Ann-Frédérique Seng - Reitunterricht, Kurse und Tierosteopathie

Ann-Frédérique Seng - Reitunterricht, Kurse und Tierosteopathie Ich biete reitweisenunabhängigen Reitunterricht an, u.a. Weiterhin widme ich mich der Tierosteopathie bei Pferden und Hunden.

nach altkalifornischen Grundsätzen im Bosal, sowie Horsemanship Training, Freiarbeit und gymnastizierende Arbeit am Boden. Reiterlich habe ich mich dem altkalifornischen Reiten im Bosal verschrieben. An erster Stelle steht für mich dabei die Gesundheit des Pferdes und eine sinnvolle Gymnastizierung. Ein weiterer Fokus liegt für mich in der Bodenarbeit und gymnastizierenden Handarbeit. Ich gebe Reitunterricht, nehme Pferde in Beritt, aber auch Tages- oder Wochenendkurse sind möglich. Bei Interesse schreiben Sie mir gerne eine PN oder eine Email. Viel Spaß beim Stöbern auf dieser Seite!

08/10/2025

Am kommenden Wochenende ist ein Teilnehmerplatz frei geworden beim Rinderkurs mit mir in Koppenwind auf der Steigerwaldranch. Schreibt mir bei Interesse eine PN!

08/10/2025
Seitengänge in der RinderarbeitVon Seitengängen liest man in der Pferdewelt fast jeden Tag. Häufig komme ich jedoch zu R...
26/02/2025

Seitengänge in der Rinderarbeit

Von Seitengängen liest man in der Pferdewelt fast jeden Tag. Häufig komme ich jedoch zu Reitschülern, die ich frage, ob sie schon Seitengänge geritten sind und die Antwort ist: „Seitwärtsgänge? Ja klar.“ Und dann zeigen sie mir oft ein Schenkelweichen.
Seitengänge zu reiten und das Pferd seitwärts zu reiten sind definitiv zwei verschiedene Dinge.
Zu den Seitengängen zählen das Schulterherein, das Travers und das Renvers. Daraus entwickeln sich unter anderem die Traversale, Pirouetten und einiges mehr. Das Pferd seitwärts zu reiten endet häufig im sogenannten Schenkelweichen, in dem das Pferd entgegen der Bewegungsrichtung gestellt und gebogen wird.

Wozu sollte ich jetzt aber so etwas wie Seitengänge in der Rinderarbeit benötigen?

Schauen wir uns zuerst einmal die Seitengänge im Einzelnen an:

Im Schulterherein bewegt sich das Pferd auf einer geraden Linie oder einer Zirkellinie. Die Vorhand des Pferdes wird über den äußeren Zügel nach innen geführt, die Hinterhand bleibt auf der vorherigen Linie. Das Pferd wird so animiert mit seinem inneren Hinterbein vermehrt unter seinen Schwerpunkt zu treten, Last aufzunehmen und die Gelenke der Hinterhand zu beugen. Es sollte sich im Genick leicht nach innen stellen und mit dem äußeren Vorderbein einen vermehrten Raumgriff entwickeln. Soweit die Theorie. In der Praxis sind manche Pferde jedoch häufig unmotiviert und verstehen nicht, warum sie diese Übungen in der leeren Bahn ausführen sollen.

Im Travers, oder Kruppeherein, möchte ich die Hinterhand des Pferdes in die Bahn herein holen, während die Vorhand auf der vorher gerittenen Linie bleibt. Das Pferd soll dabei in die gleiche Richtung gestellt sein, in die ich die Hinterhand verschiebe. Möchte ich also ein Travers links reiten, hole ich die Hinterhand nach innen (links) und möchte ebenso eine leichte Linksstellung im Genick des Pferdes. Das äußere Hinterbein des Pferdes tritt nun vermehrt unter den Schwerpunkt.

Im Renvers bewege ich die Hinterhand nach aussen, während ich auch hier wieder eine Stellung in die gleiche Richtung abfrage. Reite ich zum Beispiel auf einem Zirkel nach links, bringe ich nun die Hinterhand nach rechts, also nach aussen und möchte auch hier eine leichte Stellung nach rechts im Genick des Pferdes.

