21/08/2026
Nach umfassender Sanierung wird am 23. August 2026 das Sinti-Mausoleum in Halle-Osendorf feierlich wieder eingeweiht.
Das im Jahr 1915 für den Sinto Josef Weinlich errichtete Mausoleum gehört zu den seltenen erhaltenen steinernen Zeugnissen der Geschichte der Sinti und Roma in Mitteldeutschland. Noch 2024 war das denkmalgeschützte Gebäude vom Verfall bedroht.
Zur feierlichen Einweihung werden unter anderem Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Dr. Alexander Vogt, Oberbürgermeister der Stadt Halle, sowie Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel erwartet. Für die Nachfahren Josef Weinlichs spricht Dr. Henk van Iterson.
Eine besondere Rolle bei der Bewahrung des Ortes spielt zudem das Elisabeth-Gymnasium Halle. Schülerinnen und Schüler haben die Sanierung begleitet und sich intensiv mit der Geschichte, Architektur und Bedeutung des Mausoleums auseinandergesetzt. Die projektleitende Lehrerin Heike Böltzig sagt: „Unser Schulprojekt zur Erhaltung des Sinti-Mausoleums ist ein Beispiel für die umfassende Bedeutung von Erinnerungskultur und der Sensibilisierung für authentische Orte, an die Erinnerung anknüpfen kann.“
Die Sanierung bewahrt damit nicht nur ein bedeutendes Baudenkmal, sondern auch einen wichtigen Ort der Erinnerung an die Geschichte und die jahrhundertelange Präsenz der Sinti und Roma in Deutschland.
Quelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz
https://www.denkmalschutz.de/pressemitteilung/sinti-mausoleum-in-halle-osendorf-wird-nach-sanierung-eingeweiht.html Foto: Christian Hüller
20/08/2026
Heute feiert Romani Rose seinen 80. Geburtstag. Geboren am 20. August 1946 in Heidelberg, wuchs er in einer Familie auf, die unmittelbar vom nationalsozialistischen Völkermord betroffen war. 13 Angehörige seiner Familie wurden in Konzentrationslagern ermordet.
Seit den 1970er-Jahren kämpft Romani Rose für die Anerkennung und die Bürgerrechte der Sinti und Roma in Deutschland. Ein Wendepunkt war der Hungerstreik von Sinti im ehemaligen Konzentrationslager Dachau 1980. Die Bürgerrechtler forderten die Anerkennung des NS-Völkermords und ein Ende der fortgesetzten rassistischen Sondererfassung durch staatliche Behörden.
1982 folgte ein historischer Erfolg: Bundeskanzler Helmut Schmidt erkannte den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma aus rassistischen Gründen offiziell an. Im selben Jahr wurde der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma gegründet. Romani Rose wurde zu seinem Vorsitzenden gewählt und prägt die politische Arbeit des Zentralrats bis heute.
Weitere Meilensteine folgten: die Anerkennung der deutschen Sinti und Roma als nationale Minderheit, die Eröffnung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg 1997 und nach jahrzehntelangem Einsatz die Einweihung des Denkmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas in Berlin im Jahr 2012.
Seine Arbeit steht bis heute für die Forderung nach Gleichberechtigung, gesellschaftlicher Teilhabe und dem Schutz der Minderheit. Angesichts eines wieder zunehmenden Antiziganismus und erstarkender demokratiefeindlicher Kräfte bleibt diese Bürgerrechtsarbeit von besonderer politischer Bedeutung.
Wir gratulieren Romani Rose herzlich zu seinem 80. Geburtstag und freuen uns darauf, gemeinsam mit ihm die Bürgerrechtsarbeit für Sinti und Roma weiter voranzutreiben.
07/08/2026
Im Rahmen der Ausstellung „Ma Bistrass! – Nie zapomnij!“ kamen in Krakau Vertreter:innen aus der Sinti- und Roma-Community, Politik, Kultur und Zivilgesellschaft zusammen. Die Ausstellung des Fotografen und UNESCO Artist for Peace Luigi Toscano macht mit eindringlichen Porträts die Geschichten von Roma und Sinti sichtbar, die den Holocaust überlebt haben, sowie die ihrer Nachkommen.
Die Veranstaltung wurde von musikalischen Beiträgen begleitet. Zu den Redner:innen gehörten Carolina Pietrya vom Krakauer Festivalbüro KBF, der Holocaust-Überlebende Christian Pfeil, der Parlamentarische Staatssekretär Michael Brand, Evelyn Scheer von der Stiftung EVZ, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Romani Rose sowie Dr. Katharina Görgen vom Goethe-Institut Krakau. Darüber hinaus fand ein moderiertes Gespräch mit Luigi Toscano statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Edlira Majko, Fachreferentin der Stiftung EVZ; die musikalische Begleitung übernahm Marek Balog.
Nach den Redebeiträgen bot ein Empfang Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Anschließend machten sich die Teilnehmer:innen gemeinsam auf den Weg zur Ausstellung im Planty-Park.
05/08/2026
Im Rahmen des Europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und Roma besuchte der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, gemeinsam mit Vertreter:innen der Evangelischen Kirche in Deutschland und weiteren kirchlichen Gästen die Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Zu den Teilnehmenden gehörten Prälatin Dr. Anne Gidion, Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, Karsten Wolkenhauer, Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, sowie Weihbischof Dr. Matthias Heinrich aus dem Erzbistum Berlin.
