23/04/2017
Liebe Gäste unseres Kulturhauses Plessa!
Die Geschichte unseres Hauses ist gerade auf Wanderschaft in München.
Leider ist eine der Mitkuratorinnen unserer Ausstellung gestorben:
Liebe Gäste unserer Ausstellung, sehr geehrte Damen und Herren,
leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass unsere Mitkuratorin und geschätzte Kollegin Helga Storck uns nach kurzer schwerer Krankheit verlassen hat.
Der Verlust schmerzt uns besonders, weil gegenwärtig in ihrer Wahlheimat München unsere Ausstellung in der Pasinger Fabrik gezeigt wird, ohne dass Helga sie dort selbst noch besichtigen konnte.
Helga Storck hat sich in den letzten 20 Jahren sehr intensiv der Kultur und den Kulturhäusern in Ostdeutschland gewidmet. Das gilt insbesondere dem Schicksal des Kulturhauses der ehemaligen BUNA-Werke in Schkopau bei Merseburg.
Helga Storck kam im Winter 1945 mit der Familie aus Schlesien nach Schkopau. Als Flüchtlingskind erlebte sie im Klubhaus der Buna-Werke das aufsprießende Kulturleben und begeisterte sich für das Theater. Im Kinderlaienspielzirkel entdeckte sie ihre Liebe und Leidenschaft für ihren Beruf. Einer der Höhepunkte dieser Zeit war der 3. Preis im Republikausscheid für das Bühnenstück „Rotkäppchen“ von Jewgeni Schwarz, in dem Helga Storck den Fuchs spielte.
Weil ihr Vater Ende der 1950er Jahre in den Westen ging, bekam Helga Storck die Schattenseiten der DDR zu spüren. Obwohl sie die Aufnahmeprüfung zur Theaterhochschule Leipzig bestanden hatte, durfte sie nicht studieren. Um ihren Traum dennoch zu verwirklichen, ging sie vor dem Mauerbau 1961 nach West-Berlin und erhielt dort ihr Schauspieldiplom. Seit 1965 spielte sie Theater und hatte Engagements an vielen Städtischen Bühnen wie in Bielefeld, Hannover, Bonn, Bern, Köln oder München.
Ihre erste Filmrolle hatte sie 1974 in dem Fernsehfilm „Ermittlungen gegen Unbekannt“ von Roland Gall. Weitere Rollen in Spiel- und Fernsehfilmen folgten. Ihre ersten Erfahrungen als Drehbuchautorin sammelte sie 1989 in der Serie „Das Nest“ des Hessischen Rundfunks.
Nach der Wende begab sich Helga Storck auf Spurensuche in ihre alte Heimat Schkopau. In der Begegnung mit ihren Weggefährten aus dem Klubhaus Buna entstand ihre Idee, dieses hochstehende kulturelle Leben in einem Dokumentarfilm festzuhalten. Gemeinsam mit dem Autor, Regisseur und Filmproduzenten Peter Goedel entstand so in langjähriger Arbeit der Dokfilm „An der Saale hellem Strande – Ein Kulturhaus erzählt“.
Nach der Premiere Anfang Dezember 2010 im Babylon-Kino in Berlin erlebte dieser Film viele Aufführungen, vorwiegend in den neuen Bundesländern. 2014 kam eine Einladung des Goethe Instituts in Atlanta (USA) und der Vorschlag, eine Ausstellung zu diesem einmaligen Phänomen der ostdeutschen Kulturhäuser zu zeigen. So gab es unter leidenschaftlichem Engagement von Helga Storck die Premiere unserer Ausstellung zunächst in englischer Sprache in den USA, bevor sie seit 2016 in Deutsch auf Wanderschaft ist.
Die Vorbereitungen für die zusätzliche Sonderausstellung in der Pasinger Fabrik hat Helga mit ihrer bewundernswerten kämpferischen Energie noch begleitet.
Im Kampf gegen ihre Krankheit war sie zu unserer aller Trauer unterlegen.
Helga Storck war mit dem Kameramann Dietrich Lohmann verheiratet. Unser Mitgefühl gilt ihrer Tochter und ihrem Enkel.
In Dankbarkeit und Wertschätzung für den aufrechten Lebensweg und das Erreichte
Peter Goedel und Pierre Wilhelm
(Foto: ZAV)