Soweit die Theorie zu den Seitengängen. Natürlich ist dies nur ein kurzer Überblick und nicht ausreichend um das Reiten der Seitengänge zu erlernen. Hierfür ist es sinnvoll, sich einen Trainer zu suchen, der dies beherrscht und vermitteln kann, denn es gibt einige Dinge zu beachten.
Kommen wir aber zu den Seitengängen in der Rinderarbeit.

Die Seitengänge korrekt zu reiten ist nicht einfach und häufig kann es passieren, dass sich die Pferde nach einigen Wiederholungen fragen, wozu das denn alles gut sein soll.

Bringt man jetzt aber ein Rind ins Spiel, das von A nach B getrieben werden soll, haben unsere Pferde auf einmal einen Job. Sie sind motivierter, weil sie eine Aufgabe haben. Wenn ich nun ein Schulterherein abfrage, kann es sein, dass die Übung für mein Pferd am Rind auf einmal einen Sinn ergibt. Weiterhin ergibt sich eine bessere Kontrolle der Kuh, da ich diese nun nicht mehr nur mit der Nase meines Pferdes, sondern mit dem gesamten Pferdekörper kontrolliere. Es lässt sich jedoch sagen, dass vor allem in der Rinderarbeit, wie generell in der Anwendungsreiterei, meist ein vierspurig gerittener Seitengang notwendig ist. Dies bedeutet, dass das Pferd sich mit seinen Hufen auf 4 Spuren bewegt, statt auf 3. Viel häufiger als das Schulterherein benötige ich jedoch das Travers oder auch das Renvers in der Rinderarbeit. Habe ich einen Zaun oder eine Bande, an der ich das Rind entlang treiben kann, so kann ich mein Pferd in ein Renvers stellen und mit der Hinterhand meines Pferdes verhindern, dass die Kuh sich umdreht und nach hinten läuft. Gleichzeitig verhindere ich jedoch auch, dass die Kuh nach innen in die Bahn abbiegt, da ich sie hier mit der Nase meines Pferdes abschirme.
Mein junger Lusitano Alvaro ist sein erstes Renvers im übrigen an der Kuh gegangen. Wir trieben Rinder in einem Roundpen und bis dato kannte er nur das Schulterherein und das Travers. Als wir die Kuh jedoch an der Bande entlang trieben und ich ihn nach einem Renvers fragte, welches wir in diesem Moment benötigten um die Kuh in die richtige Richtung zu bewegen, hatte er sehr schnell heraus, dass man die eigene Hinterhand wunderbar einsetzen kann um Rinder zu bewegen. Wichtig ist hierbei natürlich, dass das Pferd nicht lernt, dass es das Rind mit Tritten oder Ähnlichem antreiben darf. Aber da Alvaro nur die Hinterhand in Richtung Kuh bewegte und diese sofort verstand, dass sie Weichen sollte, war dies eine wunderbare Gelegenheit ihm das Renvers beizubringen. Von diesem Zeitpunkt an konnte ich es auch ohne Rinder jederzeit abfragen – einfach, weil er den Sinn dahinter verstanden hatte.

Rinder in Seitengängen zu bewegen hat jedoch noch einen ganz anderen entscheidenden Vorteil – sie werden nicht so schnell. Wenn ich das Rind nur mit der Nase meines Pferdes bewege, muss ich mein Pferd sehr viel bewegen um das Rind halten zu können. Je mehr und schneller ich jedoch mein Pferd bewege umso schneller wird auch das Rind. Arbeite ich jedoch in Seitengängen, kann ich das Rind viel besser kontrollieren und viel langsamer und gezielter arbeiten. Um schnellere Manöver zu üben, ist es recht einfach das Rind schneller werden zu lassen. Die eigentliche Schwierigkeit liegt jedoch darin, Rinder ruhig und kontrolliert zu arbeiten. Auch die Besitzer der Rinder profitieren hiervon und lassen ihre Rinder lieber auf diese Art und Weise arbeiten. Denn wenn wir pferdefreundlich arbeiten, sollte man mit den Rindern auch vernünftig umgehen. Das bedeutet, die Tiere nicht mehr als notwendig zu stressen, was nur in einer ruhigen Art und Weise ablaufen kann.

