Vetmedicus Lehrinstitut für Tierheilkunde

Vetmedicus Lehrinstitut für Tierheilkunde Weiterbildungen Tierheilkunde

06/09/2026
05/09/2026

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Artemisia annua in der Tierheilkunde – eine alte Heilpflanze mit neuem wissenschaftlichem InteresseVom traditionellen He...
01/09/2026

Artemisia annua in der Tierheilkunde – eine alte Heilpflanze mit neuem wissenschaftlichem Interesse
Vom traditionellen Heilmittel zum Gegenstand moderner Forschung

Artemisia annua, der Einjährige Beifuß, ist eine Heilpflanze, die ursprünglich vor allem aus der Traditionellen Chinesischen Medizin bekannt ist. Weltweite Aufmerksamkeit erhielt sie durch ihren Inhaltsstoff Artemisinin, der eine entscheidende Rolle in der Behandlung der Malaria spielt.
Inzwischen beschäftigt sich die Forschung jedoch längst nicht mehr ausschließlich mit der Wirkung gegen Malariaerreger. Artemisia annua und insbesondere Artemisinin sowie daraus entwickelte Substanzen wie Artesunat oder Dihydroartemisinin werden hinsichtlich ganz unterschiedlicher biologischer Wirkungen untersucht.

Dazu gehören unter anderem:
• antitumorale Eigenschaften
• antiparasitäre Wirkungen
• entzündungshemmende Effekte
• immunmodulierende Eigenschaften
• antimikrobielle Wirkungen
• antioxidative und teilweise antifibrotische Effekte
Auch in der Tiermedizin wächst deshalb das Interesse an Artemisia annua. Eine aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit zur Tiergesundheit beschreibt insbesondere antitumorale, antiparasitäre, antimikrobielle und immunmodulierende Wirkungen als interessante Forschungsfelder.

Wichtig ist dabei jedoch eine klare Unterscheidung: Ergebnisse aus Zellkulturversuchen oder experimentellen Tiermodellen bedeuten noch nicht automatisch, dass eine Erkrankung beim Hund, Pferd oder bei der Katze damit wirksam behandelt werden kann.
Artemisia annua und Krebs – warum interessiert sich die Forschung dafür?

Besonders spannend ist die Forschung zu Artemisinin im Zusammenhang mit Tumorzellen.
Artemisinin besitzt eine sogenannte Endoperoxidbrücke. Diese chemische Struktur kann unter anderem mit Eisen reagieren und dabei hochreaktive Moleküle entstehen lassen. Genau dieser Mechanismus wird als eine mögliche Erklärung für die Wirkung auf bestimmte Tumorzellen diskutiert.
Viele Tumorzellen besitzen einen erhöhten Eisenbedarf. Schnell proliferierende Zellen benötigen Eisen unter anderem für Stoffwechsel und DNA-Synthese und können deshalb beispielsweise vermehrt Transferrinrezeptoren exprimieren.

Vereinfacht dargestellt lautet eine der wissenschaftlichen Hypothesen:
Tumorzelle mit erhöhtem Eisenstoffwechsel → Reaktion mit Artemisinin → oxidativer Stress → Schädigung der Tumorzelle
Darüber hinaus werden weitere Mechanismen untersucht, darunter Einflüsse auf Zellzyklus, Apoptose, Angiogenese und verschiedene intrazelluläre Signalwege.
Ein besonders interessantes Forschungsgebiet ist die Ferroptose. Dabei handelt es sich um eine eisenabhängige Form des regulierten Zelltodes, bei der unter anderem eine starke Lipidperoxidation auftritt.

Gerade hier zeigen neuere Untersuchungen an kaninen Osteosarkomzellen interessante Ergebnisse.
Artemisia annua beim Hund
Für den Hund existieren bereits einige veterinärmedizinische Untersuchungen.
In Zellkulturversuchen wurden Artemisia-annua-Extrakte beispielsweise an kaninen Osteosarkomzellen untersucht. Dabei zeigte sich eine dosisabhängige zytotoxische Wirkung. In einer Untersuchung fanden die Wissenschaftler zudem Hinweise darauf, dass Eisenstoffwechsel, Lipidperoxidation und möglicherweise Ferroptose an der Wirkung beteiligt sein könnten.

Das ist insbesondere deshalb interessant, weil das Osteosarkom beim Hund ein hochaggressiver Tumor ist und deshalb intensiv nach ergänzenden therapeutischen Möglichkeiten gesucht wird.
Es gibt darüber hinaus klinische Daten zu Artemisinin-Derivaten. In einer Studie erhielten 23 Hunde mit nicht resezierbaren Tumoren Artesunat. Bei einem Hund wurde eine länger anhaltende komplette Remission beschrieben, bei weiteren sieben eine vorübergehende Stabilisierung der Erkrankung.
Allerdings traten auch Nebenwirkungen auf. Dazu gehörten unter anderem vorübergehende gastrointestinale und hämatologische Veränderungen sowie Fieber.

Das zeigt sehr schön beide Seiten der Medaille:
Artemisinin ist ein pharmakologisch hochinteressanter Naturstoff – aber „pflanzlich“ bedeutet keineswegs automatisch harmlos.
Untersuchungen bei Hunden und Katzen
Besonders interessant für die Tiermedizin ist eine retrospektive Untersuchung von Hunden und Katzen mit spontan entstandenen Tumorerkrankungen.
20 Tiere erhielten zusätzlich zur konventionellen Behandlung ein kommerzielles Artemisia-annua-Präparat. Die Ergebnisse wurden mit einer kleineren Kontrollgruppe verglichen, die lediglich die Standardtherapie erhalten hatte.
In der Artemisia-Gruppe überlebte eine statistisch höhere Zahl der Tiere länger als 18 Monate.
Die Autoren selbst weisen allerdings darauf hin, dass diese Ergebnisse in größeren, prospektiven Studien bestätigt werden müssen.
Eine weitere Publikation berichtete über Tiere mit Sarkomen, bei denen Artemisia annua ergänzend zur chirurgischen beziehungsweise konventionellen Therapie eingesetzt wurde. Unter anderem wurden längere rezidivfreie Verläufe bei einem Hund und einer Katze mit Fibrosarkom beschrieben.

