Alois mit Hund

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01/09/2026

Fürstenstein – die Burg, die kaum Zeit hatte, eine zu werden

Wer zur Burg Zwingenberg hinaufschaut, sieht eine mächtige Anlage aus rotem Sandstein. Türme, Mauern und Dächer drängen sich an den steilen Hang über dem Neckar.

Doch etwas weiter rechts oben lag einst noch eine zweite Burg.

Heute muss man schon genau wissen, wonach man sucht. Ein längerer Weg führt den Hang hinauf. Zwischen Bäumen und Gestrüpp liegen einige Mauerreste, Gräben und künstlich angelegte Geländestufen. Viel ist von Fürstenstein nicht geblieben.

Dabei begann ihre Geschichte mit einer ausgesprochen selbstbewussten Ansage.

Im 14. Jahrhundert kontrollierten die Herren von Zwingenberg den Verkehr auf dem Neckar und erhoben Zölle. Das gefiel den mächtigen Nachbarn nicht. 1338 zwangen Kurmainz, die Kurpfalz und Graf Ulrich III. von Württemberg die Zwingenberger, ihre Burg für deren Truppen zu öffnen.

Dem Mainzer Erzbischof Heinrich III. von Virneburg war das anscheinend noch nicht deutlich genug. Zwischen 1338 und 1339 ließ er rechts oberhalb der Zwingenburg einen eigenen befestigten Stützpunkt errichten: Fürstenstein.

Eine Gegenburg.

Mittelalterlich übersetzt bedeutete das ungefähr: „Nur damit wir uns richtig verstehen – wir sitzen jetzt auch hier.“

Fürstenstein war vermutlich keine prachtvolle Burg mit großem Rittersaal, Kapelle und höfischem Leben. Die Anlage war klein und militärisch zweckmäßig. Ihr Mittelpunkt dürfte ein rechteckiges, möglicherweise mehrgeschossiges Steingebäude von etwa zwölf mal neun Metern gewesen sein. Dazu kamen eine kleine ummauerte Vorburg, einfache Holzbauten und ein Halsgraben zur Bergseite.

Oberhalb der eigentlichen Anlage befinden sich mehrere künstlich angelegte Plateaus. Manche Forscher vermuten, dass dort Bliden aufgestellt werden konnten – große mittelalterliche Wurfmaschinen. Bewiesen ist das nicht. Doch die Lage wäre günstig gewesen, um die tiefer stehende Zwingenburg sehr nachdrücklich an die neuen Machtverhältnisse zu erinnern.

Lange währte die Herrlichkeit allerdings nicht.

Bereits Ende 1343 wurde angeordnet, das „Haus Fürstenstein“ abzutragen. 1344 dürfte die junge Burg geschleift worden sein. Vielleicht war sie noch nicht einmal vollständig fertig, als ihre Mauern schon wieder fallen mussten.

Fürstenstein bestand damit vermutlich nur vier oder fünf Jahre. Andere Burgen überdauerten Jahrhunderte, wurden belagert, erweitert und wieder aufgebaut. Fürstenstein kam, drohte – und verschwand.

Heute hat sich der Wald das Gelände zurückgeholt. Wer dort steht, braucht Fantasie, um zwischen Steinen, Gräben und bewachsenen Stufen wieder eine Burg zu erkennen.

Aber vielleicht liegt gerade darin ihr Reiz.

Fürstenstein erzählt nicht von großen Festen oder berühmten Rittern. Sie erzählt von Macht, Trotz und einer mittelalterlichen Nachbarschaft, bei der ein freundlicher Gartenzaun offenbar nicht mehr ausreichte.

Hinweis zum Bild: Die Darstellung wurde von mir mit Unterstützung künstlicher Intelligenz künstlerisch rekonstruiert. Lage und bekannte Baureste dienten als Grundlage. Das genaue Aussehen der Gebäude, Dächer, Holzbauten und Wurfmaschine ist nicht überliefert und wurde von mir nach historischen Vorbildern ergänzt.

Alois mit Hund

Mein Gott … wir haben schon September.Geht das nur mir so, oder werden die Jahre tatsächlich immer schneller? Gerade ebe...
01/09/2026

Mein Gott … wir haben schon September.

Geht das nur mir so, oder werden die Jahre tatsächlich immer schneller? Gerade eben war noch Frühling. Dann kamen die ersten warmen Tage, Wanderungen mit Luna, Ausflüge, Begegnungen, Fotos und Geschichten. Und nun stehen wir schon wieder an der Tür zum Herbst.

Wenn ich auf die vergangenen Monate zurückblicke, denke ich nicht zuerst an Termine oder Verpflichtungen. Ich denke an Erlebnisse. An Menschen, die mich zum Nachdenken gebracht haben. An Gespräche. An Ideen, die plötzlich da waren, manchmal mitten in der Nacht oder irgendwo auf einem Waldweg.

Ich habe viel unternommen. Noch mehr gedacht. Manche Überzeugungen bestätigt, andere hinterfragt. Und ich habe festgestellt, dass ich trotz meines Alters immer noch unglaublich gerne lerne.

