12/08/2024
Das Hier und Jetzt ist auch mit einem an Demenz erkrankten Angehörigen das, was zählt.
Mein Großvater litt an Alzheimer Demenz und mit ihm die Familie. Besonders meine Mutter tat sich sehr schwer, das veränderte Wesen ihres Vaters anzunehmen. Auch die Tatsache, dass er sie als seine Tochter ab einem gewissen Stadium nicht mehr erkannte traf sie schwer.
Daher und auch aus meinem Gerontologie-Studium weiß ich, wie wichtig es ist, die Angehörigen auf diesem Weg des Abschiednehmens zu begleiten. Vielen ist zu Beginn der Erkrankung gar nicht bewusst, dass damit ein Abschied einhergeht. Denn das trügerische dieser Erkrankung: Phasen des kognitiven Abbaus gehen einher mit kurzfristigen "Verbesserungen". Diese sind allerdings ein Trugschluss, denn die Erkrankung kann bislang nicht geheilt werden und die "hellen Phasen" werden im Verlauf der Erkrankung seltener.
Auch der oft veränderte Charakter (abhängig von der Demenzform, stark verändert bei frontotemporaler Demenz) stellt Partner:innen und die Angehörigen vor eine große Herausforderung. Bei meinem Großvater gab es unvermittelte Wutausbrüche, in denen er mich als Kind anschrie, was für ihn dann im nächsten Moment sofort wieder vergessen war. Das ist belastend, für alle Familienmitglieder.
Doch auch die Erkrankten selbst merken zu Beginn der Erkrankung noch, dass "etwas nicht stimmt". Sie vergessen wichtige Dinge, können sich zunehmend immer weniger zeitlich und räumlich orientieren. Das schürt große Angst und Verunsicherung. Und damit einhergehend auch Wutausbrüche, wenn sie zum x-ten Mal mit der Realität konfrontiert werden ("Das habe ich Dir jetzt schon 100mal gesagt!").
Alles in allem sind Demenzerkrankungen für alle Beteiligten sehr belastend. Und umso wichtiger ist es, die "hellen Phasen" des Erkrankten und die Zeit, in der er präsent und orientiert ist zu nutzen und gemeinsam zu genießen. Im Hier und Jetzt. Diese Momente sind so schnell vorbei. 🖤
Für mehr "Im-Hier-und-Jetzt-Leben" 🖤lichst
Eure Barbara
Übrigens: unsere Community-App bietet eine eigene Gruppe zum Austausch unter Angehörigen. Ihr findet die App unter www.traudich.community oder www.trauerohr.chat