06/10/2022
Übernommen von Haznain Kazim.
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hasnain.kazim
Kann ich voll unterschreiben !
Außenministerin Annalena Baerbock sagte vor ein paar Tagen mit Blick auf Iran: "Bei allem Respekt vor kulturellen und religiösen Unterschieden: Wenn die Polizei, wie es scheint, eine Frau zu Tode prügelt, weil sie aus Sicht der Sittenwärter ihr Kopftuch nicht richtig trägt, dann hat das nichts, aber auch gar nichts mit Religion oder Kultur zu tun. Dann ist das schlicht ein entsetzliches Verbrechen."
Ich habe lange darüber nachgedacht und möchte sagen: Ich halte diese Aussage für grundfalsch. Natürlich ist es nicht "der Islam" oder "die iranische Kultur", die ursächlich sind für die Ermordung einer Frau, die nach Ansicht der "Religionspolizei" ihr Kopftuch nicht korrekt trug. Aber selbstverständlich berufen die sich auf ihr Verständnis von Religion, auf ihre Kultur, auf ihre Sitten, auf ihre Moral, auf ihre Traditionen, um ihr Handeln zu begründen und zu rechtfertigen.
Dasselbe gilt natürlich auch für die Taliban, den "Islamischen Staat", al-Qaida et cetera. Sie repräsentieren zwar nicht "den Islam", aber sie sind ein Bestandteil davon, nicht die Mehrheit, aber ein sehr wirkungsvoller, starker, prägender Teil.
Zu sagen: "Das hat mit Islam nichts zu tun" ist ein sehr häufiger Reflex in islamischen Gesellschaften, um sich nicht mit Terror und Extremismus befassen zu müssen. Wie oft habe ich nach einem Selbstmordanschlag gehört: "Das hat mit Islam nichts zu tun!" Oder: "Die Terroristen sind keine Muslime!" Zack, Thema erledigt, hat nix mit uns zu tun, wir müssen uns weder mit diesen Verbrechern noch mit den Ursachen beschäftigen.
Doch! Das hat mit Islam zu tun! Das Mullah-Regime in Iran bezieht seine Macht aus seiner Referenz zum Islam. So wie die Taliban sich, einerseits, auf Religion berufen und zum anderen auch auf primitive paschtunische Gesetze (wie das Recht auf Blutrache). Zu sagen, das habe mit Islam oder der jeweiligen Kultur vor Ort nichts zu tun, schadet den vielen Menschen, die unter menschenverachtender Auslegung von Religion und Kultur leiden. Und ich finde, man muss dann auch das Rückgrat haben zu sagen: Diese Auslegung von Religion, diese Interpretation von Kultur sind inakzeptabel und mit humanitären Werten nicht vereinbar.