Gerade in meiner Kreativarbeit und in meinem Beruf wäre Stillstand das Schlimmste, was passieren könnte. Die Welt verändert sich. Technik verändert sich. Erwartungen verändern sich. Warum sollte ausgerechnet ich stehen bleiben?

Deshalb beschäftige ich mich intensiv mit neuen Möglichkeiten. Eine davon ist die Künstliche Intelligenz.

Ich weiß, dass dieses Thema viele Menschen beschäftigt. Manche sehen darin eine Bedrohung, andere einen Wunderapparat, der alles erledigt. Für mich ist sie weder das eine noch das andere.

Sie ist ein Werkzeug.

Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Ein gutes Werkzeug kann die Arbeit erleichtern. Es kann Denkanstöße geben, Formulierungen verbessern oder helfen, Informationen zu ordnen. Genau so nutze ich sie auch.

Aber die Idee muss von mir kommen.

Die Erinnerung gehört mir.

Die Geschichte habe ich erlebt.

Das Foto habe ich aufgenommen.

Und am Ende entscheide immer ich, was veröffentlicht wird und was nicht.

Ich glaube sogar, dass Kreativität heute wichtiger ist als je zuvor. Denn eine Maschine kann tausend Texte schreiben. Aber sie kennt nicht den Geruch eines Waldes nach einem Sommerregen. Sie weiß nicht, wie sich ein alter Freund nach fünfzig Jahren anfühlt. Sie kennt keine Kindheitserinnerungen, keine Wanderung mit Luna und kein ehrliches Lächeln am Wegesrand.

Das erlebt nur ein Mensch.

Vielleicht ist genau das mein persönlicher Ehrenkodex.

Neugierig bleiben.

Nicht aufhören zu lernen.

Neue Werkzeuge ausprobieren, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen.

Die eigenen Werte nicht aufgeben.

Respektvoll mit anderen umgehen.

Eigene Fehler zugeben.

Verantwortung für das übernehmen, was man sagt und veröffentlicht.

Und niemals vergessen, dass Technik den Menschen unterstützen sollte – nicht ersetzen.

Vielleicht ist genau das das Geheimnis, warum ich mich auch heute noch auf neue Projekte freue. Ich habe meine Bücher von „Alois mit Hund“ neu strukturiert. Im Kopf warten schon wieder neue Geschichten, neue Ideen und vielleicht sogar ganz neue Wege, die ich noch gar nicht kenne.

Der September ist für viele der Beginn des Herbstes.

Für mich ist er eher eine Erinnerung daran, dass jeder neue Monat auch ein neuer Anfang sein kann.

Solange wir neugierig bleiben, Fragen stellen und Freude daran haben, etwas Neues zu entdecken, ist es eigentlich ganz egal, welche Zahl im Kalender steht.

Denn alt wird man nicht an den Jahren.

Alt wird man erst dann, wenn man aufhört, sich für das Leben zu begeistern.

Vielleicht regt dieser Gedanke den einen oder anderen an, den September nicht als Zeichen dafür zu sehen, dass das Jahr bald vorbei ist – sondern als Einladung, noch einmal etwas Neues zu beginnen.

Positiv denken.

Alois mit Hund

Der Eberbacher Kuckucksmarkt – ein Fest, das mich ein Leben lang begleitetSoweit ich mich zurückerinnern kann, war der K...
31/08/2026

Der Eberbacher Kuckucksmarkt – ein Fest, das mich ein Leben lang begleitet

Soweit ich mich zurückerinnern kann, war der Kuckucksmarkt immer ein fester Bestandteil meines Lebens.

Als Kind ging ich mit meinen Eltern hin. Später, als Teenager, natürlich ohne sie. Schließlich war man inzwischen alt genug, allein über den Markt zu ziehen – und jung genug, um zu glauben, dort vielleicht ein Date verabreden zu können.

Der Erfolg dieser Bemühungen war überschaubar. Aber der Kuckucksmarkt konnte schließlich auch nicht jedes Wunder vollbringen.

Damals fand der Markt noch in der Eberbacher Altstadt und auf dem Schulhof der Dr.-Weiß-Schule statt. Dort standen die Schießbuden, der Autoscooter und das Riesenrad. Es roch nach gebrannten Mandeln, Bratwurst und jener besonderen Mischung aus Abenteuer und Aufregung, die man vermutlich nur als Jugendlicher wirklich riechen kann.

Ich erinnere mich an meine erste Fahrt mit dem Autoscooter. An das Gefühl, plötzlich ein Fahrzeug steuern zu dürfen, obwohl man noch Jahre vom Führerschein entfernt war. Verkehrsregeln spielten dabei keine große Rolle. Eigentlich bestand die Hauptaufgabe darin, möglichst wirkungsvoll mit jemand anderem zusammenzustoßen.

Es waren auch die Jahre der ersten vorsichtigen Annäherungsversuche an die Mädchen. Man schlenderte möglichst lässig über den Markt, obwohl man innerlich mindestens so nervös war wie vor einer Klassenarbeit. Heute muss ich grinsen, wenn ich daran zurückdenke.

