Warum trifft uns Kritik je nach Absender so unterschiedlich?
Drei Faktoren:
1. Wie ist die Beziehung zu dieser Person (Fremder, Freund, Partner, Kollege)?
2. Wie hoch oder niedrig schätzen wir ihr Urteil zum Thema der Kritik ein?
3. Wie stark ist das Trigger-Potential des Kritikpunktes?
Beispiele:
Kritik von Fremden oder Personen die nicht hoch in meinem Ansehen stehen oder die aus meiner Sicht keine Expertise zum Thema haben: egal, irgnoriere ich.
Kritik von Freunden oder Kollegen deren Urteil ich schätze: uff, das tut weh aber danke.
Kritik vom Partner zu einem wunden oder blinden Punkt: Abwehrreaktion oder Verletztheit!
Das Gute: Wenn Kritik trifft, ist mir die Person nicht egal. Ich ihr ebenfalls nicht, wenn sie kritisiert.
Meine Haltung: Kritik - wenn nicht verletztend sondern konstuktiv vorgetragen ist immer ein Geschenk - auch wenn es manchmal schwer fällt, es anzunehmen.
Dominik Umberto Schott
• Master Trainer • Executive Coach
• Rhetorik & Kommunikation
• Redner und Moderator
21/05/2026
„Ich kann mich dem was schon gesagt wurde, nur anschließen…“
Wenn du diesen Satz hörst, dann ist die Feedback-Runde schon zu lang.
Ich mache als Trainer nie Feedback-Runden. Warum?
Weil sie oft nur Bauchpinselei sind. Sie dienen der Eitelkeit des Trainers – nicht dem Ergebnis. Im Training geht es um die Erfahrung der Teilnehmer, nicht um die Facilitatoren.
Deshalb mache ich eine andere Schlussrunde. Ich frage: Was ist die EINE Sache die du verändern wirst? Oder: Was ist für dich die wichtigste Erkenntnis aus diesem Event – und was folgt daraus für dich?
Wenn jeder eine Erkenntnis hatte und zur Umsetzung motiviert ist – dann war das Training wertvoll. Mehr muss ich nicht wissen.
Aber wie bekomme ich dann und entwickle mich weiter? Ich sage nach dieser inspirierenden Schlussrunde: „Nachdem was ich hier höre, hat jeder was mitgenommen – und ich gehe davon aus, dass es gut war. Wenn irgendetwas besonders gelungen war oder wenn es etwas zu verbessern gibt – bitte sagt es mir!“
Wie erlebt ihr Feedback-Runden? Als Teilnehmer oder Trainer?
11/05/2026
DJ – Dienstleister oder Musikerzieher?
Eine meiner Lieblings-Nebentätigkeiten ist Musik auflegen. Das ist biografisch naheliegend denn ich bin Musiker und war lange Zeit Radiomoderator. Habe also breites Musikwissen und bin geübt darin, Übergänge zu ‚fahren‘.
Das Profil eines DJs hat sich im Laufe meines Lebens ein paarmal völlig gewandelt.
In den 60er und 70er Jahren legte der Discjockey nicht nur Platten auf (vornehmlich Singles) sondern machte dazwischen auch kurze Ansagen – entweder zum Titel oder um die Stimmung anzufeuern. Das klang im schlechten Fall nach Volksfest, im besten Fall wie eine gute Radioshow. Thomas Gottschalk war in jungen Jahren so ein DJ.
In den 80ern gab es keine Ansagen mehr. Nun waren DJs Musikexperten, oft für ein bestimmtes Genre. Im Plattenkoffer waren nun mehr LPs als Singles. Sie legten nicht nur Hits sondern auch unbekannte Titel auf – und oft kamen Leute an die DJ-Box um nach dem Interpreten zu fragen.
Mit Techno und House änderte sich das Bild des DJs völlig. Jetzt ging es nicht mehr um einzelne Stücke sondern den gesamten Mix. Mit Scratchen und geloopten Beats kreierten DJs aus vorhandenem Material live etwas Neues.
