25/09/2026
Die Hannoveranerin Barbara Schwartz suchte über Jahre nach den Nachfahren des jüdischen Bankiers Hermann Gumpel. 1933 half ihr Großvater Hans Hildebrandt seinem Freund Hermann Gumpel, der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entkommen, und unterstützte ihn bei der Flucht in die Schweiz. Aus Dank schenkte Gumpel ihm sechs lederbezogene Konferenzsessel. Die Sessel verblieben über Generationen hinweg im Besitz der Familie.
Nach dem Tod ihrer Mutter begann Barbara Schwartz, die Geschichte ihrer Familie aufzuarbeiten. Gleichzeitig setzte sie sich dafür ein, das Schicksal der Familie Gumpel sichtbar zu machen. So wurde im Juni 2026 vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnort von Julius Gumpel in der Ludwig-Barnay-Straße 11 im Zooviertel ein Stolperstein verlegt. Gemeinsam mit seinem Bruder Hermann baute Julius Gumpel den Gumpel-Konzern zu einem der wichtigsten Akteure der Kaliindustrie in der Region auf. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden seine Unternehmen enteignet. Er wurde verfolgt, entrechtet und 1942 über Theresienstadt nach Treblinka deportiert und dort ermordet. Hermann Gumpel war bereits 1935 in Assuan in Ägypten verstorben.
Durch die Recherchen des ZeitZentrum Zivilcourage konnte schließlich ein Nachfahre der Familie gefunden werden: Günther Tyllack, der Urenkel von Julius Gumpel. Bei einem Treffen in Hannover übergab Barbara Schwartz die historischen Sessel symbolisch an die Eigentümerfamilie zurück. Wir bedanken uns bei Gabriele Gerner für die fotografische und journalistische Begleitung.
Das Beispiel zeigt, wie wichtig Erinnerungsarbeit und persönliche Begegnungen für die Aufarbeitung der NS-Geschichte sind. Mehr Informationen zur Biografie von Julius Gumpel sowie zu den Stolpersteinen in Hannover finden Sie auf unserer Internetseite: www.stolpersteine-hannover.de