Später wurde der Kuckucksmarkt über den Neckar in die Au verlegt. Damit kam ein neues Ritual hinzu: die Bootsfahrt über den Fluss.

Schon die Überfahrt gehörte nun zum Marktbesuch. Hinüber voller Vorfreude, zurück meist satt, müde und mit der beruhigenden Erkenntnis, wieder einige Bekannte getroffen zu haben.

Auch besondere Bilder sind geblieben. 1993 starteten am Abend zahlreiche Heißluftballone von den Sportplätzen und schwebten über Eberbach in den Abendhimmel. Wir standen unten und sahen ihnen zu – ein Anblick, den man nicht so schnell vergisst.

Die Fahrgeschäfte wurden moderner, größer und schneller. Ich dagegen eher nicht. Dafür rückte das Vereinszelt der KG Kuckuck immer stärker in unseren Blick – und wurde irgendwann zu einem festen Ziel.

Seitdem gehört für mich die Erbsensuppe mit Wurst zum Kuckucksmarkt. Meine Liebe freut sich auf Kochkäse mit Musik, und natürlich darf auch der Most nicht fehlen. Man muss Traditionen schließlich pflegen. Vor allem die schmackhaften.

Manche Händler kennen wir inzwischen seit vielen Jahren. Aus einem kurzen Einkauf wird dann schnell ein Gespräch. Und aus einem Gespräch manchmal ein Rückblick auf all die Jahre, in denen man sich immer wieder genau hier begegnet ist.

Überhaupt ist der Kuckucksmarkt für mich längst mehr als Fahrgeschäfte, Verkaufsstände und Festzelte.

Er ist ein großer Treffpunkt der Erinnerungen.

Heute gehe ich mit meiner Frau über den Markt. Wir treffen Bekannte – was dort eigentlich immer gelingt. Man bleibt stehen, erzählt sich das Neueste, erinnert sich an frühere Zeiten, spricht über Pläne und Vorhaben und lacht gemeinsam.

Manche Menschen sieht man vielleicht das ganze Jahr nicht. Auf dem Kuckucksmarkt stehen sie plötzlich vor einem, als hätte man sich erst gestern verabschiedet.

Der Dienstag bringt traditionell das Feuerwerk und zugleich den Abschied vom Markt. Noch einmal leuchtet der Himmel über Eberbach, noch einmal spiegelt sich das Licht im Neckar – und dann ist wieder ein Kuckucksmarkt vorüber.

Auch in diesem Jahr waren wir wieder dort. Wir haben gegessen, erzählt, Bekannte getroffen, die neuesten Geschichten ausgetauscht und viel gelacht.

Wenn ich heute über den Markt gehe, begegnen mir manchmal all meine früheren Lebensabschnitte gleichzeitig: das Kind mit seinen Eltern, der unsichere Teenager, der junge Mann mit seinen Freunden, der Familienvater – und der Alois von heute, der mit seiner Frau durch die Reihen schlendert.

Vieles hat sich verändert.

Doch dieses besondere Gefühl ist geblieben.

Der Kuckucksmarkt gehört zu Eberbach. Und irgendwie gehört er auch zu meinem Leben.

Wunderbar.

Alois mit Hund
Luna war natürlich nicht mit auf dem Markt. Unseren Hunden haben wir das erspart.

