In der Pädagogik beruht der Einsatz von Tieren in der Einsicht, dass Tiere dem Menschen nicht nur Gesellschaft leisten, sondern eine beruhigende und heilende Wirkung auf Körper und Seele des Menschen ausstrahlen. Das Lebewesen Pferd hat dabei eine ganz besondere Wirkung und Anziehungskraft auf den Menschen. Meine ungeteilte Aufmerksamkeit gilt im Besonderen dem Pferd, da ich seit meinem fünften Lebensjahr reite und somit ständig die Nähe dieses Tieres genießen durfte. Das Pferd zeigte sich mir als ständig verlässlicher Partner in für mich schwierigen Situationen und bot mir zu jeder Zeit eine Rückzugsmöglichkeit. Über die Jahre hinweg zog sich diese besondere Anziehungskraft des Pferdes und besteht bis heute. In den letzten Jahren beobachtete ich viele Kinder im Reitunterricht und fühlte oft die erholsame und ruhige Wirkung des Pferdes auf die Kinder, wie diese sich im Umgang mit dem Pferd verändern. Aggressive Kinder wurden plötzlich ruhig und umsichtig, Zurückhaltende fanden eine Möglichkeit aus sich heraus zu kommen und sich ihren Ängsten zu stellen. All diese Erfahrungen führten mich auf den Weg, das Pferd nicht nur im sportlichen Einsatz zu sehen, sondern seine pädagogisch-therapeutische Bedeutung zu ergründen.
„(…)Das Pferd weiß unsere Masken zu durchbrechen und uns im waren Lichte unserer tiefsten Seelenhaltung zu erkennen, ohne Psychologie studiert zu haben. Es erkennt Falschheit und Lüge, Angst und Überheblichkeit, Demut und Dankbarkeit, ohne sich zu erklären, zollt es unserem Charakter die Achtung, die uns gebührt. Das Spiegelbild, das uns das Pferd zeigt, sind unsere inneren unsichtbaren Stärken, Mängel und Schwächen. Das Pferd schaut hinter den Spiegel, es kann durchblicken und sieht, wie der Mensch hinter der Spiegelwand wirklich aussieht. Unser Spiegel zeigt nur die Äußerlichkeit, das Pferd ist für uns der Spiegel unserer Seele. Die Charaktereigenschaften, die wir zu verbergen suchen, erkennt das Pferd sofort. Trotzdem dient es uns treu, damit wir an ihm uns schulen und mit ihm zur Harmonie gelangen.“
- Brandl Selma