18/05/2026
Ich habe gerade mal mit ChatGPT experimentiert und der KI einen Text, der heute zufällig in meiner Timeline war, zur Analyse gegeben. Auftrag war, herauszufinden , welche motivatorische Absicht der Verfasser bei der Formulierung gehabt haben könnte. Ausser nur zu informieren. Interessant, was eine neutrale KI so herausfindet ohne eine Person zu kennen. Also gerne aufmerksam sein, wenn ein Text besonders toll klingt. Hier der Text:
"Ich bin nun für 5 Jahre die stellvertretende Bürgermeisterin, die nach Paragraph 47 der Hessischen Gemeindeordnung die allgemeine Vertretung des Bürgermeisters übernimmt.
Dafür habe ich mich vollumfänglich bei meinem Arbeitgeber freistellen lassen und arbeite seit dem 28.4. täglich im Rathaus, übergebe Ehrenurkunden bei Vereinen und Bürgern, bin schon bei jeglichen Liegenschaften der Gemeinde gewesen und habe mir alles angeschaut, empfange wöchentlich schon Bürger und besuche Seminare und Bürgermeisterdienstversammlungen, führe die Abteilungsleitertreffen, bin bei Bewerbungen dabei, spreche regelmäßig mit Mitarbeitern und auch bei der Feuerwehr, Kläranlage und Kindergärten habe ich mich als Dienstherrin vorgestellt. Ich bin sowohl für Bürger als auch Mitarbeiter vollumfänglich für jegliche Probleme jederzeit da."
Und hier die Analyse von ChatGPT (insbesondere Punkt 5 und Punkt 8 sind bemerkenswert)
Der Text weist mehrere sprachliche und psychologische Muster auf, die stark auf Selbstinszenierung, Bedürfnis nach Anerkennung und Legitimation hindeuten – deutlich stärker als auf nüchterne Information oder authentische Bürgerorientierung. Wichtig ist dabei: Man kann aus einem einzelnen Text keine klinische Diagnose ableiten. Aber man kann kommunikative Motive und unbewusste Dynamiken analysieren.
Auffällig sind insbesondere folgende Ebenen:
Selbstdarstellerische Signale
Auffällig ist aber die sprachliche Häufung von Ich-Bezügen und Totalitätsformeln:
„ich“, „mich“, „mir“, „bin“, „habe“, „führe“, „spreche“, „habe ich mich vorgestellt“
Der Text ist fast vollständig um die Person der Verfasserin organisiert. Die Gemeinde, die Bürger oder konkrete Sachfragen treten eher als Bühne ihrer Aktivität auf.
Besonders markant sind Formulierungen wie:
„vollumfänglich“
„täglich im Rathaus“
„schon bei jeglichen Liegenschaften“
„alles angeschaut“
„wöchentlich schon Bürger“
„vollumfänglich für jegliche Probleme jederzeit da“
Diese Worte erzeugen ein Bild von Allzuständigkeit, Präsenz, Einsatzbereitschaft und Kontrolle. Sachlich wären präzisere, begrenztere Angaben erwartbar. Die Häufung von „jeglich“, „alles“, „jederzeit“, „vollumfänglich“ wirkt eher wie ein Versuch, Kompetenz und Bedeutung maximal zu unterstreichen.
1. Extreme Aufzählungsdichte als Selbstbeweis
Der zentrale Charakter des Beitrags ist nicht Inhalt, sondern Leistungsakkumulation.
Die Verfasserin listet nahezu atemlos auf:
täglich im Rathaus
Ehrenurkunden
alle Liegenschaften besucht
Bürgerempfang
Seminare
Bürgermeisterdienstversammlungen
Abteilungsleitertreffen
Bewerbungen
Gespräche mit Mitarbeitern
Feuerwehr
Kläranlage
Kindergärten
„Dienstherrin vorgestellt“
„jederzeit da“
Das wirkt weniger wie sachliche Information als wie eine Art Rechtfertigungsprotokoll.
Tiefenpsychologisch spricht das häufig für:
ein starkes Bedürfnis nach äußerer Bestätigung,
Angst, nicht ausreichend anerkannt zu werden,
den Versuch, Bedeutung durch Aktivität zu erzeugen.
Menschen mit innerer Sicherheit formulieren meist selektiver. Wer sich sicher fühlt, muss seine Legitimität nicht durch eine Totalaufzählung beweisen.
2. Der Text enthält kaum Inhalte – nur Rollenmarker
Auffällig ist:
Es wird fast nichts Konkretes gesagt.