Heutige DJ-Stars produzieren aus Samples im Studio Coverversionen oder ihre eigenen Hits – teils mit Gastsängerinnen. Sie ‚spielen‘ auf Festivals ihre eigenen Sets. Und natürlich gibt es immer noch die ‚normalen‘ DJs die keine eigene Musik produzieren sondern das Material anderer auflegen – mehr oder weniger durch den Mix verändert.
Im Ecstatic Dance gibt es DJs, die ihren Mix zum Download bereitstellen. Für mich steht ein fertiger Mix, der nur abgespielt wird, im Widerspruch zu dem, was einen guten DJ ausmacht. Ein guter DJ (oder eine DJane) spürt die Stimmung und liest das Publikum. Und passt die Playliste live immer wieder dem an, was der Raum gerade braucht.
Gute DJs verstehen sich in meinen Ohren als Dienstleister. Sie spielen nicht nur die eigene Lieblingsmusik sondern auch das was den Tänzern gefällt.
Zwei DJ-Unarten:
+ Die Pädagogen – sie merken, dass der Sound nicht gut ankommt aber bleiben stur dabei um dem Publikum guten (also ihren) Geschmack beizubringen.
+ Die Mix-Fetischisten – ihr Ideal ist Nahtlosigkeit, jeder Song fließt in den anderen über. Elegant – aber es fehlen die Kontraste, die Überraschungen, die Abwechslung.
Beide erkennt man daran, dass sie fast nie auf die Tanzfläche schauen. Sie sind nur vertieft in ihre Playlist, immer den Kopfhörer auf und konzentrierter Blick auf ihr Mix-Fenster.
Was ich nicht mag: Die Harten – sie spielen keine Songs sondern Maschinenmusik. Kein Gesang, keine Melodie, nur harte Synths und strammer Beat. Manche mögen das. Manche brauchen keine Musik und keine Dynamik – nur eine Bassdrum die durchballert und Druck in der Magengegend.
Was ich mag: Abwechslung. Wenn ich auflege, bleibe ich nie länger als 20-30 Minuten in einem Genre, dann kommt was anderes. Mein Trick: Ich achte auf verwandte Tonarten. So kann ich zu einem völlig anderen Genre oder Tempo springen und trotzdem klingt der Übergang harmonisch. Was ich auch mag: Gesang und fließende Sounds. Was fürs Herz – nicht nur für die Beine.
29/04/2026
Mein Lieblingszitat von Steve Jobs - auch weil ich Beatles-Fan bin. Selbst ein vermeintlicher Alleingänger wie Jobs wusste: Großartige geschäftliche Erfolge erringt nie ein einzelner - immer ein Team.
Steve Jobs learned this from Beatles Enjoy the videos and music you love, upload original content, and share it all with friends, family, and the world on YouTube.
21/04/2026
„Haben Sie denn auch Erfahrung in der Versicherungsbranche?“
In meinen ersten Jahren als Trainer wurde ich oft nach industriespezifischer Erfahrung gefragt. Und fühlte mich blank, wenn ich die nicht vorweisen konnte. Mit der Zeit habe ich gelernt: Insider-Kenntnisse sind zwar wertvoll – aber nicht zwingend notwendig.
Jeder hört gerne, dass die Herausforderungen in seiner Branche ganz besonders sind – aber nach 20 Jahren in mehr als 100 Unternehmen behaupte ich: Es geht fast immer um zwischenmenschliche Herausforderungen.
Strategie-Versagen, Fluktuation, Innovationsmangel, Silo-Denken …. Dahinter stehen meist Kommunikations-Hindernisse. Nicht alles lässt sich mit guter Kommunikation beheben, aber ohne sie funktioniert gar nichts.
Kommunikationstraining ist daher besonders sinnvoll, wenn diese Kriterien erfüllt sind:
1. Menschen arbeiten mit Menschen zusammen
2. Es gibt Hierarchie (Abteilungen, Direktiven, Teams, Feedback..)
3. Projektarbeit (wechselnde Inhalte, Deadlines…)
4. Hohe Arbeitsbelastung (Mischung aus Zeit- Kosten- und Qualitätsdruck)
Hand aufs Herz: Welche Branche arbeitet nicht innerhalb dieses Rahmens?
