01/03/2026
Meschede. Vertreibung, Neubeginn und die Sehnsucht nach Heimat.
Das Mescheder Bündnis für Demokratie und Solidarität e.V. hatte zu Vorträgen eingeladen.
Silvio Uhlfelder war aus Frankfurt angereist, um die bewegende Fluchtgeschichte der Familien Uhlfelder und Grünewald aus N**ideutschland anschaulich und mit bewegenden Worten vorzutragen. Herr Uhlfelder ist ein Zweitzeuge, der von den Gräueln des Holocaust authentisch berichten konnte, indem er auf die Tagebücher seiner Mutter und seines Großvaters väterlicherseits zurückgreifen konnte, die den Holocaust durch Flucht nach Argentinien überleben konnten.
"Was mit Juden beginnt, endet nicht mit Juden", so seine Kernaussage.
Ruth Uhlfelder, geb Grünewald, war seine Mutter. Ihr Vater betrieb einen Gemischtwarenhandel und war als Soldat im 1. Weltkrieg in Beverungen voll integriert. Dennoch gab es Ausgrenzungen. So musste Uhlfelders Mutter die Schule verlassen wegen eines Lehrers, der in der Hitlerjugend war. Dieser lief vor den Häusern der Juden und sang immer wieder "Und wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht es nochmal so gut. Ritsch Ratsch, Ritsch Ratsch, Ritsch Ratsch.“
Vor dem Haus befand sich ein Glaskasten mit dem „Stürmer", eine Zeitung mit bösartigen Karikaturen von Juden und schlimmen Hetzereien.
Ihre Mutter unterrichtete Klavier für fünfzehn Kinder. Später wurde ihr die Unterrichtserlaubnis durch die N***s entzogen und konnte sie nur noch "Nichtarier" unterrichten. Die Zahl der Schüler sank auf vier.
Während der Emigration mit einem Schiff stürzte sie und brach sich den Oberschenkel. Der Bordarzt war ein N**i und behandelte sie nicht. Das Bein verkürzte sich erheblich und so musste sie ein Leben lang orthopädische Schuhe tragen und Rückenschmerzen erleiden.
Nach der Ankunft in Argentinien musste man sofort arbeiten gehen und konnte keinen Beruf erlernen. So fühlte man sich in dem neuen Land fremd und war doch froh, sein Leben gerettet zu haben
Silvio Uhlfelders Vater Gerd konnte über die Vergangenheit nie sprechen, weil die Nationalsozialisten vierzig seiner Familienangehörigen umgebracht hatten. Aber sein Vater Benno Uhlfelder hat die erlittene Ausgrenzung und Emigration zu Papier gebracht.
Schon weit vor der N**izeit erlebte er Diskriminierung als Jude sowohl in Deutschland als auch in den USA. Er war Musikkomponist, hat Theaterstücke und Operetten geschrieben. Für eines seiner Werke, gewidmet dem spanischen König Alfonso XIII, wurde er mit dem "Orden Isabel La Catolica" geehrt. Er war auch Honorarkonsul von Guatemala in Berlin. Dennoch hätte selbst dieser Status ihn nicht vor den N***s geschützt. 1933 emigrierte er nach Brüssel und später 1938 nach Argentinien. Dort waren es sehr schwierige Anfänge, er war als Jude und als Deutscher nicht zugehörig und ausgestoßen.
Der Vater Gerd Uhlfelder konnte keine Berufsausbildung mehr machen, wurde aber mit der von ihm gegründeten Konzertagentur sehr erfolgreich. Unter seinen vertraglich engagierten Musikern waren renommierte Namen wie Paul Hindemith, Karl Böhm, Arthur Fiedler u.a. Auch wurde er Vertreter für die Musikverlage Breitkopf & Härtel, Schott sowie des Klavierbauers Steinway.
In der Alten Synagoge in Meschede konnte das Publikum der Musikkomposition "Sangre Torera" des Großvaters mit Ergriffenheit zuhören.
Erstaunlich und erschreckend war abschließend Uhlfelders Information, dass über die „Rattenlinie“ (Italien/ Vatikan, Spanien ) so viele und prominente N**igrößen nach 1945 in Richtung Südamerika fliehen und sich so dem Zugriff der Justiz entziehen konnten.
Insgesamt waren sich alle Beteiligten einig, dass sich die Geschehnisse nie wieder ereignen dürfen und gerade jetzt Engagement und Eintreten für demokratische Werte umso wichtiger für alle sind.