30/08/2026

Burg Eberbach – als über dem Neckar noch drei Burgen wachten
Wer heute durch den Wald zur Burg Eberbach hinaufsteigt, findet Mauern, Fensterbögen und Steine, die sich ihre Geschichten offenbar lieber zuflüstern, als sie uns deutlich zu erzählen.
Vor rund 800 Jahren war es hier vermutlich weniger still.
Genau genommen bestand die Anlage aus drei voneinander getrennten Burgen: Vorderburg, Mittelburg und Hinterburg. Sie entstanden wohl nicht gleichzeitig, sondern nach und nach vom späten 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. Keine gemütliche Wohngemeinschaft also, sondern eher drei steinerne Nachbarn mit eigenen Mauern, Gräben und vermutlich sehr genauen Vorstellungen davon, wem welcher Weg gehörte.
1196 erscheint ein Graf Konrad von Eberbach in einer Urkunde. Sicher schriftlich genannt wird die Burg 1227: Der Wormser Bischof übertrug sie König Heinrich (VII.), dem Sohn Kaiser Friedrichs II., als Lehen. Heinrich ließ unterhalb der Burg die staufische Stadt Eberbach anlegen. 1231 hielt er sich sogar auf der Burg auf und stellte dort eine Urkunde aus.
Auf der Mittelburg erhob sich der mächtige Bergfried. Seine Mauern waren mehr als drei Meter dick. Daneben stand der Palas mit seinen romanischen Fensterarkaden – nicht nur Wohnhaus, sondern auch ein sichtbares Zeichen von Macht und Ansehen.
Doch wie lebte es sich dort oben?
Vermutlich begann der Tag nicht mit Kaffee und einem Blick ins Neckartal, obwohl beides sehr angenehm gewesen wäre. Knechte versorgten Pferde und Vieh, Mägde schleppten Wasser, Holz und Vorräte. In der Küche brannte das Feuer, irgendwo hämmerte ein Handwerker, und im Burghof diskutierte wahrscheinlich jemand darüber, wer schon wieder das Tor offen gelassen hatte.
Wasser war kostbar und wurde in Zisternen gesammelt. Gegessen wurden Brot, Brei, Gemüse, Käse und – wenn es die Vorräte oder die Jagd erlaubten – Fleisch. Gewürze waren teuer, Rauch dagegen war kostenlos und vermutlich überall erhältlich.
Romantisch war das Leben nur aus großer Entfernung. Im Winter wurde der Sandstein kalt, die Räume waren dunkel und der Wind fand garantiert jede Ritze. Im Sommer roch es nach Feuer, Tieren, Menschen und Arbeit. Trotzdem bot die Burg Schutz, Arbeit und eine Aussicht, die schon damals großartig gewesen sein dürfte.
Nach dem Ende der Stauferzeit verlor die Anlage an Bedeutung. Ab 1330 gehörte sie zum Einflussbereich der Pfalzgrafen. 1402 wurde Burg und Stadt an Hans von Hirschhorn verpfändet. Schon 1403 erhielt er die Erlaubnis, die kostspielig gewordene Burg zu schleifen.
Eine mittelalterliche Betriebsprüfung mit eindeutigem Ergebnis: zu teuer, zu wenig Nutzen, kann weg.
Danach verfielen die Gebäude. Viele Steine wurden abgetragen und anderswo wiederverwendet. Erst im 20. Jahrhundert legte man die Reste frei, sicherte Mauern und erforschte die Hinterburg.
Heute ist der Lärm verstummt. Der Wald hat sich vieles zurückgeholt. Doch zwischen den Mauern lässt sich noch immer erahnen, wie hier gearbeitet, bewacht, gekocht, gestritten und vielleicht auch gelacht wurde.
Meine Bilder zeigen keine historisch exakte Rekonstruktion. Ich habe sie aus meinen Fotografien, den heutigen Mauerresten, Luftaufnahmen, historischen Hinweisen und dem Modell im Stadtmuseum entwickelt und mit meiner Fantasie ergänzt. Künstlerisch gezeichnet wurden sie mit Unterstützung von KI.
Sie zeigen also nicht, wie es ganz sicher war – sondern wie es nach meiner Vorstellung gewesen sein könnte.
Alois mit Hund

30/08/2026

Rekonstruktion der Burg Überarbeitet und aktualisiert.

Burg Eberbach – als über dem Neckar noch drei Burgen wachten
Wer heute durch den Wald zur Burg Eberbach hinaufsteigt, findet Mauern, Fensterbögen und Steine, die sich ihre Geschichten offenbar lieber zuflüstern, als sie uns deutlich zu erzählen.
Vor rund 800 Jahren war es hier vermutlich weniger still.
Genau genommen bestand die Anlage aus drei voneinander getrennten Burgen: Vorderburg, Mittelburg und Hinterburg. Sie entstanden wohl nicht gleichzeitig, sondern nach und nach vom späten 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts. Keine gemütliche Wohngemeinschaft also, sondern eher drei steinerne Nachbarn mit eigenen Mauern, Gräben und vermutlich sehr genauen Vorstellungen davon, wem welcher Weg gehörte.
1196 erscheint ein Graf Konrad von Eberbach in einer Urkunde. Sicher schriftlich genannt wird die Burg 1227: Der Wormser Bischof übertrug sie König Heinrich (VII.), dem Sohn Kaiser Friedrichs II., als Lehen. Heinrich ließ unterhalb der Burg die staufische Stadt Eberbach anlegen. 1231 hielt er sich sogar auf der Burg auf und stellte dort eine Urkunde aus.
Auf der Mittelburg erhob sich der mächtige Bergfried. Seine Mauern waren mehr als drei Meter dick. Daneben stand der Palas mit seinen romanischen Fensterarkaden – nicht nur Wohnhaus, sondern auch ein sichtbares Zeichen von Macht und Ansehen.
Doch wie lebte es sich dort oben?
Vermutlich begann der Tag nicht mit Kaffee und einem Blick ins Neckartal, obwohl beides sehr angenehm gewesen wäre. Knechte versorgten Pferde und Vieh, Mägde schleppten Wasser, Holz und Vorräte. In der Küche brannte das Feuer, irgendwo hämmerte ein Handwerker, und im Burghof diskutierte wahrscheinlich jemand darüber, wer schon wieder das Tor offen gelassen hatte.
Wasser war kostbar und wurde in Zisternen gesammelt. Gegessen wurden Brot, Brei, Gemüse, Käse und – wenn es die Vorräte oder die Jagd erlaubten – Fleisch. Gewürze waren teuer, Rauch dagegen war kostenlos und vermutlich überall erhältlich.
Romantisch war das Leben nur aus großer Entfernung. Im Winter wurde der Sandstein kalt, die Räume waren dunkel und der Wind fand garantiert jede Ritze. Im Sommer roch es nach Feuer, Tieren, Menschen und Arbeit. Trotzdem bot die Burg Schutz, Arbeit und eine Aussicht, die schon damals großartig gewesen sein dürfte.
Nach dem Ende der Stauferzeit verlor die Anlage an Bedeutung. Ab 1330 gehörte sie zum Einflussbereich der Pfalzgrafen. 1402 wurde Burg und Stadt an Hans von Hirschhorn verpfändet. Schon 1403 erhielt er die Erlaubnis, die kostspielig gewordene Burg zu schleifen.
Eine mittelalterliche Betriebsprüfung mit eindeutigem Ergebnis: zu teuer, zu wenig Nutzen, kann weg.
Danach verfielen die Gebäude. Viele Steine wurden abgetragen und anderswo wiederverwendet. Erst im 20. Jahrhundert legte man die Reste frei, sicherte Mauern und erforschte die Hinterburg.
Heute ist der Lärm verstummt. Der Wald hat sich vieles zurückgeholt. Doch zwischen den Mauern lässt sich noch immer erahnen, wie hier gearbeitet, bewacht, gekocht, gestritten und vielleicht auch gelacht wurde.
Meine Bilder zeigen keine historisch exakte Rekonstruktion. Ich habe sie aus meinen Fotografien, den heutigen Mauerresten, Luftaufnahmen, historischen Hinweisen und dem Modell im Stadtmuseum entwickelt und mit meiner Fantasie ergänzt. Künstlerisch gezeichnet wurden sie mit Unterstützung von KI.
Sie zeigen also nicht, wie es ganz sicher war – sondern wie es nach meiner Vorstellung gewesen sein könnte.
Alois mit Hund

