22/08/2026
𝗔𝘂𝘀 𝗔𝗻𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿𝗱 𝗭𝘂𝗴𝗲𝗵ö𝗿𝗶𝗴𝗸𝗲𝗶𝘁.
𝗔𝘂𝘀 𝗭𝘂𝗴𝗲𝗵ö𝗿𝗶𝗴𝗸𝗲𝗶𝘁 𝘄ä𝗰𝗵𝘀𝘁 𝗩𝗲𝗿𝗮𝗻𝘁𝘄𝗼𝗿𝘁𝘂𝗻𝗴.
Das ist vielleicht der Gedanke, der mir heute als Erstes durch den Kopf ging, als eine persönliche Einladung von Ministerpräsident Hendrik Wüst zur Festveranstaltung anlässlich des 65. Jahrestages des Anwerbeabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei in der Post lag.
Ich wurde, wie viele andere Menschen auch, für diese Einladung vorgeschlagen. Mein erster Dank gilt deshalb dem Kreisintegrationszentrum Mettmann für diesen Vorschlag. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Vor allem aber hat mich die Einladung daran erinnert, wie viele Menschen mich und unsere Arbeit über die Jahre begleitet und unterstützt haben.
Engagement beginnt manchmal mit einer Idee, einem Impuls oder mit jemandem, der sagt: Wir sollten etwas tun. 𝗧𝘂𝗻, 𝘀𝘁𝗮𝘁𝘁 𝗻𝘂𝗿 𝘇𝘂 𝗴𝗿ü𝗯𝗲𝗹𝗻 𝗼𝗱𝗲𝗿 𝘇𝘂 𝗺𝗲𝗰𝗸𝗲𝗿𝗻.
Aber eine Idee allein bewirkt wenig. Sie braucht Menschen, die sie aufnehmen und mit Leben füllen.
Genau das durfte ich in Hilden immer wieder erleben.
Mein Engagement begann zunächst in Kindergarten und Schule. 2008 entstand der Bildungs- und Erziehungsverein Hand in Hand e.V. Aus manchen Ideen wurden Projekte, aus Begegnungen Zusammenarbeit und nicht selten langjährige Verbindungen.
Ein aktuelles Beispiel sind die 𝗛𝗶𝗹𝗱𝗲𝗻𝗲𝗿 𝗟𝗲𝘀𝗲𝗱𝗿𝗮𝗰𝗵𝗲𝗻. Auch hier stand am Anfang eine Idee. Heute begleiten zahlreiche ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren Kinder beim Lesenlernen. Schulen, die Stadtbibliothek Hilden und viele weitere Beteiligte wirken daran mit.
Dass ich in diesem Jahr gemeinsam mit Mitstreitern den erstmals in Hilden ausgelobten Heimatpreis entgegennehmen durfte und nun zu dieser Festveranstaltung eingeladen wurde, nehme ich deshalb vor allem zum Anlass, 𝗗𝗮𝗻𝗸𝗲 𝘇𝘂 𝘀𝗮𝗴𝗲𝗻.
Danke an diejenigen, die mich vorgeschlagen haben. Danke an meine persönlichen Wegbegleiter. An Ehrenamtliche, Eltern und Familien, Schulen und Kindergärten, Vereine und Einrichtungen, Kooperationspartner, Unterstützerinnen und Unterstützer - und an die Menschen, die einfach da waren, wenn sie gebraucht wurden.
Der Anlass der Einladung berührt zugleich einen Teil meiner eigenen Geschichte.
Im Oktober 1961 wurde in Bad Godesberg das deutsch-türkische Anwerbeabkommen unterzeichnet. Kein Jahr später, im Juni 1962, wurde ich in Sivas in der Türkei geboren. Das Abkommen sollte helfen, den Arbeitskräftebedarf in der Bundesrepublik zu decken. Ursprünglich war vorgesehen, dass die angeworbenen türkischen Arbeitskräfte im Rahmen eines Rotationsprinzips nach höchstens zwei Jahren wieder zurückkehren sollten.
Aus diesen zwei Jahren wurden für viele Menschen Jahrzehnte, für ihre Kinder und Enkel ein ganzes Leben.
Ich selbst lebe seit mehr als 60 Jahren in Deutschland. Mein Weg führte von einem kleinen Dorf in Baden-Württemberg über Langenfeld, Monheim am Rhein, Burghausen, München, Ahrensburg und Hamburg schließlich nach Hilden. Seit 1999 ist diese Stadt mein Zuhause.
2026 wird Nordrhein-Westfalen 80 Jahre alt. Das Anwerbeabkommen jährt sich zum 65. Mal.
1961 ging es um Arbeitskräfte, die für eine begrenzte Zeit nach Deutschland kommen sollten. Heute, 65 Jahre später, erzählen wir längst eine andere Geschichte: von Menschen, die geblieben sind, Familien gegründet und hier ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben. Von ihren Kindern und Enkeln. Und von Menschen, die dieses Land, seine Städte und Gemeinden längst selbst mitgestalten.
Auch die Geschichte meiner Familie ist ein kleiner Teil davon – zunächst die Geschichte meiner Eltern und später auch meine eigene.
Sie handelt vom Ankommen und Bleiben, von Zweifeln und Unsicherheit, von Enttäuschungen und Hoffnung, von Begegnungen, die vieles erleichtern - und davon, irgendwann selbst Verantwortung zu übernehmen.
Vielleicht war ich in den vergangenen Jahren an der einen oder anderen Stelle Ideengeber oder Stichwortgeber. Das gehört zu meinem Leben und meinem Engagement. Aber keine Idee trägt sich allein. Die Hildener Lesedrachen sind dafür nur ein Beispiel: Erst Menschen, die mitmachen, Zeit schenken und Verantwortung übernehmen, machen aus einer Idee gemeinsames Engagement.
Deshalb empfinde ich diese Einladung nicht nur als einen schönen persönlichen Moment. Sie ist für mich vor allem ein Anlass, auf diejenigen zu schauen, ohne die vieles nicht entstanden wäre.
𝗜𝗵𝗻𝗲𝗻 𝗮𝗹𝗹𝗲𝗻 𝗴𝗶𝗹𝘁 𝗺𝗲𝗶𝗻 𝗗𝗮𝗻𝗸.
Denn nach mehr als 60 Jahren in Deutschland und vielen Jahren des Engagements in Hilden bleibt für mich eine Erfahrung:
𝗔𝘂𝘀 𝗔𝗻𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻 𝗸𝗮𝗻𝗻 𝗭𝘂𝗴𝗲𝗵ö𝗿𝗶𝗴𝗸𝗲𝗶𝘁 𝘄𝗲𝗿𝗱𝗲𝗻. 𝗨𝗻𝗱 𝗮𝘂𝘀 𝗭𝘂𝗴𝗲𝗵ö𝗿𝗶𝗴𝗸𝗲𝗶𝘁 𝘄ä𝗰𝗵𝘀𝘁 𝗩𝗲𝗿𝗮𝗻𝘁𝘄𝗼𝗿𝘁𝘂𝗻𝗴 𝗳ü𝗿 𝗱𝗲𝗻 𝗢𝗿𝘁, 𝗱𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝗛𝗲𝗶𝗺𝗮𝘁 𝗻𝗲𝗻𝗻𝗲𝗻.
Bekir Arslan
Vorsitzender
Bildungs- und Erziehungsverein Hand in Hand e.V.