenn diese Trennung immer kleiner wird?
Was geschieht, wenn wir erkennen, dass wir niemals außerhalb des Feldes standen?
Dann könnte die höchste Stufe der Akasha-Bewusstwerdung ausgerechnet der Punkt sein, an dem wir aufhören, nach einem Buch zu suchen.
Vielleicht gibt es nichts zu öffnen.
Nichts zu betreten.
Und irgendwann vielleicht sogar nichts mehr zu „lesen“.
Denn möglicherweise waren wir niemals Besucher dieses Feldes.
Wir waren die ganze Zeit ein Teil davon.
Und dann bleibt eine Frage, die noch viel weiter führt:
Was geschieht mit unserer Wahrnehmung, wenn zwischen uns und dem Feld keine Decke mehr liegt?
Wenn dich noch mehr interssiert:
https://youtu.be/pKzHAKi1TwE