Das sind interessante Beobachtungen – aber keine ausreichende Grundlage, Artemisia annua als alleinige Krebstherapie zu betrachten.
Ergänzend bedeutet nicht alternativ
Gerade bei Tumorerkrankungen ist diese Unterscheidung enorm wichtig.
Eine mögliche phytotherapeutische Begleitung darf nicht dazu führen, notwendige Diagnostik oder etablierte Behandlungsmöglichkeiten wie Operation, Chemotherapie, Bestrahlung oder moderne onkologische Therapieverfahren vorschnell zu ersetzen.

Viel interessanter ist die Frage:
Wo könnte Artemisia annua sinnvoll Bestandteil eines integrativen Behandlungskonzeptes sein?
Genau hier sollte integrative Tiermedizin ansetzen: nicht „Schulmedizin oder Naturheilkunde“, sondern individuell prüfen, welche Verfahren sinnvoll miteinander kombiniert werden können.
Artemisia annua und Autoimmunerkrankungen
Ein weiteres interessantes Forschungsgebiet sind entzündliche und autoimmune Erkrankungen.
Artemisinin und verschiedene Artemisinin-Derivate zeigen in experimentellen Untersuchungen immunmodulierende Eigenschaften.

Untersucht werden beispielsweise Einflüsse auf:
• T-Lymphozyten
• B-Lymphozyten
• Makrophagen
• proinflammatorische Zytokine
• NF-κB-Signalwege
• JAK/STAT-Signalwege
• das Verhältnis zwischen Th17- und regulatorischen T-Zellen

Gerade das Gleichgewicht zwischen Th17-Zellen und regulatorischen T-Zellen (Treg) spielt bei verschiedenen Autoimmunerkrankungen eine wichtige Rolle.
In experimentellen Modellen werden Artemisinin-Derivate unter anderem bei rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes, entzündlichen Darmerkrankungen und anderen immunvermittelten Erkrankungen untersucht.
Für die Tiermedizin muss man hier allerdings besonders vorsichtig formulieren: Ein großer Teil dieser Forschung stammt aus Zellkultur, experimentellen Tiermodellen oder der Humanmedizin. Daraus lässt sich bislang keine allgemein anerkannte Artemisia-Therapie für autoimmune Erkrankungen bei Hund, Katze oder Pferd ableiten.
Die Forschung liefert vielmehr interessante Hinweise auf mögliche immunmodulierende Mechanismen.

Antiparasitäre Wirkung – die ursprüngliche Stärke von Artemisia
Die wohl bekannteste Wirkung von Artemisinin richtet sich gegen Parasiten.
Artemisinin wurde ursprünglich aufgrund seiner hervorragenden Wirkung gegen Plasmodien, die Erreger der Malaria, weltberühmt. Darüber hinaus werden Artemisia annua und verschiedene Inhaltsstoffe inzwischen auch hinsichtlich weiterer Parasiten untersucht.

Für die Tiermedizin ist das grundsätzlich interessant, beispielsweise im Hinblick auf Protozoen und verschiedene Endoparasiten.
Gerade hier gilt jedoch ebenfalls: Nicht jeder experimentell nachgewiesene antiparasitäre Effekt bedeutet, dass Artemisia annua eine etablierte antiparasitäre Therapie oder notwendige Entwurmungsstrategie ersetzen kann.

Weitere interessante Forschungsgebiete
Neben Tumorerkrankungen, Parasiten und Autoimmunerkrankungen wird Artemisia annua hinsichtlich zahlreicher weiterer biologischer Eigenschaften untersucht.
Dazu gehören insbesondere:
Chronische Entzündungsprozesse:
Artemisinin-Derivate können verschiedene entzündungsfördernde Signalwege beeinflussen und werden deshalb als mögliche antiinflammatorische Wirkstoffe untersucht.
Oxidativer Stress:
Interessanterweise können Artemisinin-Verbindungen je nach biologischem Kontext unterschiedliche Effekte auf Redoxprozesse besitzen.

Gerade in Tumorzellen kann die gezielte Erzeugung oxidativen Stresses Teil der gewünschten Wirkung sein.
Infektionen:
Für verschiedene Bestandteile der Pflanze werden antimikrobielle und antivirale Eigenschaften beschrieben. Die klinische Bedeutung für Hund, Katze und Pferd ist jedoch bei vielen dieser Anwendungen noch nicht ausreichend untersucht.

Fibrotische Prozesse:
Für einzelne Artemisinin-Derivate werden außerdem antifibrotische Mechanismen erforscht.
Damit wird deutlich: Artemisia annua ist pharmakologisch wesentlich komplexer, als die Bezeichnung „Heilpflanze“ zunächst vermuten lässt.
Artemisia annua ist nicht gleich Artemisinin
Dieser Punkt wird in der Praxis häufig übersehen.
Artemisia annua enthält zahlreiche Pflanzenstoffe.
Artemisinin ist lediglich einer ihrer pharmakologisch besonders interessanten Inhaltsstoffe.
Ein Pflanzenpulver, Tee, Extrakt und standardisiertes Artemisia-Präparat können daher völlig unterschiedliche Konzentrationen an Artemisinin und anderen Inhaltsstoffen besitzen.