Beim Besuch der Ausstellung in „Block 13 des Stammlagers Auschwitz“ beschäftigte sich die Gruppe mit der zeigt die systematische Entrechtung, Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Persönliche Biografien, historische Dokumente und Gespräche am Ort der Verbrechen machten deutlich, welche Folgen der Völkermord / Holocaust bis heute für die Minderheit und ihre Familien hat. Der gemeinsame Rundgang durch die Gedenkstätte und die Kranzniederlegung an der „Todeswand“ im Stammlager waren dem Andenken an die Ermordeten gewidmet. Während des Besuchs und beim anschließenden gemeinsamen Essen wurde der Austausch über Erinnerungskultur, die Verantwortung der Kirchen und den entschlossenen Einsatz gegen Antiziganismus vertieft. Die Begegnung unterstrich die enge Verbundenheit und die gemeinsame Verpflichtung, die Erinnerung an die Opfer zu bewahren und jeder Form von Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit entgegenzutreten.
02/08/2026
Am 2. August 2026 wurde in der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau der Opfer des nationalsozialistischen Völkermords an den Sinti und Roma gedacht. 82 Jahre nach den Verbrechen kamen Angehörige der Minderheit, Überlebende, junge Menschen sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Religion und Zivilgesellschaft zusammen. 
Der Gedenktag erinnert insbesondere an die Nacht vom 2. auf den 3. August 1944. Damals ermordete die SS im Lagerabschnitt B II e etwa 4.300 Sinti und Roma, darunter zahlreiche Kinder, Frauen, ältere und kranke Menschen, in den Gaskammern. Zuvor waren rund 23.000 Sinti und Roma aus verschiedenen europäischen Ländern nach Auschwitz-Birkenau deportiert worden. Die Verfolgung war Teil des systematischen nationalsozialistischen Völkermords, dem im besetzten Europa Hunderttausende Sinti und Roma zum Opfer fielen.
Seit 2015 ist der 2. August als Europäischer Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma anerkannt. Der Tag soll nicht nur an die Ermordeten erinnern, sondern auch die lange verdrängte Geschichte ihrer Verfolgung sichtbar machen.
Bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung warnte Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, vor einem wiedererstarkenden und gewaltbereiten Antiziganismus in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Seine Worte verdeutlichen, dass Antiziganismus nicht allein der Vergangenheit angehört, sondern Menschen auch heute noch bedroht, ausgrenzt und diskriminiert. Wir erinnern an die Ermordeten. Wir würdigen die Überlebenden. Und wir tragen Verantwortung dafür, dass sich solche Verbrechen niemals wiederholen.
03/05/2026
In Berlin kamen die Kultusministerkonferenz und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zusammen, um über Strategien gegen Antiziganismus im Bildungsbereich zu beraten. Bei der Fachtagung „Wissensvermittlung über Sinti und Roma: Strategien gegen Antiziganismus“ in der Bayerischen Vertretung stand die Frage im Mittelpunkt, wie Schulen Wissen über Sinti und Roma vermitteln, Vorurteile abbauen und Diskriminierung wirksam begegnen können.
Antiziganismus ist kein Randphänomen. Er zeigt sich bis heute auch im Bildungsbereich. Grundlage der Tagung war die gemeinsame Empfehlung von KMK und Zentralrat zum Umgang mit Antiziganismus in der Schule, die im März 2025 beschlossen wurde. Sie bietet Schulen konkrete Orientierung für Prävention, Intervention, historisch-politische Bildung, Medienbildung und sprachsensibles Handeln.
09/04/2026
Struktureller Rassismus beschreibt keine einzelnen Vorurteile, sondern tief verankerte gesellschaftliche Mechanismen, die systematisch zu Ungleichheit führen. Für Sinti und Roma zeigt sich dieser insbesondere in zentralen Lebensbereichen wie Bildung, Arbeitsmarkt, Wohnen und Gesundheitsversorgung.
Empirische Studien wie die EU-MIDIS-II-Erhebung der Europäische Agentur für Grundrechte belegen, dass Roma in Europa zu den am stärksten diskriminierten Minderheiten gehören. Rund 80 % der befragten Roma sind von Armut bedroht, während gleichzeitig erhebliche Zugangsbarrieren zu Bildung und regulärer Beschäftigung bestehen.
Diese strukturellen Benachteiligungen sind nicht zufällig, sondern historisch gewachsen und institutionell reproduziert. Sie zeigen sich etwa in der systematischen Segregation im Bildungssystem, eingeschränkten Aufstiegschancen sowie in stigmatisierenden Diskursen, die gesellschaftliche Teilhabe erschweren.
Die Folgen sind weitreichend: Neben ökonomischer Marginalisierung entstehen auch psychische Belastungen durch wiederkehrende Ausgrenzung und das Gefühl des „Nicht-Dazugehörens“. Struktureller Rassismus wirkt damit nicht nur auf individueller, sondern vor allem auf gesellschaftlicher Ebene – und bleibt oft unsichtbar, weil er als „Normalität“ erscheint.
Ein nachhaltiger Abbau dieser Ungleichheiten erfordert daher mehr als individuelle Sensibilisierung: notwendig sind strukturelle Veränderungen in Institutionen, Bildungssystemen und politischen Rahmenbedingungen.