Das Bosal – ein EinstiegImmer mehr Menschen interessieren sich für das Reiten im Bosal. Aber aller Anfang ist schwer und...
18/02/2025

Das Bosal – ein Einstieg

Immer mehr Menschen interessieren sich für das Reiten im Bosal. Aber aller Anfang ist schwer und viele Fragen kommen auf: Mit welchem Bosal kann ich einsteigen? Wie bestimme ich ob es meinem Pferd passt? Wie reite ich damit?
In diesem Post werde ich versuchen einige dieser Fragen näher zu beantworten.

Hat man sich nun dafür entschieden, dass man sein Pferd gerne im Bosal reiten würde, sollte man sich zunächst ein paar Fragen stellen: Habe ich jemanden an der Hand, der mir den Umgang mit dem Bosal zeigen kann? Möchte ich mit diesem Bosal ein junges Pferd anreiten, ein abgestumpftes umstellen oder ein gut ausgebildetes Pferd gebisslos reiten?

Generell lässt sich sagen, dass ein gutes Einsteigerbosal eine Dicke von 5/8 inch hat. Diese Stärke wird dabei an den Cheeks (Seitenteile) des Bosals gemessen.
Das Bosal sollte einen Nosebutton besitzen, der nicht zu lang ist. Er sollte zwischen 6 und 7 inch, also zwischen 15 und 18 cm lang sein. So ist gewährleistet, dass das Bosal korrekt wirken kann. Wäre der Nosebutton länger, würde er auf der Nase hin und her hüpfen wenn man die Zügel annimmt. Dies würde zum einen dazu führen, dass das Signal nicht mehr so klar ankommt, zum anderen kann es auf längere Sicht zu Irritationen auf der Nase führen. Manche Pferde fangen dann auch schon an mit dem Kopf zu schlagen, weil einfach zu viel ungewollte Bewegung auf der Nase statt findet.
Sollte der kurze Nosebutton dazu führen, dass der Hanger des Bosals dem Pferd im Auge hängt, so lässt sich dieser recht einfach mit einem Tie Back zurück binden.

Das Bosal sollte eine gewisse Festigkeit haben, aber nicht zu hart sein. Generell gibt es hier natürlich wieder Ausnahmen, bei denen ganz am Anfang ein festeres Bosal sinnvoll sein kann – zum Beispiel wenn Pferde gelernt haben durch den Druck zu gehen. Allerdings sollte die Notwendigkeit hierfür nur mit einem Trainer zusammen entschieden werden, denn es gibt viele Ursachen für ein erlerntes Fehlverhalten des Pferdes und oftmals hat solch ein Verhalten auch körperliche Ursachen. Da bringt dann auch ein härteres Bosal nichts und man sollte sich lieber die Zeit nehmen, sein Pferd einmal gründlich durchchecken zu lassen.
Generell reicht aber ein mittelfestes Bosal aus.

Die Mecate, die man zusammen mit dem Bosal verwendet, sollte den gleichen Durchmesser wie das Bosal besitzen. Reite ich also in einem Bosal mit 5/8 inch Durchmesser, sollte auch meine Mecate einen Durchmesser von 5/8 inch haben. Ob diese Mecate jetzt aus Pferdehaar, Alpaka oder Mohair besteht ist letzten Endes persönliche Präferenz. Die Pferdehaarmecaten sind etwas pieksiger, wobei Mecaten, die aus Mähnenhaar bestehen, deutlich weicher und meist auch teurer sind als Mecaten aus Schweifhaar.

Wenn man sich nun überlegt hat, welches Bosal und welche Mecate es sein soll, muss man sicherstellen, dass diese Kombination dem Pferd auch passt.
Mittlerweile gibt es auch in Deutschland die Möglichkeit, ein Bosal auf Maß fertigen zu lassen. Dabei kontaktiert man am besten einen Bosalbraider, der ein Bosal auf Maß anfertigt und lässt sich das genaue Vermessen der Pferdenase erklären. Es gibt auch verschiedene Händler, die bereits fertige Bosals verkaufen. Auch diese kann man im Normalfall kontaktieren und erhält dann eine Anleitung zum Messen. Da sich die Messanleitung von Hersteller zu Hersteller unterscheiden kann, verzichte ich auf das Einstellen einer genauen Messbeschreibung.

