16/06/2026
🐰 „Aber er kann den Umfang doch berechnen!“
Genau das höre ich häufig.
Ein Kind löst diese Aufgabe problemlos:
📐 Rechteck
Länge: 6 cm
Breite: 2 cm
Umfang:
6 + 2 + 6 + 2 = 16 cm
Alles richtig.
Doch dann kommt eine Sachaufgabe:
🐰 Familie Richter möchte für ihre Kaninchen zwei Freigehege bauen.
Ein Gehege ist quadratisch.
Ein Gehege ist rechteckig.
Wie viel Kaninchendraht wird für die Umzäunung benötigt?
Und plötzlich weiß das Kind nicht mehr weiter.
Viele Erwachsene denken dann:
❌ „Es hat die Umfangsberechnung nicht verstanden.“
Doch oft stimmt das gar nicht.
Bei Dyskalkulie liegt die Schwierigkeit häufig nicht in der Rechnung.
Die Schwierigkeit liegt darin, die Aufgabe zu entschlüsseln.
Das Gehirn muss gleichzeitig:
🔹 den Text lesen
🔹 wichtige Informationen finden
🔹 Unwichtiges ausblenden
🔹 erkennen, dass „Kaninchendraht“ eigentlich „Umfang“ bedeutet
🔹 die passende geometrische Form erkennen
🔹 die Zahlen zuordnen
🔹 erst dann rechnen
Während Erwachsene oft sofort sehen:
➡️ Quadrat
➡️ Rechteck
➡️ Umfang
sieht ein Kind mit Dyskalkulie häufig zuerst:
🐰 Kaninchen
🌱 Gras
🧱 Zaun
📖 Text
🔢 Zahlen
❓ Frage
Und irgendwo darin versteckt sich die Mathematik.
Deshalb können viele Kinder mit Dyskalkulie eine Umfangsrechnung beherrschen und trotzdem an einer Sachaufgabe scheitern.
Nicht weil sie faul sind.
Nicht weil sie nicht aufpassen.
Nicht weil sie „schlecht in Mathe“ sind.
Sondern weil der schwierigste Teil oft nicht das Rechnen ist.
Der schwierigste Teil ist:
💡 Die Welt in Mathematik zu übersetzen.