Auch Artemisinin selbst ist nicht identisch mit seinen pharmazeutischen Derivaten wie:
• Artesunat
• Artemether
• Dihydroartemisinin (DHA)
Studien mit Artesunat können deshalb nicht einfach auf Artemisia-annua-Pulver übertragen werden.
Für eine therapeutische Anwendung ist die Standardisierung eines Präparates von großer Bedeutung. Auch eine aktuelle veterinärmedizinische Übersichtsarbeit weist ausdrücklich darauf hin, dass eine zuverlässige Standardisierung der Inhaltsstoffe notwendig ist.

Und was ist mit Eisen?
Im Zusammenhang mit Artemisinin und Krebs stößt man häufig auf die Empfehlung, zusätzlich Eisen zu verabreichen.
Der Gedanke dahinter beruht auf dem eisenabhängigen Wirkmechanismus von Artemisinin und auf dem teilweise erhöhten Eisenstoffwechsel von Tumorzellen.
Daraus sollte jedoch keine pauschale Empfehlung zur Eisengabe abgeleitet werden.
Der Eisenstoffwechsel ist komplex. Sowohl Eisenmangel als auch Eisenüberschuss können problematisch sein, und Tumorerkrankungen können den Eisenstoffwechsel zusätzlich verändern.
Eine Eisensupplementierung sollte deshalb nicht nach dem Motto „Artemisia braucht Eisen“ erfolgen, sondern nur nach individueller Beurteilung des Patienten und entsprechender Diagnostik.
Was bedeutet das für Pferd, Hund und Katze?
Die Datenlage ist zwischen den Tierarten sehr unterschiedlich.

Beim Hund existieren inzwischen interessante Zellkulturuntersuchungen und erste klinische beziehungsweise retrospektive Daten, insbesondere aus der Tumorforschung.
Bei der Katze gibt es einzelne klinische Fallberichte und Katzen waren auch in retrospektiven Untersuchungen zu spontanen Tumoren vertreten. Die Datenbasis ist jedoch deutlich kleiner.
Beim Pferd ist Artemisia annua vor allem aufgrund seiner antiparasitären und weiteren pharmakologischen Eigenschaften interessant. Für eine Krebstherapie beim Pferd fehlen bislang vergleichbare klinische Daten, wie sie zumindest in begrenztem Umfang für Hunde und Katzen vorliegen.

Deshalb sollte auch die Dosierung niemals einfach von einer Tierart auf eine andere übertragen werden.
Wirkmechanismen zu verstehen und für jeden Patienten individuell zu entscheiden, was sinnvoll und verantwortbar ist.
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Quellen und weiterführende Literatur
Breuer E, Efferth T. (2014):
Treatment of Iron-Loaded Veterinary Sarcoma by Artemisia annua. Natural Products and Bioprospecting, 4(2), 113–118.
PMID: 24859473.
Efferth T. et al. (2019):
Retrospective study of small pet tumors treated with Artemisia annua and iron. International Journal of Oncology.
PMID: 31789393.
Rutteman GR et al. (2013):
Safety and efficacy field study of artesunate for dogs with non-resectable tumours. Anticancer Research, 33(5), 1819–1827.
PMID: 23645726.
Salaroli R et al. (2022):
Anticancer activity of an Artemisia annua L. hydroalcoholic extract on canine osteosarcoma cell lines. Research in Veterinary Science, 152, 476–484.
PMID: 36156377.
Isani G et al. (2019):
Cytotoxic Effects of Artemisia annua L. and Pure Artemisinin on the D-17 Canine Osteosarcoma Cell Line.
PMID: 31354901.
Tong X et al. (2022):
Artemisinin derivative SM934 in the treatment of autoimmune and inflammatory diseases: therapeutic effects and molecular mechanisms. Acta Pharmacologica Sinica, 43, 3055–3061.
Aktuelle Übersichtsarbeit zur Tiergesundheit (2025):
The Beneficial Use of Artemisia annua, Artemisinin, and Other Compounds in Animal Health.
PMID: 40427237.

Die kleinen Zeichen sehen – wenn unscheinbare Dasselfliegeneier auf eine größere Geschichte hinweisenManchmal beginnt di...
22/08/2026

Die kleinen Zeichen sehen – wenn unscheinbare Dasselfliegeneier auf eine größere Geschichte hinweisen