Habe ich nun mein Bosal in der Hand und konnte zum ersten Mal erfolgreich die Mecate am Bosal befestigen, gibt es immer noch ein paar Dinge die ich beachten muss: Das Bosal sollte ca. zwei Finger breit über der Stelle liegen, an denen der Knochen des Nasenbeins seitlich in den Knorpel übergeht. Nur so ist gewährleistet, dass das Bosal nicht am sich verjüngenden Teil des Nasenbeins aufliegt. Denn an dieser Stelle könnte man das Pferd durchaus verletzen, was wir auf keinen Fall möchten.

Rund um die Nase sollte das Bosal wie ein gut passender Hut anliegen. Liegt das Bosal stattdessen locker wie ein Hoolahoop Reifen auf der Nase, haben wir keine genaue Signalübertragung, da das Bosal immer seitlich wackeln wird.
Zu der Anzahl der Wicklungen der Mecate: Im Idealfall habe ich 2-3 Wicklungen, bevor die Zügel und das Führseil gewickelt werden. Wenn mehr Wicklungen nötig sind damit das Bosal passend anliegt, ist das Bosal wahrscheinlich zu groß.

Wenn wir möchten, dass unser Pferd fein reagiert, sollten wir auch mit einem fein wirkenden Werkzeug arbeiten. Wenn ich erst 5 Wicklungen anheben muss, um ein Signal zu geben, kann man nicht von einer feinen Wirkungsweise sprechen. Wenn ich klare, eindeutige Signale mit minimalem Aufwand geben möchte, muss mein Bosal einfach gut sitzen.

Unter dem Kinn des Pferdes sollte man noch zwei Finger zwischen die Mecate und das Kinn schieben können. Nur so kann das Pferd kauen, was sehr wichtig für eine korrekte Stellung ist, da es hierbei den Unterkiefer verschieben können muss. Es soll sich ja beim Reiten entspannen und das geht immer besser, wenn die Kiefer nicht aufeinander gebunden werden.

Ich hoffe ich konnte euch einen Einstieg für das Bosal mitgeben. Schreibt gerne in die Kommentare wenn euch noch etwas fehlt :)
Eure Ann

Der KappzaumImmer mehr Pferdebesitzer haben den Kappzaum als wertvolles Werkzeug für sich entdeckt. Doch was genau macht...
11/02/2025

Der Kappzaum

Immer mehr Pferdebesitzer haben den Kappzaum als wertvolles Werkzeug für sich entdeckt. Doch was genau macht ihn eigentlich aus?

Bei der Handarbeit mit meinen Pferden verwende ich gerne einen Kappzaum. Durch ihn kann ich gezielt auf den Oberkiefer einwirken, was mir vor allem dann einen Vorteil bringt, wenn ich etwas seitlich vom Pferd stehe. Wenn ich auf den Oberkiefer einwirke während ich einen Impuls gebe, kann ich sicher stellen, dass sich das Pferd korrekt stellen lässt. Korrekt heisst in diesem Fall, es verwirft sich nicht im Genick, die Ohren bleiben auf gleicher Höhe und der Unterkiefer kann vor den Atlasflügel des ersten Halswirbels gleiten.

Natürlich wird man, nur weil man einem Pferd einen Kappzaum anzieht, nicht automatisch eine korrekte Stellung erzielen können. Denn da gehören einige biomechanische Feinheiten dazu, die man nicht außer Acht lassen kann. Dennoch verringert man die Problematik, dem Pferd das Verwerfen im Genick anzugewöhnen.

