10/08/2026
Versöhnung?
Darf man mit Deutschen reden? Über diese Frage zerstritt sich nach dem Holocaust die jüdische Welt. Dann trafen vor 60 Jahren in Brüssel erstmals hochrangige Vertreter der Bundesrepublik auf Repräsentanten Israels und der Diaspora. Die Geschichte eines Abends, mit dem niemand gerechnet hatte.
Ein Gastbeitrag von David Jünger in der Zeit Nr. 34/2026.
Den Beitrag finden Sie in der Printausgabe oder online (€) unter folgendem Link: https://www.zeit.de/2026/34/juedischer-weltkongress-1966-bruessel-israel-nahum-goldmann-eugen-gerstenmaier
07/08/2026
Neue Folge online!
In der letzten Folge unserer Staffel, die Sie ab heute hören können, durften wir Ruth Nattermann begrüßen, mit der wir über die Geschichte des Leo Baeck Instituts (LBI) gesprochen haben, also jenem weltweit wichtigsten Dokumentations- und Forschungszentrum zur Geschichte des deutschsprachigen Judentums, das aus der deutsch-jüdischen Diaspora heraus entstanden ist und das im vergangenen Jahr sein 70jähriges Bestehen feierte. Von der ikonischen Fotografie aus der Gründungszeit des LBI ausgehend, die Shmuel Hugo Bergman und Ernst Simon gemeinsam mit Martin Buber auf der Terrasse seines Hauses im Jerusalem des Jahres 1955 abbildet, haben wir mit Ruth Nattermann aber nicht nur über die Entstehungsge-schichte des LBI gesprochen. Über die Geschichtserfahrungen und Motive seiner Gründerin-nen und Gründer hinaus, die selbst dem deutschsprachigen Judentum der Zwischenkriegszeit erwachsen waren, haben wir zugleich auf die generationellen Veränderungen des LBI und de-ren Auswirkungen auf das jeweilige Profil an seinen drei Standorten in Jerusalem, London und New York geblickt.
Mit PD Dr. Ruth Nattermann, die in Leipzig und München lehrt und forscht, hätten wir keine kompetentere Gesprächspartnerin zu dieser faszinierenden Geschichte finden können. Schon im Jahre 2004 hat die habilitierte Historikerin ihre in München vorgelegte Dissertationsschrift unter dem Titel Deutsch-jüdische Geschichtsschreibung nach der Shoah. Die Gründungs- und Frühgeschichte des Leo Baeck Institute im Essener Klartext-Verlag vorgelegt. Bei Hentrich und Hentrich erschien im vergangenen Jahr wiederum 70 Jahre Leo Baeck Institut: Deutsch-jüdische Geschichte in der Diaspora.
Sie können sich diese Folge ab sofort unter folgendem Link anhören: https://juedischegeschichtekompakt.podigee.io/100-94-judische-geschichte-kompakt-18-4-zwischen-jerusalem-london-und-new-york
Der Podcast-Kanal ist ein Kooperationsprojekt des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg und des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam, das diese Staffel betreut.
Foto: David Rubinger. Mit freundlicher Genehmigung des Leo Baeck Instituts Jerusalem, LBIJER; Gründungskonferenz des Leo Baeck Instituts in Jerusalem 1955. Von links nach rechts: Akiva Ernst Simon, Shmuel Hugo Bergman und Martin Buber.
06/08/2026
Während fast alle Staaten auf der Évian-Konferenz im Sommer 1938 ihre Grenzen für jüdische Geflüchtete schlossen, ging Haiti einen anderen Weg: Der karibische Inselstaat erklärte sich bereit, bis zu 50.000 verfolgte Jüdinnen und Juden aus Europa aufzunehmen.
Zwar konnte dieses Vorhaben nur teilweise verwirklicht werden, doch mehrere Hundert Menschen fanden auf Haiti Zuflucht. Zu ihnen gehörte die Familie Meinberg aus Braunschweig. Für sie wurde die Karibikinsel zu einem Ort des Überlebens und mehrere Familienmitglieder blieben bis in die 1970er Jahre dort.
Der Beitrag der Literaturwissenschaftlerin Nadège Veldwachter beleuchtet ein kaum bekanntes Kapitel der deutsch-jüdischen Diaspora und zeigt, welche Bedeutung Haiti für jüdische Geflüchtete in einer Zeit geschlossener Grenzen hatte.
Sie finden diesen Artikel auf der Website des Diaspora Projektes:
https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/veldwachter-haiti
Bildquellen:
Historische Ansichtspostkarte: Schiffe am Pier von Port-au-Prince, Haiti, 1920er Jahre; Jüdisches Museum Berlin, Inv.-Nr. 2006/68/2, Foto von Jens Ziehe.