Fürstenstein – die Burg, die kaum Zeit hatte, eine zu werdenWer zur Burg Zwingenberg hinaufschaut, sieht eine mächtige A...
30/08/2026

Fürstenstein – die Burg, die kaum Zeit hatte, eine zu werden

Wer zur Burg Zwingenberg hinaufschaut, sieht eine mächtige Anlage aus rotem Sandstein. Türme, Mauern und Dächer drängen sich an den steilen Hang über dem Neckar.

Doch etwas weiter rechts oben lag einst noch eine zweite Burg.

Heute muss man schon genau wissen, wonach man sucht. Ein längerer Weg führt den Hang hinauf. Zwischen Bäumen und Gestrüpp liegen einige Mauerreste, Gräben und künstlich angelegte Geländestufen. Viel ist von Fürstenstein nicht geblieben.

Dabei begann ihre Geschichte mit einer ausgesprochen selbstbewussten Ansage.

Im 14. Jahrhundert kontrollierten die Herren von Zwingenberg den Verkehr auf dem Neckar und erhoben Zölle. Das gefiel den mächtigen Nachbarn nicht. 1338 zwangen Kurmainz, die Kurpfalz und Graf Ulrich III. von Württemberg die Zwingenberger, ihre Burg für deren Truppen zu öffnen.

Dem Mainzer Erzbischof Heinrich III. von Virneburg war das anscheinend noch nicht deutlich genug. Zwischen 1338 und 1339 ließ er rechts oberhalb der Zwingenburg einen eigenen befestigten Stützpunkt errichten: Fürstenstein.

Eine Gegenburg.

Mittelalterlich übersetzt bedeutete das ungefähr: „Nur damit wir uns richtig verstehen – wir sitzen jetzt auch hier.“

Fürstenstein war vermutlich keine prachtvolle Burg mit großem Rittersaal, Kapelle und höfischem Leben. Die Anlage war klein und militärisch zweckmäßig. Ihr Mittelpunkt dürfte ein rechteckiges, möglicherweise mehrgeschossiges Steingebäude von etwa zwölf mal neun Metern gewesen sein. Dazu kamen eine kleine ummauerte Vorburg, einfache Holzbauten und ein Halsgraben zur Bergseite.

Oberhalb der eigentlichen Anlage befinden sich mehrere künstlich angelegte Plateaus. Manche Forscher vermuten, dass dort Bliden aufgestellt werden konnten – große mittelalterliche Wurfmaschinen. Bewiesen ist das nicht. Doch die Lage wäre günstig gewesen, um die tiefer stehende Zwingenburg sehr nachdrücklich an die neuen Machtverhältnisse zu erinnern.

Lange währte die Herrlichkeit allerdings nicht.

Bereits Ende 1343 wurde angeordnet, das „Haus Fürstenstein“ abzutragen. 1344 dürfte die junge Burg geschleift worden sein. Vielleicht war sie noch nicht einmal vollständig fertig, als ihre Mauern schon wieder fallen mussten.

Fürstenstein bestand damit vermutlich nur vier oder fünf Jahre. Andere Burgen überdauerten Jahrhunderte, wurden belagert, erweitert und wieder aufgebaut. Fürstenstein kam, drohte – und verschwand.