Arbeite ich in einem Bosal seitlich stehend vom Boden aus, habe ich eine direkte, seitliche Einwirkung auf den Unterkiefer. Dies kann durchaus dazu führen, dass das Pferd beginnt sich zu verwerfen und mir eine korrekte Stellung verweigert. Es ist möglich, am Boden mit Bosal zu arbeiten. Ich persönlich arbeite dann aber lieber recht nah am Pferd in einer seitlichen Führposition, in der ich die Zügel ähnlich bedienen kann, wie ich es auch beim Reiten mache und den äußeren Zügel zu Hilfe nehmen kann falls das Pferd beginnt sich zu verwerfen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Kappzaum bin ich damals nicht fündig geworden und habe so irgendwann angefangen, eigene Kappzäume zu bauen. Die Nasenteile meiner Kappzäume sind aus Leder gefertigt und somit stabil und gleichzeitig beweglich. Mittlerweile habe ich Kappzäume, die schon 10 Jahre alt sind, an vielen verschiedenen Pferden waren und immer noch wunderbar funktionieren und ihren Zweck erfüllen. Da Leder durch die Benutzung und mit einer guten Pflege meiner Meinung nach mit der Zeit nur schöner wird, sollten in diesen Kappzäumen auch noch einige Jahre stecken.

Mittlerweile gibt es zum Glück viele verschiedene Anbieter die gute Kappzäume entwerfen. Denn im Moment mit eigenem Hof komme ich nicht mehr zu solchen Arbeiten.

Ich wünsche euch noch einen schönen Tag,
Eure Ann

Der Zweck der Gymnastizierung: Erklärt an meinem Pferd SherlockGymnastizierung ist ein Begriff, der heutzutage in der Pf...
04/02/2025

Der Zweck der Gymnastizierung: Erklärt an meinem Pferd Sherlock

Gymnastizierung ist ein Begriff, der heutzutage in der Pferdewelt sehr oft Verwendung findet.
Doch was bedeutet er überhaupt?

Sicherlich wird man verschiedene Vorstellungen finden, wenn man dies näher hinterfragt. So finden sich Methoden wie Ausbinder, Longierhilfen, Körperbänder, Handarbeit, Bodenarbeit, Equikinetic und sicherlich noch viele mehr.

Für mich stellt sich in Bezug auf die Auswahl der Methode immer die Frage: Was bringt es meinem Pferd? Bringt es meinem Pferd etwas, Ausbinder zu nutzen, die es in seiner Beweglichkeit einschränken und vielleicht sogar eher mit einem Abwehrverhalten einhergehen? Bringt es mir etwas, dadurch Muskulatur zu trainieren, die dem Pferd eher schadet als zu helfen? Möchte ich, dass ein bestimmtes Werkzeug meinem Pferd zeigt, wie es sich gesund bewegen kann oder bin ich der Meinung, dass die meisten Werkzeuge einfach nicht so genau arbeiten können wie ein gut geschulter Mensch..?

Ich bin definitiv eher die Person, die den Mensch als Halter und Trainer des Pferdes in den Vordergrung stellt. Für mich gibt es kein Werkzeug, das ich dem Pferd umschnallen kann und das meinen Job übernimmt. Denn wenn man sich einmal eingehender mit der Biomechanik von Pferden auseinandersetzt, wird man feststellen, dass diese sehr komplex ist.
Es kommt nicht darauf an, das Pferd in eine gewisse Position zu zwingen um es korrekt zu gymnastizieren.
Es gibt so viele Einzelteile auf die ich Rücksicht nehmen muss, wenn ich eine individuelle Lösung für das Pferd, welches vor mir steht, erarbeiten möchte.

Dies möchte ich für euch an einem meiner Pferde näher erläutern:

Hier seht ihr Sherlock, meinen mittlerweile 14-jährigen Quarter Horse Wallach.
Sherlock steht im Rechteckformat, ist überbaut, hat einen schwachen Rücken, Gallen im Bereich der Fessel- und Sprunggelenke und bei Überbelastung können die Fesselgelenke anschwellen.

Mittlerweile mache ich mit ihm nur noch Handarbeit und Freiarbeit, weil ich der Meinung bin, dass er so gesünder alt werden kann und hoffentlich mit der gymnastizierenden Arbeit, die ich mit ihm mache, noch lange gesünder bleiben kann.

