06/02/2026
Wenn Menschen gnadenlos sind...
Vor einigen Jahren hatte ich ein Erlebnis, das mich zum Nachdenken brachte.
Ich stellte fest, dass ich an etwas gemessen wurde, das ich selbst ungewollt vorgegeben hatte.
Ich war immer jemand, der da war.
Präsent, zuverlässig, belastbar, oft mit einer Idee oder einer Lösung parat.
Ich war freundlich, lächelte sogar unter Schmerzen, fühlte mich selten wirklich müde und nichts schien mir zu viel zu sein.
Diese Haltung führte dazu, dass ich jederzeit greifbar war und einsprang, wenn es irgendwo brannte.
Ich habe mich nie bewusst über Leistung definiert, denn ich kannte meinen Wert, den ich in Jesus Christus habe.
Doch durch die Art, wie ich lebte, begannen andere, meinen Wert über meine Leistung zu definieren.
Als in meinem Leben eine Phase kam, in der ich mich mehr um mich kümmern musste, Dinge abgeben durfte und weniger Zeit hatte, unter anderem durch die Pflege meines Papas, merkte ich plötzlich, wie sich einige Menschen distanzierten.
Sie wurden kühl, teils sogar beleidigt, weil ich andere Prioritäten setzte als von mir erwartet wurden. Plötzlich wurde ich gemieden und war nicht mehr die tolle Karina.
Ich sprach dieses Verhalten an.
Die Antwort einer Person lautete sinngemäß:
Du hast selbst deine Messlatte so hoch gesetzt. Wenn du das nun nicht mehr erfüllst, entsteht der Eindruck, dass du kein Interesse mehr hast oder nachlässig wirst. Von jemandem wie dir erwarte ich Leistungsfähigkeit, bringst du das nicht, brauchst du nichts anderes erwarten.
Das saß.
Ich war zunächst sprachlos.
Mir war weder bewusst gewesen, dass ich eine Messlatte gesetzt hatte, noch, dass ich ständig daran gemessen wurde.
Vermutlich denkst du nun, dass ich wohl sehr naiv bin, doch so ein Denken war für mich nie ein Thema.
Es war tatsächlich erschreckend für mich, dass mein Wert an meine Leistung geknüpft wurde.
Als ich nicht mehr so viel leisten konnte wie zuvor, wurde ich plötzlich jemand, den man abschrieb und zu meiden begann.
Es war gut, dass ich meinen Wert nicht an der Meinung von Menschen festmachte, sondern an dem Wert, den Gott mir zuspricht.
Und doch erschreckt mich bis heute, wie gnadenlos Menschen sein können.
Diese Gnadenlosigkeit wirft viele zu Boden, besonders jene, die ihren Wert über Leistung, über die Meinung anderer oder über ihr Können definieren. Das erfahre ich immer wieder in meiner täglichen Arbeit.
Es ist wichtig zu wissen, dass egal, worüber du deinen Wert bestimmst, wenn dieses Fundament wegbricht, hinterlässt es Leere, Erschöpfung und oft auch innere Dunkelheit.
Darum möchte ich dir heute sagen, suche deinen Wert nicht in dem, was die Welt oder dein Umfeld dir zuspricht.
Suche ihn auch nicht in dem, wie stark, wie fähig oder wie bewundert du bist. Suche deinen Wert in Gott.
Denn auch wenn alles zerfällt, er bleibt.
Und er spricht dir einen unschätzbaren Wert zu, der an keine Bedingungen geknüpft ist, nicht an Leistung, nicht an Status, sondern allein an seine Liebe zu dir.
Echte Liebe wertet nicht ab. Sie nimmt an.
Und diese Liebe findest du in Jesus Christus.
Wie sieht es in deinem Leben aus?
Welche Erfahrungen hast du gemacht mit Leistung und Wert?
Gab es Momente, in denen du gespürt hast, dass dein Wert für andere davon abhängig war, wie viel du leistest, wie verfügbar du bist oder wie gut du funktionierst?
Und wie ist es mit dir selbst?
Woran misst du deinen eigenen Wert?
Wie sprichst du innerlich über dich, wenn du nicht mehr alles schaffst, nicht mehr allem gerecht wirst oder Grenzen setzen musst?
Wenn du magst, teile das gerne mit mir.
Wenn du Fragen hast, Unterstützung suchst oder dir Begleitung in diesem Thema wünschst, darfst du dich jederzeit bei mir melden.
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