Geflüchtete, darunter Erich und Herta Meinberg aus Deutschland, auf dem Deck eines Schiffs auf dem Weg nach Haiti, 1939; United States Holocaust Memorial Museum. Mit freundlicher Genehmigung von Eva Aviad.
17/07/2026
Save The Date: JewDacta
Zum ersten Mal findet die JewDacta am 8./9. Oktober in Potsdam statt. Wir vernetzen bundesweit Expert:innen der schulischen und außerschulischen Bildung zu jüdischer Geschichte. Für Lehrer:innen und Multiplikator:innen, für Schüler:innen und alle Interessierten gibt es Fachvorträge, Workshops und einen Markt der Möglichkeiten.
An der Schnittstelle zwischen Forschung und Universität wendet sich das MMZ mit eigenen Formaten an Träger der Jugend- und Erwachsenenbildung, Lehrer:innen und Multiplikator:innen, sowie eine interessierte allgemeine Öffentlichkeit. Seit 2025 bietet das MMZ Fortbildungen für Lehrkräfte zu jüdischer Geschichte und Gegenwart in Brandenburg an. Wesentlich ist hierbei, Leben und Erfahrungen von Jüd:innen als selbstverständlichen Teil der deutschen Gesellschaft zu vermitteln, etablierte Narrative aufzubrechen und ein breiteres Wissen zum Judentum jenseits der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungsgeschichte anzubieten. Die Fortbildungen werden über das Landesinstitut für Schule und Lehrkräftebildung beworben. Seit 2019 bietet das MMZ einen 2-tägigen Fortbildungs-Workshop zu Antisemitismus für Lehrer:innen in Kooperation mit der Begegnungsstätte Gollwitz, der Stiftung für Toleranz und Völkerverständigung und der RAA Brandenburg an. Die Teilnehmer:innen erhalten Einblicke in klassische antijüdische Feindbilder und Stereotypen, in Verschwörungsmythen und Formen moderner Judenfeindschaft.
Was möchte die JewDacta am MMZ?
Sichtbarkeit von Historischem Lernen über jüdische Themen stärken
Jüdische Geschichte, Kultur und Gegenwart einer breiteren (Fach)öffentlichkeit nahe bringen
Fachlichen Austausch auf Bundesebene stärken und bündeln
Träger von Lern- und Lehrangeboten im Bereich Jüdisches Leben überregional vernetzen
Wo? Brandenburg Museum für Zukunft, Gegenwart und Geschichte, Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam
Anmeldungen unter: [email protected]
07/07/2026
Bei der kommenden MMZ-Veranstaltung am 15. Juli 2026, 19 Uhr, haben wir die Historikerin und Pädagogin Alexandra Bandl (Leipzig) zu Gast. Frau Bandl forscht zu Themen der jüdischen Zeitgeschichte und ist die Vorsitzende der jüdischen Organisation für junge Erwachsene, TaMaR Germany. Der Abend ist Teil der Veranstaltungsreihe "Gesellschaft und Judentum heute".
Anmeldungen zur Veranstaltung bitte an: [email protected]
03/07/2026
**Neue Folge online!**
In der aktuellen Folge des Podcasts Jüdische Geschichte kompakt ist der Autor und promovierte Jurist Steven Less, der 1953 in New Jersey geboren wurde und heute in Heidelberg lebt, zu Gast. Er hat ein persönliches Buch über die Geschichte seines Vaters geschrieben und gibt darin Einblicke in eine Vater-Sohn-Beziehung, die von großem Vertrauen und Zuneigung, aber auch von Konflikten und einem drohenden Kontaktabbruch geprägt war.
Sein Vater, der Künstler John Hans Less, konnte als Sechzehnjähriger aus Berlin vor dem Nationalsozialismus fliehen. Zusammen mit seiner Familie gelangte er im September 1940 nach Shanghai. Die chinesische Hafenstadt war damals einer der letzten Orte, an denen Jüdinnen und Juden aus Europa Zuflucht finden konnten. Auf die Bedeutung der Stadt, in der John Hans Less zusammen mit rund 20.000 anderen jüdischen Geflüchteten inmitten von Armut, Enge, subtropischem Klima und großer Unsicherheit lebte, kommt Steven Less ebenso zu sprechen wie auf die Kunst seines Vaters.
Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte John Hans Less in die USA, wo er später begann, sich künstlerisch mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und zahlreiche Werke in Erinnerung an Shanghai zu schaffen.