Ich habe mit ihm mit der Stellung und Biegung und den Seitengängen am Boden (und damals auch im Sattel) begonnen. Wichtig war mir dabei, ihm dies erst im Schritt zu vermitteln. Natürlich habe ich ihn auch mal im Trab und Galopp bewegt. Mir war eine gute Basis jedoch sehr wichtig für ihn, da er damals nur mit einem nach oben gestreckten (giraffenartigen) Hals und weggedrücktem Rücken Traben konnte. Dass er damals nicht gerade entspannt war hat mir die Sache nicht erleichtert. Darum habe ich auch viel Gelassenheitstraining und Horsemanship Bodenarbeit mit ihm gemacht.

Über die Jahre haben wir uns vorgearbeitet zu den Seitengängen im Trab, auch im Galopp und haben dann angefangen mit der Piaffe. Die hat Sherlock wirklich dabei geholfen, das Konzept des "sich setzens" noch besser zu verstehen. Um mit der Hinterhand nur auf Höhe des Widerrists zu kommen muss er sich in der Piaffe bereits deutlich setzen. Nach und nach konnte er dies immer besser umsetzen und baute eine bessere Muskulatur im Bereich der Hinterhand auf. Dennoch hatte er oft Schwierigkeiten, sich im Widerrist zu heben, was ein nicht unerheblicher Anteil in der Piaffe sein sollte. An energiereichen Tagen konnte er das manchmal leisten, es fiel im jedoch immer sehr schwer.

Die Piaffe ließ ich weiterhin in meine Arbeit einfließen, arbeitete aber auch noch mehr am Galopp. Unter anderem arbeitete ich daran, dass Sherlock am Boden versammelt aus dem Schritt angaloppierte, während ich rückwärts vor ihm ging. Auch das erwies sich als große Herausforderung, da Sherlock hier oft sehr aufgeregt wurde und ich wirklich gut einschätzen musste, an welchen Tagen ich diese Übung überhaupt abfragen konnte. Im Winter war daran häufig gar nicht zu denken, da sein Energielevel einfach zu hoch war.

Mit der Zeit wurde er jedoch auch in dieser Übung immer souveräner und gelassener. Dadurch baute er weiterhin Hinterhandmuskulatur auf und es gelang ihm langsam, auch im Widerrist höher zu kommen. Dadurch verbesserte sich seine Schultergürtel-, Rücken- und Bauchmuskulatur.

Wir fingen nach und nach an, mehr Versammlung im Galopp zu erreichen und konnten das Terre à Terre entwickeln. Zu Beginn konnte Sherlock dies nur wenige Sprünge halten. Mit der Zeit ging es jedoch immer länger. Über das Terre à Terre schafft ich es nach und nach (und wir reden hierbei über eine Zeitspanne von Jahren), dass er sich im Widerrist noch besser heben konnte.

Bei Sherlock muss ich immer ein wenig aufpassen, dass ich es nicht übertreibe. Wenn ich an einem Tag zu viele, zu stark versammelnde Übungen machte, bekam er am nächsten Tag oft verdickte Gelenke (vor allem das Fesselgelenk war betroffen). Ich musste also lernen, sehr auf ihn und seinen Körper zu schauen und gab uns die Zeit dafür. Denn letzten Endes ist es doch egal wann das Pferd wie lang im Terre à Terre bleiben kann. Im besten Fall sollte sich diese Zeitspanne nach dem Pferd richten.

Wie dem auch sei, heute kann Sherlock sich im Terre à Terre, welches er manchmal auch in ein Mezair verwandelt, viel besser tragen und wirkt dabei noch stolzer und so gelassen! Danach brummelt er mich immer ausgiebig an, denn er weiß, dass er das toll gemacht hat und möchte natürlich seine Belohnung – die er auch bekommt!

Ich dachte, ich lasse euch einfach mal an ein bisschen an unserem Weg teilhaben, vielleicht könnt ihr ja etwas für euch mitnehmen. Und vielleicht bringt das auch ein bisschen Realität ins Internet – denn all dies hat Jahre gedauert – nicht nur ein paar Monate oder Wochen.

