21/07/2026
🚎Von der Stunde Null bis 1968 und in die Zukunft
Vergangenen Samstag, 18. Juli reiste eine Gruppe Kultur- und Politik-Interessierter auf den Spuren von Kunst, Gestalten und Demokratie nach Ulm. Dort startete der Tag mit einem geführten Besuch der ehemaligen Hochschule für Gestaltung Ulm zu ihrer Geschichte und ihren legendären Projekten.
1953 von Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher und Max Bill gegründet, schrieb die HfG Ulm bis zu ihrer Schließung 1968 Designgeschichte. Hier entstanden der „Ulmer Hocker“, die Grundzüge des Produktdesigns der Firma Braun, das Stapelgeschirr TC 100 von Hans (Nick) Roericht sowie das Erscheinungsbilds der Lufthansa. Zugleich hielt die Hochschule, entstanden aus einer antifaschistischen Geisteshaltung, an der Überzeugung fest, Demokratie durch Bildung und Ausbildung im Bewusstsein der jungen Generation zu verankern.
Die Mitreisenden staunten darüber, dass Otl Aicher, Ehemann von Inge Aicher-Scholl, das gesamte Coporate Design für die Münchner Olympischen Spiele 1972 entwickelt hatte und welch bewusste Zeichen er gegen Olympia 1936 setzte, um das neue demokratische Deutschland zu zeige.
Dass Gestaltung demokratisch sein kann bzw. dass sie immer politisch ist, zeigte sich vor Ort in den Räumen der HfG eindrücklich.
Im Anschluss wurde die Gruppe vom Leiter Dr. Christoph Hantel, Leiter der vh Ulm begrüßt und in die Geschichte des Hauses eingeführt. Denn die Ulmer Volkshochschule wurde am 24. April 1946 – auf den Tag ein Jahr nach der Befreiung Ulms durch die Amerikaner – von Inge Aicher-Scholl gegründet. Sie war die ältere Schwester von Hans und Sophie Scholl, die als Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet worden waren. Unterstützt von ihrem Mann Otl Aicher und einem engagierten Kuratorium setzte sie »im Geiste der Ermordeten« das moralische und politische Erbe der Widerstandsgruppe in die Tat um.