14/06/2026
Horst Keil wurde am 8. Mai 1935 geboren. Am 17. Juni 1953 war gerade 18 Jahre alt und wollte in diesem Sommer seine Malerlehre abschließen.
Am Nachmittag, als die Berufsschule aus war, ging er mit seinen Freunden durch die aufgewühlte Innenstadt. Nach der abendlichen Kundgebung auf dem Hallmarkt schloss er sich dem Demonstrationszug an, der durch die Stadt und später über den Robert-Franz-Ring eine Richtung nahm, die seinem Heimweg nahe kam (er wohnte in der Großen Ulrichstr.). Der Zug passierte gegen 20.15 Uhr friedlich die Bezirksverwaltung der Staatssicherheit (heute Sitz der AOK), als plötzlich, ohne Vorwarnung, aus dem Keller des Gebäudes geschossen wurde.
Der Zug sprengte auseinander, die Demonstranten ergriffen panisch die Flucht. Keils Schulkamerad Hans Große erinnerte sich, dass er mit anderen über Büsche und einen Zaun gesprungen sei und unten am Saale-Ufer Schutz gesucht habe. Am nächsten Tag erst habe er erfahren, dass Horst Keil verletzt worden sei. Peter Bohley berichtete, dass sie aus einem Hinterhalt beschossen worden seien, unmittelbar vor ihm habe sich ein gelbes Nicki plötzlich rot gefärbt, der Verletzte sei mitgeschleift und in der nächsten Praxis, bei einem Kinderarzt, abgeliefert worden.
In keinem der vielen Berichte von SED, Polizei oder MfS findet sich ein Hinweis auf die Schüsse am Robert-Franz-Ring. Wer sie auf wessen Befehl, mit welcher Absicht abgegeben hat, bleibt bis heute im Dunkeln. Ihre Wirkung verfehlten die Heckenschützen nicht, sie verbreiteten Angst und Schrecken unter den flüchtenden Demonstranten. Mit den wenigen, die danach noch weiterzogen, hatte die Polizei leichtes Spiel.
Horst Keil starb am 28. Juni in der Uniklinik. Sein Bruder Gerhard Keil erinnerte sich: "Eine Todesanzeige in der Zeitung wurde nicht erlaubt, und auch zu seiner Beerdigung auf dem Gertraudenfriedhof sollte möglichst niemand erscheinen. Ganz konnte das jedoch, selbst unter den wachsamen Blicken der anwesenden Stasileute, nicht verhindert werden." Horsts Lehrmeister und einige Klassenkameraden waren auch zur Beerdigung gekommen und wurden aus der Ferne beobachtet. Ein Grabstein durfte erst später gesetzt werden.
Foto 2: Radwanderung im Sommer 1952: links Horst Keil, ganz rechts sein Bruder Gerhard Keil