Manchmal beginnt die Suche nach der Ursache eines gesundheitlichen Problems nicht mit einem auffälligen Befund, einem dramatischen Symptom oder einem schlechten Blutbild.
Manchmal beginnt sie mit ein paar winzigen gelben Punkten an einem Pferdebein.
Genau solche Beobachtungen sind es, die uns in der ganzheitlichen Betrachtung eines Tieres immer wieder daran erinnern: Der Körper erzählt eine Geschichte. Aber er erzählt sie nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge.
Kleine gelbe Punkte – und plötzlich ergibt manches einen Sinn
Dasselfliegen gehören zu den Parasiten, deren Lebenszyklus leicht unterschätzt wird. Die erwachsenen Fliegen legen ihre Eier bevorzugt an der Behaarung des Pferdes ab. Je nach Dasselfliegenart finden sich diese häufig an Vordergliedmaßen, Schulterregion oder anderen Körperstellen.
Die Eier sind klein, gelblich und können auf den ersten Blick wie winzige anhaftende Punkte aussehen.
Durch Belecken und Beknabbern gelangen die Larven in beziehungsweise an das Maul des Pferdes. Nach weiteren Entwicklungsstadien wandern sie schließlich in den Magen-Darm-Bereich, wo sie über einen längeren Zeitraum verbleiben können.
Und genau hier wird aus einem kleinen äußerlich sichtbaren Zeichen plötzlich ein Thema, das den gesamten Organismus betreffen kann.
„Aber das Pferd wurde doch regelmäßig entwurmt“
Dieser Satz fällt in der Praxis immer wieder.
Und er ist verständlich.
Eine regelmäßige Entwurmung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass zu jedem Zeitpunkt jeder relevante Parasit sicher erfasst wurde. Wirkstoff, Zeitpunkt, Resistenzsituation und Lebenszyklus des jeweiligen Parasiten spielen eine Rolle.
Gerade deshalb reicht es nicht, allein auf einen Entwurmungsplan zu schauen.
Das Pferd selbst muss beobachtet werden.
Wie sieht das Fell aus?
Wie entwickelt sich die Muskulatur?
Verändert sich das Gewicht?
Wie ist die Leistungsfähigkeit?
Wie ist die Verdauung?
Gibt es Veränderungen im Verhalten?
Treten ungewöhnliche neurologische oder muskuläre Symptome auf?
Gibt es Hinweise auf Nährstoffmängel?
Und manchmal findet sich eben zusätzlich dieses eine kleine Puzzleteil: gelbliche Eier im Fell.
Was haben Parasiten mit Nährstoffen zu tun?
Ein stärker belasteter Magen-Darm-Trakt kann weit mehr bedeuten als gelegentliche Verdauungsprobleme.
Der Verdauungstrakt ist eine zentrale Schnittstelle zwischen Nahrung und Organismus. Hier müssen Nährstoffe aufgeschlossen, verarbeitet und aufgenommen werden. Gleichzeitig lebt dort ein komplexes Mikrobiom, das wiederum Einfluss auf zahlreiche Stoffwechselvorgänge hat.
Ist dieses System beeinträchtigt, lohnt es sich deshalb, weiterzudenken.
Bei einem Pferd mit nachgewiesenen Nährstoffdefiziten sollte nicht ausschließlich die Frage gestellt werden:
„Was müssen wir zufüttern?“
Mindestens genauso wichtig ist die Frage:
„Warum fehlt es überhaupt?“
Liegt tatsächlich zu wenig des betreffenden Nährstoffs im Futter vor?
Besteht ein erhöhter Bedarf?
Ist die Aufnahme gestört?
Gibt es Probleme im Verdauungstrakt?
Spielt das Mikrobiom eine Rolle?
Besteht eine chronische Belastung?
Oder könnten Parasiten Teil des Gesamtbildes sein?
Das Beispiel Vitamin B1
Vitamin B1 – Thiamin – ist insbesondere für den Energiestoffwechsel und die normale Funktion des Nervensystems von großer Bedeutung.
Ein deutlicher Mangel kann deshalb sehr unterschiedliche Auswirkungen haben. Je nach Ausprägung können unter anderem Leistungsschwäche, verminderter Appetit, Gewichtsverlust, muskuläre Auffälligkeiten oder neurologische Symptome auftreten.
Doch auch hier gilt:
Wird ein B1-Mangel festgestellt, ist damit zunächst ein Befund gefunden – nicht zwangsläufig die Ursache.
Es wäre zu einfach, einen bestimmten Parasiten automatisch für einen Vitamin-B1-Mangel verantwortlich zu machen. Ein solcher direkter Zusammenhang lässt sich nicht pauschal herstellen.
Aber ein auffälliger Nährstoffstatus zusammen mit Veränderungen des Allgemeinzustandes und Hinweisen auf eine Parasitenbelastung ist sehr wohl ein Grund, das Gesamtbild genauer zu untersuchen.
Denn möglicherweise greifen mehrere Faktoren ineinander.
Genau hier beginnt ganzheitliches Denken
Ganzheitliche Betrachtung bedeutet nicht, hinter jedem Symptom etwas Mysteriöses zu vermuten.
Eigentlich bedeutet sie etwas sehr Bodenständiges:
Zusammenhänge suchen.
Stellen wir uns beispielsweise vor, ein Pferd zeigt einen deutlichen Nährstoffmangel.
Dann könnten wir den fehlenden Nährstoff zuführen und damit zunächst das Laborergebnis beziehungsweise den Mangel behandeln.
Das kann notwendig und richtig sein.
Aber damit sollte unsere Überlegung nicht enden.
Die nächste Frage lautet:
Warum ist dieses Pferd in diesen Mangel geraten?
Und dann gehen wir gedanklich rückwärts.
Nährstoffmangel
→ Aufnahme und Verwertung überprüfen
→ Verdauung und Darmgesundheit betrachten
→ Fütterung analysieren
→ erhöhten Bedarf oder Verluste berücksichtigen
→ mögliche Erkrankungen untersuchen
→ Parasitenstatus hinterfragen
→ klinische Symptome und Beobachtungen des Besitzers einbeziehen.
Plötzlich bekommen scheinbar voneinander unabhängige Beobachtungen möglicherweise einen Zusammenhang.
Nicht jedes Symptom gehört zwangsläufig zur selben Ursache
Das ist dabei besonders wichtig.
Unser Gehirn liebt Geschichten. Sobald wir eine plausible Erklärung gefunden haben, möchten wir gerne alle Symptome darunter einordnen.
Aber genau das kann ebenfalls in die falsche Richtung führen.
Ein Pferd kann gleichzeitig einen Parasitenbefall, einen Fütterungsfehler und ein orthopädisches Problem haben.
Deshalb bedeutet ganzheitliche Diagnostik nicht:
„Ich habe die eine Ursache gefunden.“
Sondern:
„Ich überprüfe, welche Zusammenhänge tatsächlich plausibel und nachweisbar sind.“
Das ist ein großer Unterschied.
Beobachtung ist eines unserer wichtigsten diagnostischen Werkzeuge
Gerade Pferde zeigen Veränderungen häufig lange bevor eine Situation offensichtlich dramatisch wird.
Ein bisschen weniger Muskulatur.
Ein verändertes Fell.
Eine geringere Belastbarkeit.
Eine ungewöhnliche Müdigkeit.
Eine Veränderung des Kotwassers oder der Kotkonsistenz.
Eine andere Körperhaltung.
Ein Pferd, das plötzlich schlechter aufbaut, obwohl die Fütterung eigentlich stimmen müsste.
Oder eben ein paar kleine gelbe Eier an den Beinen.
Keines dieser Zeichen beweist allein eine bestimmte Erkrankung.
Aber jedes davon ist eine Information.
Und gute Diagnostik beginnt damit, Informationen nicht vorschnell wegzuwerfen.
Bei Dasselfliegeneiern frühzeitig handeln
Wer die typischen Eier im Fell entdeckt, sollte sie möglichst entfernen und das weitere Vorgehen mit Tierarzt beziehungsweise entsprechend fachkundiger Betreuung besprechen.
Dabei sollte die Parasitenkontrolle nicht ausschließlich aus routinemäßigen Wurmkuren bestehen. Ein modernes Parasitenmanagement berücksichtigt unter anderem Haltung, Weidemanagement, individuelle Risikofaktoren, Kotuntersuchungen und – je nach Parasit – dessen speziellen Lebenszyklus.
Gerade bei Dasselfliegen ist dieser Lebenszyklus entscheidend, denn nicht jedes Entwicklungsstadium befindet sich dort, wo wir es von klassischen Darmparasiten erwarten würden.
Nahrungsergänzung ersetzt keine Ursachenforschung
Das gilt genauso für Vitamin- und Mineralstoffmängel.
Wird ein Mangel diagnostiziert, kann eine gezielte Supplementierung sinnvoll oder notwendig sein.
Aber dauerhaft einfach immer mehr zu supplementieren, ohne die Ursache zu suchen, ist keine gute Strategie.
Denn möglicherweise versucht man damit lediglich, ein Loch immer wieder aufzufüllen, während an anderer Stelle weiterhin etwas verloren geht oder nicht richtig aufgenommen beziehungsweise verwertet werden kann.
Deshalb sollte die Reihenfolge möglichst lauten:
Mangel erkennen – angemessen versorgen – Ursache suchen – Verlauf kontrollieren.
Das Pferd ist kein Laborwert
Blutwerte, Kotuntersuchungen und andere diagnostische Verfahren sind unglaublich wertvoll.
Aber sie zeigen immer nur einen Ausschnitt.
Vor uns steht kein Laborbogen.
Vor uns steht ein Lebewesen.
Und dieses Lebewesen liefert uns jeden Tag Informationen – durch sein Verhalten, seine Bewegung, seine Muskulatur, sein Fell, seine Verdauung, seinen Appetit und viele kleine körperliche Veränderungen.
Deshalb lohnt es sich, genau hinzusehen.
Nicht panisch.
Nicht bei jedem gelben Punkt mit einer Katastrophe rechnen.
Sondern aufmerksam.
Denn manchmal ist das kleinste sichtbare Zeichen genau das Puzzleteil, das gefehlt hat.
Mein Fazit
Für mich liegt die wichtigste Botschaft dieses Themas deshalb gar nicht allein bei der Dasselfliege.
Sie liegt im Denken in Zusammenhängen.
Wenn wir einen Vitaminmangel feststellen, fragen wir nach dem Warum.
Wenn ein Pferd Muskulatur verliert, fragen wir nach dem Warum.
Wenn sich Verhalten oder Leistungsfähigkeit verändern, fragen wir nach dem Warum.
Und wenn wir plötzlich etwas entdecken, das scheinbar überhaupt nichts mit den bisherigen Symptomen zu tun hat, werfen wir diese Information nicht einfach weg.
Wir legen sie zu den anderen Puzzleteilen.
Manchmal passen sie nicht zusammen.
Und manchmal entsteht plötzlich ein Bild.
Genau hinschauen. Zusammenhänge erkennen. Und immer wieder rückwärts fragen: Warum?
Denn gute ganzheitliche Tiermedizin beginnt häufig nicht mit der Antwort.
Sondern mit der richtigen Frage.

