29/05/2020
Für noch Unentschlossene: Henning, ehemaliger Teilnehmer und Coach des letzten Teams erzählt, warum der Jessup das Gegenteil von Zeitverschwendung ist!
Bewerben kannst du dich noch bis einschließlich Montag - Infos hierzu findest du unter https://www.wsi.uni-kiel.de/de/moot-court
"Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung als Jessup Teilnehmer und Coach weiß ich, dass viele Studierende vor einer Bewerbung für den Jessup zurückschrecken, weil die Teilnahme zeitintensiv ist und wenn der Beginn des Wettbewerbs mit den eigenen Praktikumsplänen kollidiert. Diese Bedenken sind auf den ersten Blick verständlich, aber letztendlich unbegründet: warum sollte man sich über sie hinwegsetzen und beim Jessup teilnehmen?
Fürs Studium und das Berufsleben gilt: „wer das bessere Argument hat, setzt sich damit durch.“ Zumindest fast… Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieser Satz erst mit einem kleinen, aber bedeutsamen Zusatz stimmt: „wer das bessere Argument rhetorisch besser ausführen kann, setzt sich damit durch.“ Der Jessup Moot Court fokussiert sich auf beide Aspekte gleichermaßen – er lehrt euch a) inhaltlich überzeugend zu argumentieren und b) eure Argumente rhetorisch stark aufzuarbeiten.
Drei Beispiele, die mir spontan einfallen, warum die Teilnahme beim Jessup so sinnvoll ist: erstens – wie oft hat man im regulären Studium die Möglichkeit vor (notentechnisch) allentscheidenden Situationen, wie der mündlichen Prüfung im Schwerpunkt oder der in Schleswig, seine Stressresistenz kennenzulernen und zu verbessern? Zweitens – im Vorbereitungsdienst für das zweite Staatsexamen wird euch niemand vermitteln, wie man einen Aktenvortrag rhetorisch überzeugend hält. Drittens – auch die englische Sprache wird zunehmend bedeutender für Studierende und Berufseinsteiger*innen. Hand aufs Herz: wie sehr arbeitet ihr an eurem fachspezifischen Englisch?
Will man diese Fähigkeiten nicht im Studium ausbauen, kommt die Gelegenheit vielleicht nie wieder – die meisten finden weder parallel zum regulären Studium noch nach Berufseinstieg die Zeit dafür. Ein halbes Jahr Jessup wird euch allerding genau das oben genannte Wissen und Können vermitteln. Insofern wäre die Zeit mit dem Jessup goldrichtig investiert.
Was den Einwand „Praktikum“ angeht: die meisten Jessup Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben fantastische Praktikumsplätze erst durch den Jessup Moot Court erhalten (etwa in hochspezialisierten Anwaltskanzleien, bei Ministerien, etc.). Ich habe mein anvisiertes einmonatiges Praktikum abgesagt, nachdem ich die Zusage für den Jessup bekommen habe und ich bereue das nicht im geringsten. Der ausschlaggebende Grund war, dass die Chance eines Praktikums sich wieder bietet; die des Jessups hingegen nicht.
Besonders für die, die sich für eine Karriere mit internationalem Bezug interessieren, ist sicherlich interessant, dass viele Juristinnen und Juristen in dieser Spate (und bei weitem nicht nur dort) während ihres Studiums einen der „langen“ Moot Courts absolviert haben. Folglich wählen sie in Bewerbungsgesprächen häufig Berufseinsteiger*innen aus, die denselben Weg eingeschlagen haben. Und das überrascht auch nicht. Denn wenn ihr aus einer späteren Masse von Bewerberinnen und Bewerbern herausstechen möchtet, dann müsst ihr euch einen Vorteil verschaffen. Der besteht in der Regel nicht darin, dass man sein Studium schnellstmöglich abgeschlossen hat, sondern darin, dass man besondere Fähigkeiten nachweisen kann.
Und genau hier kommt der Jessup ins Spiel: Ihr habt mit dem Jessup eine einmalige Möglichkeit, Fähigkeiten zu verbessern und zu erwerben, die euch der Studienverlaufsplan nicht bietet und auch nicht bieten kann (das gilt erst recht für einmonatige Praktika). Ihr lernt beim Jessup nicht nur, wie man argumentativ starke Schriftsätze verfasst und ein mündlich überzeugendes und schlüssiges Plädoyer vorbereitet sowie vorträgt. Darüber hinaus verbessert ihr euer Zeitmanagement, eure Widerstandsfähigkeit in stressigen Situationen, ihr lernt effektiv und konzentriert auf eine Deadline hinzuarbeiten und speziell in der mündlichen Phase entwickelt ihr ein Gespür dafür, wie man sich nicht mehr aus der Ruhe bringen lässt und fundierte und pointierte Antworten auf schwere Nachfragen gibt. Dazu kommt eine ausgeprägte Fähigkeit analytisch und systematisch zu argumentieren. Gerade Letzteres lässt sich beliebig auf alle (Rechts-)gebiete übertragen: die inhaltlichen Kenntnisse beim Jessup Moot Court erlangt ihr zwar im Völkerrecht, die Art zu argumentieren, die ihr erlernt und verbessert ist dagegen universell und wird für euch in den verschiedensten Situationen als geschätztes und unverzichtbares Handwerk begleiten.
Fazit: beim Jessup teilzunehmen war die beste Entscheidung in meinem Studium – ich wette, euch wird es genauso ergehen. Nutzt die Chance und bewerbt euch!"