14/12/2023
Adventszeit und Rauhnächte...jetzt beginnt die stimmungsvollste Zeit für Räucherungen!
Ab dem 1. November verwende ich u.a. Holunderbeeren, Rosmarinzweige, Salbei. Beifuß und Thymian auf heimischem Baumharz, dazu Myrrhe und Styrax....
Der Holunder, auch bekannt unter verschiedenen Namen wie Elderbaum, Fliederbeere, Holder, Holler, Husholder, Keilken, Kisseke, Schwarzholder und Schwitztee, zählt zweifellos zu den bedeutendsten Heil - und Zauberpflanzen in der Natur. Um ihn ranken sich zahlreiche Traditionen und Legenden, die seine mystische Bedeutung unterstreichen. Einige Forscher bestreiten zwar diese etymologische Verbindung und leiten den Namen eher von dem indogermanischen "hul" für "schwarz" und "-der" für "Baum" ab, was "Schwarzbaum" bedeuten würde. Der botanische Name "Sambucus" ist ebenso rätselhaft und könnte von der älteren Bezeichnung "Sabbucus" abgeleitet sein, die auf die indogermanische Wurzel "sap" oder "sab" für "Saft" hinweist. Somit könnte "Sambucus nigra" als "Schwarzsaft" interpretiert werden.
Der englische Name "Elder" leitet sich vom angelsächsischen Wort "æld" für "Feuer" ab, da die hohlen Holunderstiele einst dazu verwendet wurden, Feuer zu entfachen.
Die Mythologie des Holunders ist untrennbar mit den Gestalten der Großen Göttin verknüpft. Kein Wunder also, dass der "Hollerbusch" oft in enger Verbindung zur Frau Holle oder der "Holder" zur germanischen "Hulda" gebracht wird. Die Germanen brachten der Holla/Hulda unter dem Holunder Opfer dar. Bei den keltischen Inselbewohnern war der Holunder mit der Göttin Morrhigan verbunden, und zu Beltane wurden Holunderzweige an Türen und Fenster gehängt, um vor schwarzer Magie zu schützen. In Nordischen Ländern wird im Holunder die Hyldemoer, die Eldermutter oder Holunderfrau, verehrt, und es wird geglaubt, dass man unter einem Holunder in der Nacht der Sommersonnwende die Feenkönigin sehen kann.
In Bayern war es früher üblich sich vor dem Holunder zu verbeugen oder auch im Vorbeigehen den Hut zu ziehen. Diese alte Bauernweisheit zeigt den tiefen Respekt vor der Macht des Holunders. Wer den Holunder absichtlich beschädigte, riskierte Krankheit, Unglück und Tod. Britische Landarbeiter weigerten sich sogar bis ins 20. Jahrhundert hinein, Holunderbäume zu fällen, um kein Unglück heraufzubeschwören. Da der Baum als heilig galt, verwendete man sein Holz auch für rituelle Besen, die als "Hexenbesen" bekannt waren. Bauernhöfe wurden und werden oft bis heute von einem Holunderbaum an allen vier Ecken des Anwesens beschützt und gesegnet.
Wer dem Holunder Respekt erwies, wurde mit seiner Heilkraft belohnt. In Süddeutschland und Österreich brach man bei Sonnenuntergang drei Zweige vom Holunder, nannte den Namen eines kranken Tieres und hängte die Zweige über den Kamin, bis sie trocken waren. Dann sollte auch das Vieh gesund sein. Die Verbände von Wunden wurden manchmal in den Baum gehängt, in der Hoffnung, dass der Holunder die Krankheit in die Erde ableiten würde.
Auch die Plazenta wurde gerne unter Holunderbüschen begraben, um Mutter und Kind zu segnen und vor Unheil zu schützen.
Umgekehrt begleitete der Geist des Holunders die Menschen auf ihrem letzten Weg aus dem Leben. Wer unter einem Holunder einschlief, riskierte, in der Anderswelt aufzuwachen. Verstorbene wurden auf Holunderzweigen gebettet, und ein sterbender Holunder auf dem Hof deutete auf den nahenden Tod eines Bewohners hin. In einer christlich geprägten Legende hieß es, Judas habe sich an einem Holunder erhängt, was den unangenehmen Geruch seines verwesenden Laubs erklärt. Man brachte verstorbenen Familienmitgliedern eine Schale Milch unter den Haus-Holunderbusch, um ungeborene Seelen in die physische und Verstorbene in die jenseitige Welt zu begleiten.
Der Holunder besitzt auch eine bemerkenswerte Wirkung auf die menschliche Seele. Er kann die Stimmung heben und die Lebensgeister wecken. Um das Gemüt zu stärken und in seelischen Krisensituationen und bei Verlusten zu helfen, legte man einen Beutel getrockneter Holunderbeeren unter das Kopfkissen oder trug ihn bei sich.
Die getrockneten Blüten des Holunders werden vor allem bei Ahnenritualen verräuchert, um die Verbindung zu Verstorbenen zu unterstützen und die eigene Trauer zu bewältigen. Die Blütenessenz des Holunders fördert Vitalität und ein gutes Körpergefühl, schafft eine Brücke zwischen Altem und Neuem und unterstützt in Lebensphasen des Übergangs. In Erkältungszeiten spenden warmer Holunderblütensirup und Hollersaft oder auch Holunderschnaps Vitamine und Lebenskraft.
Insgesamt symbolisiert der Holunder das Leben und den Tod, genau wie die weißen Blüten und die schwarzen Beeren, dazu die rötlichen Stängel im Frühjahr: WEISS - ROT - SCHWARZ... die Farben der Göttin ( wie auch beim Storch...). Er bildet den Rahmen des Lebens und beschützt die Übergänge des Lebens, verleiht Lebenskraft und begleitet die Seele auf ihrer Reise.