Keine:
Vision,
politischen Ziele,
Ergebnisse,
Problemlösungen,
Entscheidungen,
Inhalte,
Verbesserungen.
Stattdessen fast ausschließlich:
„Ich bin…“
„Ich habe…“
„Ich arbeite…“
„Ich führe…“
„Ich spreche…“
Der Fokus liegt vollständig auf der eigenen Person als handelndem Zentrum.
Das ist ein klassisches Merkmal egozentrierter Selbstdarstellung:
Die Tätigkeit selbst wird wichtiger als ihr Nutzen.
3. Überbetonung von Opfer- und Pflichtnarrativ
„vollumfänglich bei meinem Arbeitgeber freistellen lassen“
„täglich im Rathaus“
„jederzeit da“
Diese Formulierungen erzeugen ein implizites moralisches Konto:
„Seht, was ich alles opfere.“
Psychologisch dient das oft der Herstellung moralischer Überlegenheit:
Ich arbeite mehr.
Ich bin engagierter.
Ich bin immer verfügbar.
Also verdiene ich Anerkennung oder Macht.
Das kann unbewusst kompensatorisch wirken:
Wer innerlich Anerkennungszweifel hat, versucht seinen Wert über Opferbereitschaft zu legitimieren.
4. Die permanente Totalisierung („alles“, „jegliche“, „vollumfänglich“)
Der Text benutzt auffällig absolute Begriffe:
„vollumfänglich“
„jegliche“
„alles angeschaut“
„jederzeit da“
Das ist psychologisch interessant, weil authentische Kommunikation meist differenzierter ist.
Absolutheitsbegriffe wirken oft wie:
Überkompensation,
rhetorische Aufblähung,
Versuch maximaler Eindruckserzeugung.
Menschen, die wirklich souverän handeln, formulieren oft präziser und weniger total.
5. Fehlende Beziehungsebene – nur Status und Funktion
Es fehlt nahezu vollständig:
Empathie,
Reflexion,
Dankbarkeit,
Teamorientierung,
Demut.
Es gibt keine Aussagen wie:
„Ich habe viel gelernt.“
„Die Mitarbeitenden leisten Großartiges.“
„Mir war wichtig zuzuhören.“
„Gemeinsam mit…“
Stattdessen steht permanent die eigene Rolle im Mittelpunkt:
„Ich bin die stellvertretende Bürgermeisterin …“
„Ich führe …“
„Ich habe mich vorgestellt …“
Dadurch entsteht der Eindruck:
Nicht die Gemeinde steht im Zentrum – sondern die Selbstpositionierung innerhalb der Gemeinde.
6. Statussymbolik durch Nähe zu Institutionen
Die Nennung von:
Feuerwehr,
Kläranlage,
Kindergärten,
Abteilungsleitertreffen,
Bewerbungen,
Dienstversammlungen
hat symbolischen Charakter.
Die Botschaft lautet unterschwellig:
„Ich bin bereits Teil der Macht- und Verwaltungsstruktur.“
Das ist weniger Bürgerkommunikation als Inszenierung institutioneller Zugehörigkeit.
7. Der Text wirkt wie ein Bewerbungsschreiben an die Öffentlichkeit
Die Struktur ähnelt psychologisch stark:
einem Lebenslauf,
einer Leistungsmappe,
einer Rechtfertigungsrede.
Nicht:
„Was brauchen die Bürger?“
sondern:
„Warum ich wichtig bin.“
Das deutet auf ein stark imageorientiertes Kommunikationsmotiv hin.
8. Der auffällige Mangel an natürlicher Sprache
Der Beitrag wirkt emotional merkwürdig steril und gleichzeitig überladen.
Authentische Menschen schreiben oft:
konkreter,
persönlicher,
situativer,
auch mit Unsicherheiten oder echten Begegnungen.
Hier dagegen:
reine Funktionssprache,
hohe Dichte an Amtsbegriffen,
permanente Selbstreferenz.
Das erzeugt den Eindruck eines kontrollierten Selbstbildmanagements.
Gesamtdeutung
Tiefenpsychologisch deutet der Text auf mehrere mögliche innere Motive hin:
Wahrscheinlich:
starkes Bedürfnis nach Anerkennung,
Wunsch nach Legitimation,
Bedürfnis, Kompetenz demonstrativ sichtbar zu machen,
Angst, nicht ernst genommen zu werden,
Versuch, Autorität rhetorisch zu stabilisieren.
Der Beitrag vermittelt:
„Bitte erkennt an, wie wichtig, fleißig und unverzichtbar ich bin.“
Weniger:
„Ich möchte transparent informieren.“