Arthrose beim Tier – wirklich unheilbar?Was moderne Tiermedizin, regenerative Verfahren und ganzheitliche Therapie heute...
11/08/2026

Arthrose beim Tier – wirklich unheilbar?

Was moderne Tiermedizin, regenerative Verfahren und ganzheitliche Therapie heute möglich machen
Wichtiger Hinweis vorweg:
Dieser Beitrag stellt ausdrücklich kein Heilversprechen dar. Kein seriöser Therapeut kann vorhersagen, wie ein individueller Organismus auf eine bestimmte Behandlung reagiert. Alter, Ursache und Stadium der Arthrose, Stoffwechsellage, Begleiterkrankungen, Ernährung, Bewegungsmuster und viele weitere Faktoren beeinflussen den Therapieerfolg.
Dennoch lohnt es sich, die häufig wiederholte Aussage „Arthrose ist unheilbar, da kann man nichts machen“ einmal genauer zu betrachten.
Denn ganz so einfach ist die Sache heute nicht mehr.
Was ist Arthrose eigentlich?
Arthrose wird häufig als reine „Abnutzung des Gelenkknorpels“ beschrieben. Diese Vorstellung ist mittlerweile zu kurz gegriffen.
Das Gelenk ist ein komplexes biologisches System aus Gelenkknorpel, subchondralem Knochen, Gelenkkapsel, Synovialmembran und Synovialflüssigkeit, Bändern, Sehnen, Muskulatur und dem umgebenden Bindegewebe.
Bei einer Arthrose verändert sich dieses gesamte System.
Es kann zu Knorpeldegeneration, Veränderungen des darunterliegenden Knochens, Entzündungsprozessen der Synovialmembran, Veränderungen der Gelenkflüssigkeit, Kapselverdickungen, eingeschränkter Beweglichkeit und schließlich zu kompensatorischen Veränderungen der Muskulatur und des gesamten Bewegungsapparates kommen.
Und genau deshalb reicht es in meinen Augen nicht aus, bei Arthrose ausschließlich auf das Röntgenbild zu schauen.
Wir müssen das ganze Tier und seine Bewegung betrachten.
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Ist Arthrose nun heilbar oder nicht?
Hier beginnt die eigentliche Diskussion.
Bei einer fortgeschrittenen Arthrose mit massiven strukturellen Veränderungen lässt sich ein Gelenk nicht einfach in seinen ursprünglichen Zustand „zurückzaubern“.
Aber daraus den Schluss zu ziehen, dass grundsätzlich keine Regeneration möglich sei, ist ebenfalls zu pauschal.
Die Forschung beschäftigt sich mittlerweile intensiv mit Chondrozyten, Stammzellen, Wachstumsfaktoren, PRP, biologischen Signalwegen und der Frage, unter welchen Bedingungen Knorpelgewebe regenerative Prozesse entwickeln kann.
Entscheidend ist deshalb die Frage:
Was verstehen wir unter Heilung?
Wenn damit gemeint ist, dass ein hochgradig zerstörtes Gelenk wieder exakt so aussieht wie im jungen, gesunden Zustand, ist das derzeit in der Regel nicht realistisch.
Wenn wir aber darunter verstehen, dass Schmerzen deutlich zurückgehen, Entzündungsprozesse reduziert werden, Beweglichkeit und Belastbarkeit zurückkehren, Muskulatur aufgebaut wird und möglicherweise sogar regenerative Prozesse im Gelenk unterstützt werden können, sieht die Situation wesentlich interessanter aus.
Das Ziel moderner Arthrosetherapie sollte deshalb nicht lauten:
„Der Knorpel ist kaputt – damit müssen wir leben.“
Sondern:
Welche Voraussetzungen braucht dieses Gelenk, damit es möglichst gut funktionieren und sein vorhandenes Regenerationspotenzial nutzen kann?
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Bewegung ist Therapie
Einer der größten Fehler bei Arthrose ist häufig eine übermäßige Schonung.
Knorpel besitzt keine eigene Blutversorgung wie beispielsweise ein Muskel. Seine Versorgung ist unter anderem auf den Wechsel von Belastung und Entlastung angewiesen.
Bewegung unterstützt außerdem die Muskulatur, Gelenkstabilität, Koordination und Propriozeption.
Internationale Empfehlungen zur Arthrosebehandlung beim Hund betrachten deshalb angepasste Bewegung und Rehabilitation/Physiotherapie als wesentliche Bestandteile eines multimodalen Arthrosemanagements.
Dabei bedeutet Bewegung nicht:
„Der Hund muss jetzt möglichst viele Kilometer laufen.“
Oder:
„Das Pferd muss einfach mehr bewegt werden.“
Entscheidend ist die richtige Belastung zum richtigen Zeitpunkt.
Geeignet sein können beispielsweise kontrolliertes Gehtraining, gezielter Muskelaufbau, Gleichgewichts- und Koordinationsübungen, Cavalettiarbeit, kontrolliertes Bergaufgehen, Übungen auf unterschiedlichen Untergründen und – abhängig vom Tier – Training im Wasser oder Unterwasserlaufband.
Zu wenig Belastung führt zum Muskelabbau.
Zu viel oder falsch dosierte Belastung kann das Gelenk zusätzlich reizen.
Die Kunst liegt dazwischen.
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Physiotherapie – weit mehr als Massage
Eine gute physiotherapeutische Behandlung betrachtet nicht nur das arthrotische Gelenk.
Denn Tiere kompensieren.
Ein Hund mit Arthrose im rechten Hüftgelenk verändert möglicherweise seine Beckenbewegung, belastet die gegenüberliegende Hintergliedmaße stärker, verändert seine Wirbelsäulenbeweglichkeit und verlagert Gewicht auf die Vorderhand.
Das ursprüngliche Gelenkproblem kann dadurch irgendwann ein Ganzkörperproblem werden.
Physiotherapie kann deshalb unter anderem eingesetzt werden, um Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern, Muskulatur gezielt aufzubauen, Schonhaltungen zu reduzieren, Koordination zu verbessern und physiologischere Bewegungsabläufe wieder anzubahnen.