Mich fragte einmal eine Kundin ob ich ihrem Pferd die Piaffe beibringen könnte, nachdem ich ihr ein Video von Sherlock in der Handarbeit gezeigt hatte. Ich scherzte: "Klar, in zwei Tagen kann er das." Ich war mir sicher, dass sie dies als Witz auffassen würde. Aber sie meinte: "Wirklich? Ja, das wäre ja super, dann fangen wir doch direkt an."
Ich habe ihr dann mal ganz schnell erklärt, dass eine korrekte Piaffe definitiv mehr Zeit braucht und einiges an vorhergehender Grundlagenarbeit..schon spannend, wie unterschiedlich Einstellungen da doch sein können.

Nun gut, ich hoffe für euch ist etwas dabei und ich wünsche euch noch einen schönen Tag.
Eure Ann

Fotos: auf dem ersten Piaffe Foto kann man hut erkennen wie überbaut Sherlock ist und wie schwer es ihm fällt sich zu setzen.
Das zweite Foto müsste ca 1 oder 2 Jahre später entstanden sein..er hat Muskulatur aufgebaut und seine Beweglichkeit verbessert und kann sich nun deutlich besser hinten setzen und vorne anheben - wenn auch in einer anderen Übung.

Die Piaffe wird wohl niemals Sherlocks beste Übung werden. Sie hat uns aber dabei geholfen die nächsten Schritte gehen zu können

WANN KANN ICH AUF EIN 1/2 INCH BOSAL UMSTEIGEN?Im Normalfall startet man mit einem 5/8 inch Bosal. Diese 5/8 inch bezieh...
28/01/2025

WANN KANN ICH AUF EIN 1/2 INCH BOSAL UMSTEIGEN?

Im Normalfall startet man mit einem 5/8 inch Bosal. Diese 5/8 inch beziehen sich dabei auf den Durchmesser der Cheeks (Seitenteile) des Bosals. Im Normalfall wählt man passend dazu eine Mecate mit der gleichen Stärke aus, also auch hier 5/8 inch.

Doch wann ist der Zeitpunkt gekommen um auf ein ½ inch Bosal mit der passenden Mecate umzusteigen?

Ursprünglich wurde das ½ inch dicke Bosal hauptsächlich dazu eingesetzt, das Pferd als Vorbereitung auf die Two-Rein Phase an den geringeren Durchmesser der Bosalcheeks zu gewöhnen. Denn in der Two-Rein wird das Pferd mit einem 3/8 inch Bosalito mit passender Mecate und in einem Bit mit Rein Chains und Romal Reins geritten. Der Übergang hierzu wird ihm so erleichtert.

Das ½ inch Bosal kann jedoch auch dann passend sein, wenn man das Gefühl hat, mit einer 5/8 Mecate zum einen zu viel in der Hand zu haben und man glaubt, dass man mit einer dünneren Mecate und einem dünneren Bosal noch feiner einwirken könnte. In diesem Fall bedeutet das, man muss die Hand dann noch weniger bewegen um das Signal an die Pferdenase weiter zu geben.
Wenn man das Pferd nun vielleicht testweise in einem ½ inch Bosal reitet und bemerkt, dass man genau so viel wie vorher mehr machen muss, sollte man noch einmal zurück in das 5/8 inch Bosal wechseln.

Wenn man ein ½ inch Bosal als Korrekturmaßnahme einsetzt um Fehler zu korrigieren, die sich im 5/8 Bosal eingeschlichen haben, so ist das definitiv nicht der richtige Weg! Durch den geringeren Durchmesser des ½ inch Bosals kann man mit diesem im Zweifel auch schärfer einwirken und so vorherige Ausbildungsfehler überspielen.
Dies ist jedoch auch nicht besser, als zu einem schärferen Gebiss zu greifen, wenn Dinge nicht so funktionieren wie gewollt und sollte deshalb absolut vermieden werden.

Junge Pferde, die erst wenige Wochen unter dem Sattel sind, sollten auf jeden Fall erst einmal im 5/8 inch Bosal geritten werden, bis einige Grundlagen gefestigt sind. Was genau das Pferd können sollte, bevor man in ein ½ inch Bosal gehen sollte, liegt ein wenig im eigenen Ermessen.

Adresse

Dorfstr
Schwarzenborn
35091

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