09/12/2023
Nahdsch ul Balagha Brief 31.
Hüte dich davor, dich mit Frauen zu beraten, denn ihre Ansicht ist mangelhaft und ihre Entschlossenheit schwach. Schirme dich ab von ihnen und ihren Augen mit deinem Vorhang, denn die Strenge des Vorhanges ist bleibender für sie. Ihr Ausgehen (aus dem Haus) ist so schlimm, als würdest du einem Unzuverlässigen erlauben, zu ihnen zu gehen. Wenn du es schaffst, dass sie niemanden kennen außer dir, dann tue es so. Übertrage der Frau nichts an ihren Angelegenheiten, was über (das Fassungsvermögen) ihrer Seele geht, denn die Frau ist eine duftende Blume und keine Kommandantin. Ehre sie nicht mehr, als ihr zusteht, so dass du sie nicht dazu verlockst, für andere (unrechtmäßige) Fürsprache einzulegen. Hüte dich davor, Eifersucht zu zeigen, wenn es fehl am Platz ist, denn das führt bei einer gesunden Frau zu ihrer Krankheit und bei einer Unschuldigen zu Zweifelhaftigkeiten.
Teile jedem unter deinen Dienern eine Arbeit zu, für die du ihn zur Verantwortung ziehst, denn das sorgt dafür, dass sie nicht einander die (die Arbeiten) zuschieben, die in ihre Dienerschaft für dich fallen. Ehre deine Verwandten, denn sie sind der Flügel, mit dem du fliegst, und dein Ursprung, zu dem du (wieder) gelangen wirst, und deine Hand, mit der du (die Feinde) angreifst.
Vertraue Allah deine Religion und dein Diesseits an, und bitte Ihn um den für dich besten Ratschluss in deinem Jetzt und in deiner Zukunft, in deinem Diesseits und deinem Jenseits,
und Frieden (sei mit dir).
Erläuterung:
Der Abschnitt über Frauen gilt als eines der “kritischsten“ Abschnitte im Nahdsch-ul-Balagha, da der genaue Zusammenhang hier nicht deutlich wird. Die Aufforderung, sich davor zu hüten, sich mit Frauen zu beraten, kann unmöglich allgemeingültiger Art gewesen sein, da selbst große Propheten wie Zacharias (a.) von der Heiligen Maria (a.) beraten wurden. Und es ist auch bekannt, wie liebevoll Prophet Muhammad (s.) seine spätere Ehefrau Chadidscha beraten hat, als es um die Leitung ihrer Karawane ging. Obwohl er (s.) als Krönung der Schöpfung keines Ratschlages bedurft hätte, hat er ihren Vorstellungen liebevoll gelauscht. Und wie oft hat Imam Ali (a.) Frauen mit ihren Fragen zu Fatima (a.) gesandt, damit sie die Scheu ablegen konnten, die sie vor einem Mann hatten und sich von dieser fehlerfreien Frau haben beraten lassen. So kann die Aufforderung an einen seiner Söhne sich nicht mit Frauen zu beraten, weder allgemein für alle Männer gelten, noch für die Beratungsfähigkeit von Frauen im Allgemeinen.
Es ist aber bereits aus verschiedenen allgemeingültig erscheinenden Anweisungen der Ahl-ul-Bait bekannt, dass sie einen sehr speziellen Charakter hatten, wenn z.B. Imam Ali (a.) sich unmittelbar nach der Kamelschlacht über Frauen äußert, was mit Aischa zu tun hatte. Vergleiche dazu die Erläuterung der 80. Predigt.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass Imam Hasan (a.) – falls der Brief an ihn gerichtet gewesen wäre – als reiner Imam der Ahl-ul-Bait ja derartiger Hinweise gar nicht bedarf, sondern solch ein Vermächtnis insbesondere für die Anhänger der Ahl-ul-Bait dient, sich an diesen Vorbildern zu orientieren und Informationen von ihnen zu erhalten über ihre Weisheit und Weitsicht. Die Tatsache, dass Imam Ali (a.) ausgerechnet Imam Hasan (a.) in dieser eindringlichen Art vor Frauen warnt, ist ein Hinweis darauf, dass Imam Ali (a.) seine Anhänger indirekt darüber zu informieren sucht, dass Imam Hasan (a.) von einer seiner Ehefrauen ermordet werden sollte. Denn mit welch anderer Frau hätte Imam Hasan (a.) sich überhaupt beraten; selbst wenn er selbst keiner Beratung bedurfte?
Tatsächlich gilt der Hinweis „ihre Ansicht ist mangelhaft und ihre Entschlossenheit schwach“ eben nicht für eine so mutige und entschlossene Frau wie Imam Hasans (a.) Schwester Zainab (a.), die zu einer der Heldinnen der islamischen Geschichte werden sollte. Der Hinweis könnte vielmehr der Ehefrau von Imam Hasan (a.) namens Dschadah bint Aschath gegolten haben, die im Auftrag Muawiyas Imam Hasan (a.) vergiftete. Ihre Ansicht war schwach über den reinen Imam und ihre Entschlossenheit zur Treue wurde geschwächt durch das Angebot Muawiyas, nach erfolgter Vergiftung Yazid ehelichen zu dürfen (woran sich Muawiya aber nicht hielt). Die Aussage „Ihr Ausgehen (aus dem Haus) ist so schlimm, als würdest du einem Unzuverlässigen erlauben, zu ihnen zu gehen“ kann auf ihren Vater Aschath ibn Qais bezogen sein, der für Muawiya arbeitete und das Gift in das Haus brachte. Der Wechsel von den speziellen Hinweisen auf die allgemeingültigen Hinweise wird deutlich mit dem Lob, dass die Frau wie eine Blume ist.