Heute hat sich der Wald das Gelände zurückgeholt. Wer dort steht, braucht Fantasie, um zwischen Steinen, Gräben und bewachsenen Stufen wieder eine Burg zu erkennen.

Aber vielleicht liegt gerade darin ihr Reiz.

Fürstenstein erzählt nicht von großen Festen oder berühmten Rittern. Sie erzählt von Macht, Trotz und einer mittelalterlichen Nachbarschaft, bei der ein freundlicher Gartenzaun offenbar nicht mehr ausreichte.

Hinweis zum Bild: Die Darstellung wurde von mir mit Unterstützung künstlicher Intelligenz künstlerisch rekonstruiert. Lage und bekannte Baureste dienten als Grundlage. Das genaue Aussehen der Gebäude, Dächer, Holzbauten und Wurfmaschine ist nicht überliefert und wurde von mir nach historischen Vorbildern ergänzt.

Alois mit Hund

Mit dem gelben Post-Bulli unterwegs – Frühjahr 1990 (Teil 3)Heute blieb unser gelber Post-Bulli einmal stehen. Die nächs...
29/08/2026

Mit dem gelben Post-Bulli unterwegs – Frühjahr 1990 (Teil 3)

Heute blieb unser gelber Post-Bulli einmal stehen. Die nächsten Kilometer gehörten unseren Wanderschuhen.

Meteora erlebt man nicht vom Parkplatz aus. Man muss sich die Landschaft Schritt für Schritt erlaufen. Schmale Pfade schlängelten sich zwischen den gewaltigen Felsen hindurch, vorbei an Bäumen, kleinen Lichtungen und immer wieder über uralte Steintreppen. An manchen Stellen fragte ich mich, wie viele Generationen diese Stufen wohl schon hinauf- und hinuntergestiegen waren.

Unterwegs begegneten wir einer Ziegenherde. Die Tiere standen seelenruhig mitten auf dem Weg und sahen uns an, als wären wir diejenigen, die sich verlaufen hätten. Wir warteten geduldig. Offensichtlich hatten die Ziegen hier Vorfahrt – und ehrlich gesagt: Das war völlig in Ordnung. 🐐

Je weiter wir liefen, desto stiller wurde es. Nur Vogelstimmen, das Läuten einer Glocke irgendwo hoch oben und der Wind zwischen den Felsen begleiteten uns. Diese Ruhe war etwas Besonderes. Kein Handy klingelte, keine Nachrichten warteten. Damals reichte eine Kamera, eine Landkarte und ein wenig Neugier.

Immer wieder entdeckten wir kleine Klöster, die förmlich aus den Felsen herauszuwachsen schienen. Heute führen Straßen und Treppen zu vielen von ihnen. Damals war manches noch ursprünglicher. Man konnte sich gut vorstellen, wie beschwerlich das Leben dort oben gewesen sein musste.

Besonders beeindruckt haben mich die alten Lastennetze. Jahrhundertelang wurden damit Lebensmittel, Baumaterial und manchmal sogar Menschen in schwindelerregender Höhe nach oben transportiert. Als ich vor einem dieser Netze stand, war mein erster Gedanke: Da hoffe ich mal, dass der Mönch am Seil heute gut gefrühstückt hat. 😄

Natürlich erklommen wir auch eines der kleineren Klöster. Die vielen Treppen brachten uns ordentlich ins Schwitzen, aber jeder Schritt lohnte sich. Hinter den Mauern herrschte eine friedliche Atmosphäre. Glocken, Ikonen, uralte Weinfässer und der Duft von Kräutern erzählten ihre ganz eigenen Geschichten. Es war kein Ort, an dem man laut sprach. Man wurde automatisch leiser.

Von oben schweifte der Blick über das Tal und die gewaltigen Felsformationen. Dort wurde einem bewusst, warum Menschen seit Jahrhunderten diesen Ort als etwas Besonderes empfanden. Nicht nur wegen der Klöster, sondern wegen der gesamten Landschaft.

Als wir am Abend wieder zu unserem gelben Bulli zurückkehrten, waren unsere Beine ziemlich müde. Die Kamera war um einige Filme leichter und unsere Köpfe voller Eindrücke.

Damals ahnten wir noch nicht, welche Landschaften und Begegnungen in den nächsten Wochen noch auf uns warteten. Unsere Reise war noch lange nicht zu Ende. Sie würde uns über hohe Gebirge, an das Schwarze Meer, bis zum Nemrut Dağı und in die Nähe der syrischen Grenze führen.

Doch das ist eine Geschichte für die nächsten Etappen. 🚐🌍

Alois mit Hund

🚐 Mit dem gelben Post-Bulli unterwegs – Frühjahr 1990 (Teil 2)Nach den verschneiten Pässen des Epirus tauchten sie plötz...
28/08/2026

🚐 Mit dem gelben Post-Bulli unterwegs – Frühjahr 1990 (Teil 2)

Nach den verschneiten Pässen des Epirus tauchten sie plötzlich vor uns auf: die gewaltigen Felsen von Meteora. Ehrlich gesagt dachten wir zunächst, jemand hätte riesige Sandburgen mitten in die Landschaft gestellt. Erst als wir näher kamen, wurde uns klar, dass die Natur hier wirklich ganze Arbeit geleistet hatte.

