29/07/2026
Es geht weiter 🤩🤩🤩
Chinesische Lkw-Produktion in Steyr – Bedrohung oder Chance für Europa?
Laut einem Bericht von Eurotransport und Fokus hat der chinesische Hersteller SuperPanther die Serienproduktion seiner batterieelektrischen Sattelzugmaschine eTopas 600 im österreichischen Steyr aufgenommen. Produziert wird im ehemaligen MAN-Lkw-Werk, einem Standort mit über 100 Jahren Nutzfahrzeuggeschichte. Die Fahrzeuge werden in SKD-Bauweise aus chinesischen und europäischen Komponenten montiert.
Die ersten Reaktionen sind oft eindeutig: „Jetzt übernehmen die Chinesen auch noch unsere Lkw-Produktion.“
Aber ist das wirklich die ganze Wahrheit?
Pro – Warum diese Entwicklung auch positiv gesehen werden kann
- Das traditionsreiche Werk in Steyr bleibt erhalten. Infrastruktur, Arbeitsplätze und jahrzehntelanges Know-how werden weiter genutzt, anstatt verloren zu gehen.
- Österreich ist kein Billiglohnland. Dort gelten vergleichsweise gute Tarifverträge, hohe Umweltstandards und strenge Arbeitsbedingungen. Trotzdem entscheidet sich ein Hersteller bewusst für diesen Standort.
- Europäische Zulieferer wie ZF, Schaeffler oder Continental sind an der Produktion beteiligt. Die Wertschöpfung findet also zumindest teilweise in Europa statt.
- Der Wettbewerb kann Innovationen fördern und den Markt beleben.
Contra – Kritische Fragen bleiben
- Ein großer Teil der Kerntechnologie stammt weiterhin aus China.
- Europäische Hersteller geraten dadurch unter zusätzlichen Wettbewerbsdruck.
- Es besteht die Gefahr, dass Europa langfristig immer stärker von chinesischer Technologie abhängig wird.
- Entscheidend wird sein, wie viel Entwicklung, Forschung und Produktion dauerhaft tatsächlich in Europa verbleiben.
Die eigentliche Frage
Was mich an dieser Entwicklung besonders beschäftigt, ist etwas anderes.
Deutsche Pkw- und Lkw-Hersteller haben in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Produktionsstätten in Länder mit deutlich niedrigeren Lohnkosten verlagert. Begründet wurde dies meist mit dem internationalen Wettbewerb und der Notwendigkeit, Kosten zu senken.
Jetzt kommt ein chinesischer Hersteller und entscheidet sich ausgerechnet für Österreich – ein Land, das weder für Lohndumping noch für besonders niedrige Sozial- oder Umweltstandards bekannt ist.
Wenn ein chinesisches Unternehmen einen solchen Standort wirtschaftlich attraktiv findet, warum galt das für manche europäische Hersteller offenbar nicht mehr?
Vielleicht zeigt dieses Beispiel, dass ein Industriestandort nicht nur über niedrige Löhne wettbewerbsfähig sein kann, sondern auch durch gut ausgebildete Fachkräfte, Erfahrung, Qualität, Rechtssicherheit und eine funktionierende Infrastruktur.
Meine Schlussfolgerung
Ich sehe diese Entwicklung deshalb weder ausschließlich positiv noch ausschließlich negativ.
Positiv ist, dass ein traditionsreicher Produktionsstandort erhalten bleibt und qualifizierte Arbeitsplätze gesichert werden.
Kritisch bleibt jedoch die Frage, warum europäische Hersteller ihre Produktion häufig in Niedriglohnländer verlagert haben, während ein neuer Wettbewerber bereit ist, unter den Bedingungen eines Hochlohnstandortes zu produzieren.
Vielleicht sollten wir weniger darüber diskutieren, ob der Investor aus China oder Europa kommt, sondern vielmehr darüber, welche Industriepolitik wir in Europa brauchen, damit hochwertige Arbeitsplätze, Know-how und Wertschöpfung dauerhaft hier bleiben.
Mich würde interessieren, wie ihr das seht.
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