27/10/2023
Die Selektion im deutschen Schulsystem ist einmalig auf der Welt. Und es ist bewiesen, dass wir mit der Sortierung der Kinder - angeblich begabungsgerecht! - auf qualitativ verschiedene Schulen nach Klasse 4 auf einem großen Irrweg sind: Die Hälfte der Schüler erhalten ihr Abitur nicht auf einem Gymnasium, sondern auf Umwegen über Realschule, Fachoberschule, Berufsoberschule usw. „Durchlässigkeit“ nennen das die Schulminister stolz, um zu vertuschen, dass diese 50 Prozent schlicht falsch einsortiert wurden.
Kinder sind verschieden. Aber sie sind nicht so verschieden, dass man sie auf drei unterschiedliche Schulen verteilen muss. Und auch nicht auf zwei. Doch für viele ist es unvorstellbar, dass (heutige) Gymnasiasten, Real- und Hauptschüler in ein und dieselbe Schule gehen. Warum? Weil die meisten dabei das Bild vor Augen haben, alle Schüler einer Altersstufe sitzen in einem Klassenraum und hören ein und denselben Vortrag des Lehrers. Und der Lehrer muss auf die Schwachen warten, während die Leistungsstarken unterfordert sind. Aber löst man sich endlich von der Vorstellung des passiven Zuhörens, hin zu einem lebendigen Bild aktiver Schüler, die mit Interesse ihre selbst gewählte Arbeit tun, dann wird klar: Eine Schule für Alle ist keine Illusion. Sie wird erfolgreich gelebt, im Ausland und in einigen schon vorhandenen deutschen Reformschulen.
In Europa erreichen Länder mit integrativen Schulsystemen bei PISA Spitzenplätze: die skandinavischen Länder oder Südtirol. In diesen Ländern machen 60-70% der Schüler Abitur, in Deutschland 50%, in Bayern 40%.
Wenn kindgerecht, also individuell gelernt wird, dann brauchen wir keine Selektion mehr, dann können alle Schüler gemeinsam lernen, jeder auf seine Weise. Alle Kinder und Jugendlichen - die mit besonderen Fähigkeiten oder mit Beeinträchtigungen, solche aus anderen Kulturkreisen und aus allen gesellschaftlichen Schichten - lernen mit- und voneinander. Ihre Verschiedenheit ist, da sie Quelle neuen Lernens ist, eine Bereicherung.