Unser Campingplatz lag zwischen Olivenbäumen und war erstaunlich ruhig. Nur unser gelber Post-Bulli leuchtete schon von Weitem, als wollte er jedem zurufen: "Die Deutschen sind angekommen."

Die Klöster wollten natürlich besucht werden. Also hieß es: Treppen steigen. Viele Treppen. Sehr viele Treppen. Ich bin heute noch überzeugt, dass die Mönche damals den Begriff "barrierefrei" bewusst ignoriert haben. Wer hier hinauf wollte, musste es sich verdienen.

Früher war das übrigens noch deutlich spannender. Bevor Straßen und Treppen gebaut wurden, wurden Menschen und Lasten in großen Netzen an Seilen nach oben gezogen. Auf einem Bild sieht man genau so ein Netz. Ich war heilfroh, dass wir es nur anschauen mussten.

Oben angekommen, wurden wir mit Ausblicken belohnt, die selbst heute noch beeindruckend sind. Diese riesigen Felsen, die Klöster scheinbar schwerelos auf ihren Spitzen und das weite Tal darunter – manches vergisst man einfach nicht.

Mindestens genauso spannend war aber das Leben unten in den Orten. Auf dem Markt entdeckten wir einen Lastwagen, auf dessen Ladefläche ganze Tierhälften hingen. Eine Kühlung? Offenbar sorgte der Fahrtwind dafür. Damals zuckte dort niemand mit der Wimper. Wir schauten etwas verdutzt – die Einheimischen vermutlich über uns.

Und genau das machte diese Reise aus. Nicht nur die berühmten Sehenswürdigkeiten, sondern auch die kleinen Begegnungen und die Dinge, die man zuhause so nie gesehen hätte.

Meteora war für uns deshalb weit mehr als ein Fotomotiv. Es war ein Ort, der Ehrfurcht, Staunen und manchmal auch ein Schmunzeln hervorrief.

Doch unsere Reise war noch lange nicht zu Ende. Hinter den Felsen warteten bereits neue Straßen, neue Landschaften und Länder, die für uns damals noch völlig unbekannt waren. Und genau dorthin nehme ich Euch beim nächsten Mal mit. 🚐🌍

Alois mit Hund

🚐 Mit dem gelben Post-Bulli unterwegs – Frühjahr 1990 (Teil 1)Manchmal frage ich mich, ob wir damals einfach mutiger war...
27/08/2026

🚐 Mit dem gelben Post-Bulli unterwegs – Frühjahr 1990 (Teil 1)

Manchmal frage ich mich, ob wir damals einfach mutiger waren oder ob wir nur weniger darüber nachgedacht haben.

Unser Zuhause auf Rädern war ein ausgemusterter gelber VW-Bus der Deutschen Bundespost. Zwei Schiebetüren, viel Eigenarbeit und jede Menge Herzblut. Den Innenausbau zum Camper hatten wir selbst geplant und gebaut. Luxus gab es nicht – aber alles, was wir für mehrere Wochen unterwegs brauchten.

Mit der Fähre setzten wir nach Igoumenitsa über. Schon beim Verlassen des Hafens spürten wir, dass eine besondere Reise vor uns lag. Übrigens: Ganz nebenbei war es auch unsere Hochzeitsreise. Viel mehr brauchten wir damals eigentlich nicht.

Schon kurz hinter der Küste begann eine völlig andere Welt. Die Straßen schlängelten sich durch das Epirus-Gebirge, vorbei an tiefen Schluchten, kleinen Dörfern und beeindruckenden Berglandschaften. Obwohl bereits April war, überraschten uns immer wieder Schneeschauer. Hinter der nächsten Kurve konnte plötzlich wieder Winter sein.

Ein Navigationsgerät gab es damals nicht. Eine Straßenkarte auf dem Beifahrersitz, etwas Abenteuerlust und Neugier genügten völlig. Wir reisten bewusst in kleinen Etappen. Wenn uns eine Landschaft gefiel, hielten wir an. Wenn ein Ort interessant aussah, nahmen wir uns Zeit.

Je höher wir kamen, desto eindrucksvoller wurde die Landschaft. Mal lag Nebel in den Tälern, dann öffnete sich der Blick auf schneebedeckte Berghänge. Es gab Momente, in denen man das Gefühl hatte, ganz allein unterwegs zu sein.

Unser gelber Bulli schnurrte zuverlässig über die kurvenreichen Straßen. Er war kein Luxusmobil, aber er brachte uns dorthin, wo wir hinwollten. Und genau das war das Schöne daran.

Heute wird eine Reise oft bis ins kleinste Detail geplant. Damals war vieles spontaner. Der Weg war nicht nur die Verbindung zwischen zwei Orten – er war ein Teil des Erlebnisses.

