19/09/2017
Koblenz, Montagabend: Ich fahre über eine der Rheinbrücken auf dem Weg nach hause. Ich höre einen lauten Schrei und Glas zerplatzen. Ich blicke nach vorne und entdecke Gestalten, die wohl gerade ein Gerangel austragen.
Ich komme näher, bemerke zwei kaputte Bierflaschen auf dem Boden. Er schreit ihr kraftvolle Beleidungen zu, ist außer sich. Sie steht daneben, fast regungslos.
Ich bin weiterhin auf meiner Fahrt, fahre vorbei, mein Gedankenfilm beginnt. Ignorieren oder etwas tun? Setze ich mich selbst einer Gefahr aus? Was passiert da überhaupt?
Ich bremse, steige vom Fahrrad ab. Während ich den beiden entgegen laufe, hole ich meine Karte als Mediator aus meiner Brieftasche, auch wenn ich noch nicht weiß, was mich erwartet.
Ich erreiche die beiden, er brüllt weiterhin. Sie weint, immernoch wie erstarrt. Der Dunst von Alkohol liegt in der Luft. Dann legt er eine Pause ein und ich trete auf ihn zu, unsicher, was jetzt mit mir passiert.
Er greift nach meiner Hand und nach der Karte, ich sage ihm, dass ich nicht weiß, ob es ihnen hilft, aber dass ich sie vielleicht unterstützen kann in ihrem Konflikt. Er zieht sich zu mir.
Und sagt "Danke, man!". Er selbst weint und fängt an mir seine Geschichte zu erzählen: "Weißt Du, ich liebe sie abgöttisch ..." Mein Herz geht auf. Ich höre ihm zu, versichere ihm, dass er einfach anrufen kann und sie sich erstmal ausruhen sollen.
Am liebsten würde ich gleich bei ihnen bleiben und ihnen die Empathie geben, die beide gerade brauchen, doch ich hatte einen langen Tag. Auf meinem Fahrrad erreiche ich auch sie, wie sie weinend die Straße hinunterläuft, frage wie es ihr geht, sie bleibt stehen und weint bitterlich. Auch ihr kann ich wenige Sekunden geben.
Ich fahre weiter, verabschiede mich von ihr, sie wünscht mir einen schönen Abend.
Egal, ob ihr nun Mediator*innen seid oder nicht: Schaut in Eure Herzen, ob ihr für Menschen da sein könnt, die Konflikte erleben. Auch wenn es nur kurz ist. Zeigt ihnen, dass sie nicht alleine sind. Egal, ob in der Familie, im Freundeskreis, auf der Arbeit, oder auf der Straße. Niemand auf dieser Welt möchte alleine sein, wenn wir verzweifelt sind, am Ende unserer Kräfte. Wir alle können dafür sorgen, dass die Kombination Einsamkeit und Verzweiflung ersetzt wird durch Gemeinschaft und Hoffnung.
Florian
Konfliktlichtung