21/01/2022
Wörter erzeugen Bilder in unserem Köpfen. Diese Aussage wird dich nicht überraschen, denn auf diese Art funktionieren Geschichten in Büchern schon immer. Das ist der Grund, warum Menschen zum Beispiel Bücher mit tausenden Wörtern lesen: Irgendwann sehen sie bewusst nicht mehr die schwarzen Buchstaben auf weißen Hintergrund, stattdessen stehen sie mitten in der bunten Unterwasserwelt, im dunklen Wald oder in der magischen Zauberschule.
Aber was passiert eigentlich, wenn du gerade keinen Roman liest, sondern einen Zeitungsartikel oder eine Bildunterschrift auf Instagram? Für dein Gehirn macht das kein Unterschied. Ob Schönheit, Hass oder Schule - jedes Wort ist mit einer ganzen Reihe an Bildern verknüpft, die einen Rahmen bilden. Genau das bedeutet der Begriff „Framing“: Wörter in einen bewussten Rahmen zu bringen, um ihnen eine Bedeutung und meist auch ein Gefühl zu geben.
Ein positives Beispiel ist das Wort „Urlaub“. Woran denkst du, wenn du das Wort „Urlaub“ hörst? An Meer und Strand? An Berge und Wiesen? Campingplatz? Fast alle Menschen werden an ganz unterschiedliche Dinge denken, aber die meisten werden ein ähnliches positives Gefühl dabei haben.
Interessant ist, dass man Rahmen oder „Frames“ ganz bewusst setzen oder verändern kann. Deswegen macht es einen Unterschied, ob in einem Zeitungsartikel steht: „Das Mädchen nutzt einen Rollstuhl“ oder „Das Mädchen ist an den Rollstuhl gefesselt.“ Fesseln rufen bei vielen Leuten negative Bilder und Gefühle hervor, die das Wort „nutzen“ nicht mitbringt.
Außerdem macht das Thema Framing auch noch einmal deutlich, warum das Thema Sichtbarkeit für Menschen mit Behinderung so wichtig ist: Nur wenn viele verschiedene Mädchen und Frauen mit Behinderung gesehen werden, können sich Bilder zu dem Thema „Leben mit Behinderung“ verändern, weiterentwickeln und vielfältiger werden. Ein wichtiger Schritt, um näher an eine inklusive Gesellschaft zu kommen, in der alle Menschen selbstbestimmt leben können.
Tanja Kollodzieyski / für
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