Eine Betrachtung jener Aussagen ohne die geschichtlichen Hintergründe und die Berücksichtigung der Fähigkeit zur Prophezeiung durch Imam Ali (a.) würde zu falschen Schlüssen führen. Der vorhersehende Charakter des Vermächtnisses wird allerdings bereits im ersten Teil deutlich, als Imam Ali (a.) an seinen Sohn schreibt: „… er ist an Unglücke gekettet, von den Begierden zu Boden gestreckt und der Nachfolger der Toten.“ Imam Hasan war mit jener Dschadah bint Aschath verheiratet, wurde durch sie vergiftet und war der nächste der Ahl-ul-Bait, der Imam Ali (a.) folgte.
[1] Obwohl der Brief nach Sayyid Radhi an Imam Hasan (a.) gerichtet ist, ist aus dem Inhalt zu vermuten, dass ein anderer Sohn Imam Alis (a.) gemeint war. Manche Gelehrte glauben, dass Muhammad ibn Hanafiyya gemeint war, andere wollen sich gar nicht festlegen.
Do not consult women because their view is weak and their determination unstable. Cover their eyes by keeping them under the veil because strictness of veiling keeps them for long. Their coming out is not worse than your allowing an unreliable man to visit them. If you can manage that they should not know anyone other than you, do so. Do not allow a woman matters other than those about hereself, because a woman is a flower not an administrator. Do not pay her regard beyond herself. Do not encourage her to intercede for others. Do not show suspicion out of place, because this leads a correct woman to evil and a chaste woman to deflection. For everyone among your servants fix a work for which you may hold him responsible. In this way, they will not fling the work one over the other. Respect your kinsmen because they are your wings with which you fly, the origin towards which you return and your hands with which you attack. Place your religion and your world at Allah's disposal and beg Him to ordain the best for you in respect of the near and the far, this world and the next; and that is an end to the matter.
وَإِيَّاكَ وَمُشَاوَرَةَ النِّسَاءِ فَإِنَّ رَأْيَهُنَّ إِلَى أَفْن، وَعَزْمَهُنَّ إِلَى وَهْن. وَاكْفُفْ عَلَيْهِنَّ مِنْ أَبْصَارِهِنَّ بِحِجَابِكَ إِيَّاهُنَّ، فَإِنَّ شِدَّةَ الْحِجَابِ أَبْقَى عَلَيْهِنَّ، وَلَيْسَ خُرُوجُهُنَّ بِأَشَدَّ مِنْ إِدْخَالِكَ مَنْ لاَ يُوثَقُ بِهِ عَلَيْهِنَّ، وَإِنِ اسْتَطَعْتَ أَلاَّ يَعْرِفْنَ غَيْرَكَ فَافْعَلْ. وَلاَ تُمَلِّكِ الْمَرْأَةَ مِنْ أَمْرِهَا مَا جَاوَزَ نَفْسَهَا، فَإِنَّ الْمَرْأَةَ رَيْحَانَةٌ وَلَيْسَتْ بِقَهْرَمَانَة، وَلاَ تَعْدُ بِكَرَامَتِهَا نَفْسَهَا، وَلاَ تُطْمِعْهَا فِي أَنْ تَشْفَعَ لِغَيْرِهَا. وَإِيَّاكَ وَالتَّغَايُرَ فِي غَيْرِ مَوْضِعِ غَيْرَة، فَإِنَّ ذلِكَ يَدْعُو الصَّحِيحَةَ إِلَى السُّقْمِ، وَالْبَرِيئَةَ إِلَى الرَّيْبِ. وَاجْعَلْ لِكُلِّ إِنْسَان مِنْ خَدَمِكَ عَمَلا تَأْخُذُهُ بِهِ، فَإِنَّهُ أَحْرَى أَلاَّ يَتَوَاكَلُوا فِي خِدْمَتِكَ. وَأَكْرِمْ عَشيِرَتَكَ، فَإِنَّهُمْ جَنَاحُكَ الَّذِي بِهِ تَطِيرُ، وَأَصْلُكَ الَّذِي إِلَيْهِ تَصِيرُ، وَيَدُكَ الَّتِي بِهَا تَصُولُ. إِسْتَوْدِعِ اللهَ دِينَكَ وَدُنْيَاكَ، وَاسْأَلْهُ خَيْرَ الْقَضَاءِ لَكَ فِي الْعَاجِلَةِ وَالاْجِلَةِ، وَالدُّنْيَا وَالاْخِرَةِ، وَالسَّلاَمُ.