01/09/2026
„Ich muss diesen Menschen helfen. Egal wie.“
Genau das dachte ich, als ich meinen ersten Job in einer kardiologischen Rehaklinik antrat – als Psychotherapeutin in Ausbildung.
Keine fertigen Konzepte. Die Kollegin, die mich einarbeiten sollte, schied kurz darauf wegen einer Krebserkrankung aus. Ein Kollege, der mit mir anfing, hatte genauso wenig Erfahrung wie ich. Ich stand von Tag eins an komplett eigenverantwortlich da: für Einzel- und Gruppentherapien.
In den Einzelsitzungen schwamm ich absolut. Sämtliche Theorien und Modelle aus dem Studium hatte ich parat. Aber wie wendete ich sie in der Praxis so an, dass sie Patienten mit hohem Leidensdruck wirklich halfen?
Der Druck auf meinen Schultern war riesig. Die Patienten setzten all ihre Hoffnung in den Reha-Aufenthalt. Also stürzte ich mich in die Arbeit, entwarf Konzepte für Stressbewältigung und Raucherentwöhnung, hielt Vorträge über Übergewicht und Stressfolgen.
Meine persönliche Realität sah damals so aus:
Ich steckte mitten in der Trennung von meinem langjährigen Freund, zog in ein kleines, heruntergekommenes Zimmer in der Klinik und merkte, wie die berufliche Belastung mich über jede Grenze trieb.
Schlafstörungen. Dauerhafte Anspannung. Mein Blutdruck lag regelmäßig bei 150/120. Mein Hausarzt schlug Alarm – doch statt kürzerzutreten, powerte ich durch.
Bis ein Jahr später – inzwischen in einer anderen Klinik – mein Körper die Notbremse zog: Hörsturz auf der Arbeit.
Warum erzähle ich das?
Weil genau das der Punkt war, an dem ich lernen musste, was im Studium und in der Ausbildung oft viel zu kurz kommt:
Wie wir die Verantwortung für den therapeutischen Erfolg nicht alleine tragen.
Wie eine gesunde, professionelle Abgrenzung wirklich funktioniert.
Wie wir unser eigenes Stress- und Emotionsmanagement so im Griff behalten, dass wir in diesem Beruf selbst gesund und vital bleiben.
Nächste Woche bieten wir eine exklusive Masterclass für Psychotherapeut:innen an.
Du hast dort die Möglichkeit, eigene Fälle vorzustellen, von unserem Input zu profitieren und konkrete Stellschrauben für deinen Praxisalltag mitzunehmen🪷