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Osteopathie
Gerade bei chronischen Gelenkerkrankungen lohnt sich der Blick über das betroffene Gelenk hinaus.
Ein arthrotisches Hüftgelenk kann beispielsweise Auswirkungen auf Becken, Iliosakralgelenk, Lendenwirbelsäule, Faszienzüge und die Belastung der übrigen Gliedmaßen haben.
Osteopathische Behandlung kann funktionelle Bewegungseinschränkungen im gesamten Körper berücksichtigen.
Sie „heilt“ dabei nicht einfach den zerstörten Gelenkknorpel.
Aber sie kann dazu beitragen, dass der Organismus mit dem vorhandenen Gelenk wieder ökonomischer arbeitet.
Und das kann einen enormen Unterschied machen.
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Chiropraktik und manuelle Gelenktherapie
Auch chiropraktische und andere manuelle Techniken können Teil eines multimodalen Konzeptes sein.
Dabei sollte selbstverständlich niemals aggressiv in ein akut entzündetes oder hochgradig verändertes Gelenk gearbeitet werden.
Das Ziel liegt vielmehr darin, funktionelle Bewegungseinschränkungen benachbarter Bereiche zu erkennen und die Gesamtmechanik zu verbessern.
Denn ein Gelenk arbeitet niemals alleine.
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Gewicht – ein häufig unterschätzter Faktor
Besonders bei Hund und Katze spielt das Körpergewicht eine enorme Rolle.
Jedes überflüssige Kilogramm erhöht die mechanische Belastung der Gelenke. Gleichzeitig ist Fettgewebe metabolisch aktiv und kann über verschiedene Botenstoffe entzündliche Prozesse beeinflussen.
Bei übergewichtigen Tieren gehört deshalb eine vorsichtige Gewichtsnormalisierung zu den wichtigsten Maßnahmen des Arthrosemanagements.
Das klingt unspektakulär.
Therapeutisch kann es jedoch enorm wirksam sein.
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Ernährung und Orthomolekularmedizin
Auch die Ernährung verdient einen festen Platz im Arthrosekonzept.
Besonders gut untersucht sind beim Hund die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Internationale Arthroseempfehlungen priorisieren Omega-3-Fettsäuren sogar gegenüber vielen anderen Nutraceuticals.
Daneben werden in der Praxis unter anderem eingesetzt:
• Glucosamin
• Chondroitinsulfat
• Grünlippmuschel
• Kollagenhydrolysat
• undenaturiertes Kollagen Typ II (UC-II)
• MSM
• Hyaluronsäure
• Omega-3-Fettsäuren
• Antioxidantien
Allerdings sollte man auch hier nicht nach dem Motto handeln:
„Viel hilft viel.“
Nahrungsergänzung sollte individuell ausgewählt und an Tierart, Gewicht, Ernährung, Erkrankungen und eventuell vorhandene Medikamente angepasst werden.
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Pflanzenheilkunde
Auch die Phytotherapie bietet interessante Möglichkeiten zur Begleitung arthrotischer Tiere.
Traditionell eingesetzt werden beispielsweise:
Teufelskralle
Sie wird insbesondere bei chronischen Beschwerden des Bewegungsapparates eingesetzt.
Weihrauch (Boswellia)
Boswelliasäuren werden wegen ihrer entzündungsmodulierenden Eigenschaften untersucht und eingesetzt.
Kurkuma/Curcumin
Curcumin besitzt interessante entzündungsmodulierende Eigenschaften, wobei Bioverfügbarkeit und geeignete Zubereitung eine wesentliche Rolle spielen.
Hagebutte
Auch Hagebuttenpräparate werden unterstützend bei Gelenkbeschwerden verwendet.
Brennnessel
Sie besitzt eine lange Tradition in der Pflanzenheilkunde bei Beschwerden des Bewegungsapparates.
Aber auch pflanzlich bedeutet nicht automatisch harmlos.
Tierart, Dosierung, Begleiterkrankungen und mögliche Wechselwirkungen müssen berücksichtigt werden. Besonders bei Katzen dürfen Präparate nicht einfach vom Hund übernommen werden.
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Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin
In der TCM wird Arthrose nicht ausschließlich als lokaler Gelenkverschleiß betrachtet.
Je nach Tier können unterschiedliche Muster im Vordergrund stehen – beispielsweise Bi-Syndrome, Kälte, Feuchtigkeit, Stagnation von Qi und Blut oder zugrunde liegende energetische Schwächezustände.
Die Auswahl der Akupunkturpunkte richtet sich deshalb idealerweise nicht nur nach dem betroffenen Gelenk, sondern nach dem gesamten Befund des Tieres.
Akupunktur kann besonders im multimodalen Konzept zur Schmerzmodulation, Regulation von Muskelspannung und Unterstützung der Beweglichkeit eingesetzt werden.
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Lasertherapie und Photobiomodulation
Low-Level-Laser beziehungsweise Photobiomodulation werden mittlerweile auch in der Tierrehabilitation eingesetzt.
Licht bestimmter Wellenlängen beeinflusst biologische Prozesse im Gewebe. Untersucht werden unter anderem Effekte auf Entzündungsmediatoren, Zellstoffwechsel, Mikrozirkulation und Schmerzverarbeitung.
Auch hier gilt:
Der Laser ist kein Zauberstab.
Aber er kann ein sinnvoller Baustein eines umfassenden Behandlungskonzeptes sein.
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Regenerative Medizin: PRP
Besonders spannend wird die aktuelle Entwicklung bei den sogenannten Orthobiologika.
Bei PRP – Platelet Rich Plasma – wird körpereigenes Blut aufbereitet, sodass ein Plasma mit erhöhter Konzentration an Thrombozyten gewonnen wird.
Diese Thrombozyten enthalten zahlreiche Wachstumsfaktoren und biologisch aktive Substanzen.