Wenn ich diese alten Dias heute betrachte, höre ich fast wieder das Brummen des Motors, rieche die klare Bergluft und erinnere mich an das Gefühl, morgens nicht genau zu wissen, was der Tag bringen würde.

Diese ersten Tage in Griechenland waren erst der Anfang einer siebenwöchigen Reise. Sie sollte uns noch zu antiken Stätten, durch beeindruckende Landschaften und weit über die Grenzen Griechenlands hinaus führen.

Doch davon erzähle ich Euch nach und nach.

Alois mit Hund

Eine Pause ist keine verlorene ZeitHeute Abend geht es mir wieder gut.Das klingt zunächst nach einem ganz gewöhnlichen S...
26/08/2026

Eine Pause ist keine verlorene Zeit

Heute Abend geht es mir wieder gut.

Das klingt zunächst nach einem ganz gewöhnlichen Satz. Nach der vergangenen Nacht fühlt er sich jedoch beinahe wie eine kleine Erfolgsmeldung an.

Geschlafen habe ich nämlich kaum. Vielleicht war mein Körper der Meinung, eine Nacht könne man auch sinnvoll mit Wachliegen verbringen. Dazu dieses komische Gefühl im Magen, Müdigkeit, kein Appetit und das schwer zu beschreibende Empfinden, einfach nicht richtig bei sich zu sein.

Nichts Dramatisches – aber genug, um zu merken: Heute läuft der Motor nicht rund.

Früher hätte ich vermutlich versucht, den Tag trotzdem in mein gewohntes Programm zu pressen. Schließlich gibt es immer etwas zu erledigen. Aufgaben verschwinden bekanntlich nicht aus Höflichkeit, nur weil man schlecht geschlafen hat.

Doch der Körper ist kein Terminkalender. Man kann Beschwerden nicht einfach auf nächste Woche verschieben und hoffen, dass sie sich bis dahin selbst erledigt haben.

Also habe ich mir Zeit gelassen.

Am Nachmittag ging es mit Luna hinaus. Kein Gewaltmarsch, keine sportliche Höchstleistung, kein Gipfelkreuz als Tagesziel. Nur ein Spaziergang, frische Luft, Bewegung und eine Hündin, die ohnehin der Meinung ist, dass man sich viel zu selten ausführlich mit Wiesen, Büschen und interessanten Gerüchen beschäftigt.

Während Luna ihre Nachrichten am Wegesrand las, konnte ich langsam wieder durchatmen.

Manchmal braucht es gar nicht viel, um zurück ins eigene Gleichgewicht zu finden. Einen Weg unter den Füßen. Wind im Gesicht. Das Rascheln der Blätter. Einen Hund an der Seite. Und vor allem die Erlaubnis, gerade nichts leisten zu müssen.

Schritt für Schritt wurde das ungute Gefühl kleiner. Die Gedanken wurden heller, und irgendwo zwischen ein paar Grashalmen und Lunas gründlicher Untersuchung eines offenbar außerordentlich wichtigen Strauches kam auch die gute Laune zurück.

Gute Laune tut gut.

Nicht als aufgesetztes Dauerlächeln und auch nicht als Pflichtprogramm. Niemand muss fröhlich sein, wenn es ihm gerade nicht gut geht. Aber wenn die Lebensfreude wieder vorsichtig anklopft, darf man ihr ruhig die Tür öffnen.

Heute war der Spaziergang meine kleine Pause-Taste.

Wir leben oft so, als müssten wir ständig funktionieren. Dabei ist eine Pause kein Versagen. Sie ist auch keine verlorene Zeit. Sie ist die Zeit, in der Körper und Seele Gelegenheit bekommen, wieder aufzuholen.

Manchmal ist das Vernünftigste, was man an einem Tag tun kann, weniger zu tun.

Zeit dafür muss da sein.

Für die Gesundheit. Für die Stimmung. Für das persönliche Wohlbefinden. Und auch dafür, wieder zu spüren, was einem guttut.

Eine Pause löst nicht jedes Problem. Aber sie kann verhindern, dass aus einem schlechten Moment ein schlechter Tag wird – oder aus einem schlechten Tag eine ganze schlechte Woche.

Heute Abend bin ich müde, aber es ist eine andere Müdigkeit. Eine ruhigere. Der Appetit ist wieder da, das komische Gefühl im Magen verschwunden und die Welt sieht schon wieder freundlicher aus.

Vielleicht hat Luna mich gesundgelaufen. Vielleicht waren es die frische Luft, die Ruhe und ein wenig Regeneration. Wahrscheinlich war es von allem etwas.

Und so endet dieser Tag besser, als er begonnen hat.

Das ist doch auch eine schöne Erkenntnis: Nicht jeder Morgen entscheidet darüber, wie der Abend wird.

Manchmal braucht es nur etwas Geduld, einen Spaziergang und die Einsicht, dass man sich selbst dieselbe Fürsorge schenken darf, die man anderen ganz selbstverständlich geben würde.

Heute habe ich mir diese Pause gegeben.

Und sie hat gutgetan.

Alois mit Hund

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