02/12/2025
DER OBAMA-TRICK
Manche vermissen ihn. Dabei kann sich jeder ein bißchen Barack-Magic in das eigene Meeting holen. Denn Obamas vielgerühmte Rhetorik ist ein Zusammenspiel aus zwei sehr wirksamen aber einfachen Aspekten:
Sprech-Yoga und Einhandgestik.
Sprech-Yoga heißt: Langsam und artikuliert sprechen. Kurze Sätze durch Pausen wirken lassen. Das Ergebnis: Gravitas.
Einhandgestik: Eine Hand unterstreicht das Gesagte mit einfachen Gesten, die andere ruht. Clever, denn so wirkt die Körpersprache zugleich aktiv und entspannt.
Obama wechselt dabei zwischen linker und rechter Hand ab und verbindet das jeweils mit dem Blick in den linken oder rechten Teleprompter. So simple. Er macht auch Marionetten-Gestik (beide Hände synchron) und etwas zu oft den Zeigefinger. Nobody is perfect.
Einhandgestik ist eine Umstellung für die meisten, wir neigen eher zu Schutzhaltungen (Hände berühren sich). Einhand-Gestik hilft, dieses Muster zu durchbrechen. Und sieht großartig aus. Probier es mal.
21/11/2025
UMGANG MIT KRITIK
Kritik von Vorgesetzten kann sich hart anfühlen. Aber selbst wenn sich jemand ungeschickt ausdrückt. Selten dürfte Demotivation die Motivation sein. Hinter Kritik – auch wenn sie harsch daherkommt – steht fast immer ein Bedürfnis, eine Sorge oder echte Bedenken. Wenn es uns gelingt, die Kritik nicht persönlich zu nehmen (denn das ist sie meist nicht) sondern das Anliegen dahinter zu erspüren, dann werden wir nicht defensiv (oder gar aggressiv) sondern können die Perspektive ändern. Wir können dann die Blickrichtung unseres Gegenübers einnehmen und mit ihm gemeinsam auf das Thema schauen. Denn es geht nicht um dich. Auch nicht um deine Vorgesetzten. Oder deren Chefs. Es geht immer um das Gemeinsame. Auch wenn Berichtslinien etwas anderes suggerieren und viele das Gefühl haben, sie erledigen ihre Arbeit um den Chef zufrieden zu stellen.
Konzernhierarchien sind irreführend. Sie repräsentieren nicht die wahren Verhältnisse. Dein Chef und du – ihr seid nicht oben und unten. Und hoffentlich auch nicht gegeneinander. Auch wenn Scoring und andere Mess-KPIs uns ständig suggerieren, dass wir im Wettbewerb zu anderen stehen. Zugleich wollen alle Silo-Denken abbauen.
Die Wahrheit ist: Du und all deine Vorgesetzten, ihr seid Kollegen, die gemeinsam, jeder an seiner Stelle mit seinen Aufgaben, für einen Organismus arbeiten. Dieses Organismus ist euer Unternehmen. Dieses Unternehmen wiederum arbeitet für eine Gruppe von Menschen, die ihr Kunden nennt. Diese Gruppe ist Teil der ganzen Gesellschaft. Wir alle dienen. Hoffentlich in gutem Geist einer guten Sache. Zugegeben: Bei manchen Produkten oder Dienstleistungen bin ich mir nicht sicher ob sie wirklich ein Segen für die Menschheit sind. Und manche Unternehmen sind von allen guten Geistern – von denen sie einst gegründet wurden – verlassen. Und dennoch: Solange das Geschäft läuft, wird Einkommen generiert, von dem Menschen ihr Leben finanzieren, ihre Familien ernähren, sich kleine Träume erfüllen. Nicht ganz übel.
Die Haltung ist also: Wie kann ich dir dienen – damit du wiederum dem Ganzen dienen kannst? Wie kann ich dir helfen, deine Aufgabe bestmöglich zu erfüllen? Denn deine Aufgabe dient wiederum anderen. Wenn du mich kritisierst, bist du offenbar in Sorge um das Ergebnis unserer Arbeit. Was ist dir wichtig? Was kann ich tun? Sag es mir. Hilf mir, damit ich dir helfen kann.