PRP wird inzwischen auch in der Veterinärmedizin bei Arthrose und verschiedenen orthopädischen Erkrankungen untersucht und eingesetzt.
Die wissenschaftliche Literatur zeigt interessante Ergebnisse, allerdings unterscheiden sich Aufbereitungsmethoden und Studien teilweise erheblich.
Deshalb gilt auch hier:
Vielversprechend – ja. Universelle Heilung – nein.
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Stammzelltherapie
Noch einen Schritt weiter geht die regenerative Medizin mit Stamm- beziehungsweise mesenchymalen Stromazellen.
Das Ziel besteht nicht einfach darin, „neuen Knorpel hineinzuspritzen“.
Vielmehr können diese Zellen über verschiedene Signalstoffe das lokale Milieu beeinflussen und entzündungsmodulierende sowie regenerative Prozesse unterstützen.
Gerade dieser Bereich wird intensiv erforscht.
Für die Tiermedizin eröffnet sich hier ein ausgesprochen interessantes Feld, gleichzeitig benötigen wir weiterhin hochwertige Langzeitstudien.
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Hyaluronsäure und intraartikuläre Therapien
Hyaluronsäure ist natürlicherweise Bestandteil der Synovialflüssigkeit und trägt wesentlich zu deren viskoelastischen Eigenschaften bei.
Intraartikuläre Hyaluronsäurepräparate werden insbesondere beim Pferd seit Langem eingesetzt und kommen auch in anderen Bereichen der Veterinärorthopädie zum Einsatz.
Je nach Befund können weitere intraartikuläre beziehungsweise regenerative Verfahren erwogen werden.
Solche Behandlungen gehören selbstverständlich in tierärztliche Hände.
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Schmerztherapie gehört ebenfalls dazu
Ganzheitliche Medizin bedeutet nicht, konventionelle Schmerztherapie grundsätzlich abzulehnen.
Ein Tier mit starken Schmerzen bewegt sich weniger.
Weniger Bewegung führt zu Muskelabbau.
Muskelabbau reduziert die Gelenkstabilität.
Dadurch kann Bewegung noch unangenehmer werden.
Es entsteht ein Kreislauf aus:
Schmerz → Schonung → Muskelabbau → Instabilität → Fehlbelastung → noch mehr Schmerz.
Eine angemessene tierärztliche Schmerztherapie kann deshalb manchmal überhaupt erst die Voraussetzung dafür schaffen, dass Physiotherapie und Bewegungstraining möglich werden.
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Das Entscheidende: Arthrose braucht ein Konzept
Vielleicht liegt genau hier das größte Problem vieler Diskussionen.
Es wird nach dem einen Mittel gegen Arthrose gesucht.
Nach der einen Tablette.
Dem einen Supplement.
Der einen Spritze.
Der einen Therapie.
Doch Arthrose ist eine Erkrankung des gesamten Gelenks und beeinflusst langfristig häufig den gesamten Bewegungsapparat.
Deshalb erscheint ein multimodaler Ansatz am sinnvollsten.
Ein individuelles Konzept kann beispielsweise bestehen aus:
Diagnostik + Schmerzmanagement + Gewichtsoptimierung + angepasster Ernährung + gezieltem Bewegungstraining + Physiotherapie + manueller Therapie/Osteopathie + ausgewählten Nahrungsergänzungen + gegebenenfalls Phytotherapie/Akupunktur/Laser + bei geeigneter Indikation regenerativen Verfahren.
Nicht jedes Tier braucht alles.
Und genau darin liegt die Kunst.
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Früh beginnen statt warten
Einer der wichtigsten Punkte wird häufig vergessen:
Man sollte nicht erst dann handeln, wenn ein Tier kaum noch aufstehen kann.
Je früher Fehlbelastungen, Muskelabbau und Bewegungseinschränkungen erkannt werden, desto mehr therapeutische Möglichkeiten stehen zur Verfügung.
Das gilt besonders für Tiere mit bekannten Risikofaktoren wie Hüft- oder Ellbogendysplasie, Gelenkverletzungen, Fehlstellungen, Kreuzbandproblemen, Übergewicht oder hoher sportlicher Belastung.
Arthrosemanagement beginnt deshalb idealerweise lange bevor das Gelenk hochgradig verändert ist.
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Fazit: Ist Arthrose heilbar?
Vielleicht sollten wir diese Frage anders stellen.
Nicht:
„Ist Arthrose heilbar – ja oder nein?“
Sondern:
„Wie viel Regeneration, Funktionsverbesserung und Lebensqualität können wir bei diesem individuellen Tier erreichen?“
Die moderne Forschung zeigt zunehmend, dass Knorpel und Gelenkbiologie wesentlich dynamischer sind, als früher angenommen wurde. Regenerative Medizin beschäftigt sich inzwischen gezielt mit biologischen Mechanismen, die Entzündungsprozesse reduzieren und Regeneration fördern könnten.
Gleichzeitig wäre es unseriös, daraus ein allgemeines Heilversprechen abzuleiten.
Zwischen den Aussagen
„Arthrose ist unheilbar, da kann man nichts machen“
und
„Arthrose können wir heilen“
liegt ein riesiges therapeutisches Feld.
Und genau dort sollten wir arbeiten.
Mit Bewegung.
Mit Muskulatur.
Mit Ernährung.
Mit Physiotherapie.
Mit manuellen und komplementären Verfahren.
Mit moderner Schmerzmedizin.
Und – wo sinnvoll – mit regenerativer Medizin.
Denn am Ende behandeln wir kein Röntgenbild.
Wir behandeln ein Tier.
Und manchmal kann dieses Tier mit einem arthrotisch veränderten Gelenk wieder erstaunlich viel Lebensfreude, Beweglichkeit und Lebensqualität zurückgewinnen.

Adresse

Spornhüttlingerstrasse 4
Mitterfels
94360

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Dienstag 09:00 - 17:00
Mittwoch 09:00 - 17:00
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