Im Rahmen dieser Aufarbeitung entstanden unter anderem die im obigen Bild zu sehenden Werke Shanghaier Wahrzeichen: Boot auf dem Whangpoo (Huangpu) mit der Garden Bridge und dem Broadway Mansions Hotel im Hintergrund (Öl auf Leinwand, ca. 2003) sowie Die Fluchtroute der Familie Less (1998). Wir danken Steven Less nicht nur für die Bereitstellung der Bilder, sondern auch für das Gespräch, das den Zuhörenden ermöglicht, sich sowohl auditiv als auch visuell in die Fluchterfahrung seines Vaters einzufühlen.
Der Podcast-Kanal ist ein Kooperationsprojekt des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg und des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam.
30/06/2026
Nach der internationalen Summer School "EUMUS: European Minorities in Urban Spaces" 2025 am MMZ in Potsdam fand das Nachfolgetreffen vergangene Woche an der Jagiellonen Universität in Krakow statt. Beteiligt waren sowohl MMZ-Forscher wie auch Studierende der Uni Potsdam. Auf dem Programm stand neben lokalhistorischen Erkundungen u.a. auch der Besuch eines islamischen Kulturzentrums, der berühmten Remuh-Synagoge im Krakower Stadtteil Kazimierz, der Austausch mit einem lokalen Netzwerk von Sinti und Roma sowie mit polnischen wie auch tschechischen Feminismus-Forscherinnen. Das im EU-Förderprogramm "Erasmus Plus" angesiedelte Projekt wird auch 2027 fortgesetzt.
20/06/2026
Heute ist der Internationale Tag des Flüchtlings.
Jedes Jahr am 20. Juni erinnern die Vereinten Nationen an das Schicksal von Geflüchteten, deren Zahl 2025 erstmals wieder gesunken ist, während sich weiterhin fast 118 Millionen Menschen auf der Flucht befinden. Unter ihnen sind auch Minderjährige, die besonders schutzbedürftig sind, vor allem wenn sie ihr Zuhause ohne ihre wichtigsten Bezugspersonen verlassen müssen.
Im Projekt „Geschichte(n) der deutsch-jüdischen Diaspora“ widmen wir uns aus historischer Perspektive der Emigration und Flucht deutschsprachiger Jüdinnen und Juden, die besonders nach 1933/38 ihre Herkunftsländer verlassen mussten. Zu ihnen zählten rund 10.000 jüdische Kinder und Jugendliche, die im Zuge der sogenannten Kindertransporte 1938/39 vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Großbritannien in Sicherheit gebracht werden konnten. Die Minderjährigen – meist zwischen 5 und 17 Jahre alt, in einzelnen Fällen auch Kleinkinder – reisten ohne ihre Eltern, die viele von ihnen nie wiedersehen sollten.
Das Schicksal dieser Gruppe und anderer jüdischer Geflüchteter steht im Zentrum des Diaspora-Projekts. Wir fragen uns, was passiert, wenn Menschen ihr Zuhause verlassen müssen – aber ihre Sprachen, Kulturen und Erinnerungen mitnehmen? Über die Flucht hinaus rücken wir die vielschichtigen Erfahrungen dieser Menschen und die ihrer Nachkommen in den Vordergrund: wie sie ihren Alltag an Orten wie Haifa, London, São Paulo, New York oder Shanghai gestalteten, lokale und transnationale Gemeinschaften aufbauten und mit ihrer deutsch-jüdischen Herkunft nach der Schoa umgingen.
Ein Geflüchteter zu sein, ist – heute wie damals – kein temporärer Zustand, der mit der Ankunft in einem Aufnahmeland endet. Es ist ein traumatischer Einschnitt, der in den Biografien der Betroffenen sichtbare Narben hinterlässt.
Mehr zum Diaspora-Projekt und seiner Website findet ihr hier:
https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/
Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 183-1987-0928-501 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 DE , via Wikimedia Commons
17/06/2026
Das Moses Mendelssohn Zentrum lädt am 1. Juli 2026 um 19.30 Uhr zu der Buchvorstellung des kürzlich erschienenen Werkes "Zentraleuropäischer Zionismus und jüdisch-arabische Verständigung vor der Staatsgründung Israels" und einem darauffolgenden Gespräch mit der Autorin, Dr. Anja Siegemund (Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum), im Buchladen Sputnik in der Charlottenstraße 28 in Potsdam ein.
Alle Infos auf einen Blick:
1. Juli 2026, 19.30 Uhr
Sputnik Charlottenstraße 28
14467 Potsdam
11/06/2026
Am Mittwoch den 17. Juni 2026, 19 Uhr setzt das Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam die Veranstaltungsreihe "Gesellschaft und Judentum heute" fort. Dr. David Kowalski (ELES) wird hierbei am Neuen Markt 8 über die "Generation Hoffnung: Das Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk und die jüdische Welt von morgen" sprechen.
Anmeldungen sind erwünscht unter:
[email protected]
Der Eintritt ist frei