Wenn diese innere Haltung in uns finden, müssen wir uns keine Worte zurecht legen oder Feedback-Formeln lernen. Wir werden instinktiv das Richtige sagen. Selbst wenn die Sätze ein Gestammel sein sollten, spüren Menschen die Intention dahinter. Und wenn die wohlwollend und konstruktiv ist, kannst du nichts falsches sagen. Die Schwingung hinter den Worten ist entscheidend.
27/09/2025
„Das macht mir echt Sorgen!“
Das platzte neulich mittags aus einem Tischnachbarn heraus. Er meinte die Drohnen über dem Kopenhagener Flughafen und deutete an, dass Russland wohl den dritten Weltkrieg suche.
Ich versuchte, ihm eine alternative Sichtweise zu vermitteln, aber er hatte schon zu viele Berichte der etablierten Medien gesehen, in denen ausschließlich Putin als Aggressor genannt wird, den absurderweise danach gelüsten soll, Mitteleuropa anzugreifen.
Ich sagte: Putin ist sicher ein korrupter und brutaler Autokrat. Aber dumm ist er nicht. Er weiß, dass Russland gegen die NATO keine Chance hat. Und was sollte er denn im Westen wollen? Landgewinn? Russland ist schon riesig. Bodenschätze? Hat Russland alle selbst. In der Geschichte sind westliche Nachbarn öfter in Russland einmarschiert als andersrum. Russland hat daher mindestens so starke Gründe, dem Westen zu misstrauen wie umgekehrt.
Ich ließ mir den Bericht zeigen. Da stand: „Drohnen über Kopenhagener Flughafen. Eine Beteiligung Russlands wird nicht ausgeschlossen.“
Ich musste fast lachen: „Lieber Christoph, das ist als würde morgen im Intranet stehen: „Drei unaufgeklärte Fälle von Veruntreuung im Unternehmen. Eine Beteiligung Christophs wird nicht ausgeschlossen.“ Das tut wie Unschuldsvermutung – setzt aber ohne Indizien einen ungeheuerlichen Verdacht. Das ist kein Journalismus, das ist Propaganda. Kriegspropaganda. Irgendjemand hat ein Interesse daran, Unsicherheit, Misstrauen und Feindseligkeit zu streuen.
Es erstaunt mich immer wieder, mit welcher treuen Naivität Bürger davon ausgehen, dass Propaganda etwas ist, das nur die anderen tun aber nie die eigene Regierung. Natürlich berichten ALLE Medien in allen Ländern gefärbt bis einseitig. Je staatsnäher desto gefärbter.
Die westliche Propaganda fällt uns nur nicht so auf, weil wir in ihr groß geworden sind. Sie bildet unsere Referenzkoordinaten von denen aus wir alles andere beurteilen. Wir betrachten die Welt eurozentrisch, halten unsere Werte für überlegen und denken, wir seien die Guten. Wir stellen daher alles in Frage – nur nicht die eigenen Positionen.
Wohl dem, der auch schon in anderen Ländern oder Kontinenten gelebt hat und die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachten konnte. Und wohl dem, der sich in diesen nervösen Zeiten seine innere Ruhe bewahren kann. Und nicht alles glaubt, was Medien erzählen.
15/09/2025
In meinen mehr als 30 Jahren beim Fernsehen habe ich die fetten Jahre miterlebt. Momentan findet ein Umbruch statt: Lineares Fernsehen verliert an Bedeutung, Streaming gewinnt.
Bei Zuschauern und im Werbemarkt: So graben Netflix, Amazon & Co den linearen TV-Sendern das Wasser ab - HORIZONT Spätestens als Netflix Ende 2022 in die Werbevermarktung einstieg, dürften die Vermarkter geahnt haben, dass die Zeiten des fortwährenden Werbewachstums im linearen TV zu Ende gehen. Inzwischen bekommen auch Nutzer von Amazon Prime Video, Disney und Paramount+ Werbung angezeigt - aus gutem Grund,...
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