23/09/2019
Internationaler Lehreraustausch in Savannah - Schule, Freundschaft und Highlights in den Südstaaten der USA
23.09.2019 | infoterminal
Internationaler Lehreraustausch in Savannah - Schule, Freundschaft und Highlights in den Südstaaten der USA
Knapp neun Monate nach dem Besuch der beiden amerikanischen Kollegen Valérie Granzow und Brandon Howard in Halle war es am 4. April 2019 endlich soweit: Wir traten unsere lange Reise nach Savannah an. Berlin, Amsterdam, Atlanta, Savannah - nach 21 langen Stunden kommen wir erschöpft mitten in der Nacht in Savannah, Partnerstadt der Stadt Halle im US-Bundesstaat Georgia, an. Dort dürfen wir 14 Tage lang mit unseren beiden Kollegen ihren Alltag zu Hause und vor allem in unserer Partnerschule der South Effingham High School (SEHS) teilen.
Wir erleben ihren Französisch- und World History-Unterricht an schon sommerlich-warmen Schultagen, an denen sich die Schüler zwar innerhalb des Schulgebäudes bewegen, um die den Lehrern eigenen Klassenräume aufzusuchen. Darüber hinaus dürfen sie aber nicht einmal das Gebäude verlassen, um ein bisschen frische Luft zu schnuppern. Wir sehen mit allen technischen Finessen ausgestattete und je nach Lehrerpersönlichkeit ganz individuell gestaltete Klassenräume, deren Türen nach Unterrichtsbeginn zur allgemeinen Sicherheit nach außen hin verschlossen werden. Wir lernen nicht nur den Schulsheriff Officer Brown, sondern auch den nächst höheren Officer Smith der State Patrol kennen, die sich wie selbstverständlich auch bewaffnet zum Schutz der Schulgemeinschaft in der Schule bewegen. Wir entdecken die vielfältigen Kursangebote der High School, vom Kurs für Kindergartenerziehung mit eigener KiTa-Gruppe, dem Kurs des hauseigenen Nachrichtensenders oder dem Farm-Unterricht mit eigenen Pflanzen und Tieren bis hin zu freiwilligen Deutsch- oder Gebärdensprachen-AGs. Zudem staunen wir über die Klassen des Trainings Corps der Navy Junior Reserve Officers, die mittwochs und freitags in Uniform erscheinen und ihren Schulalltag in ihrem eigenen Rhythmus und militärisch geprägt gestalten. Dabei wird jeder Schüler immer wieder im Schulhaus daran erinnert, dass das Lernen an dieser Schule unter dem Motto „Mustangs… the legend lives!“ sowie „Strength - Enthusiasm - Honor - Success - Mustangs“ (SEHS, s.o.) steht.
Doch damit nicht genug… Wir lernen das gesamte Team des Board of Education, also des Schulamts von Effingham County, unter der Leitung von Dr. Randy Shearouse kennen, wobei uns alle Mitarbeiter überaus freundlich willkommen heißen, begeistert von ihren vielfältigen Aufgaben berichten und sehr interessiert unseren Berichten über unsere Schule in Deutschland zuhören. Groß ist ihr Interesse, uns alle Highlights des Schulsystems von Effingham County zu zeigen. So besuchen wir an anderen Tagen auch die South Effingham Middle School für die Jahrgänge 6 bis 8 und die Honey Ridge Farm, eine 1,3 km² große, ehemalige Plantage, die das Schulamt des Countys im Jahr 2016 erworben hat, um Schülern aller Schulformen Landwirtschaft - also den wichtigsten Wirtschaftszweig Georgias -, der Wissenschaft, Technologie, Mathematik und Ingenieurwesen vereint, im hautnahen Kontakt mit Kühen, Schafen und Ziegen und jeglicher ländlicher Arbeit nahezubringen. Am letzten Tag erhalten wir schließlich Einblick in die STEM-Academy. STEM steht für Science, Technology, Engineering and Math und entspricht unserem „MINT“. Am gleichen Standort befindet sich auch die Effingham College & Career Academy, in der Schüler der Jahrgänge 9 bis 12 der High School des Countys berufsorientierte Kurse z. B. in den Bereichen Krankenpflege, Automechanik, Kochkunst oder Web Design belegen können. Die Ausstattung der Räumlichkeiten dieser Akademie für die einzelnen Bereiche haut uns regelrecht um.
Doch wir gewinnen nicht nur Eindrücke aus dem Schulsystem des Countys, sondern werden auch sehr stolz und emotional berührt in die Geschichte Georgias eingeführt. Wendy Porter, die Verantwortliche des Lehreraustauschs im Schulamt, begleitet uns nach Ebenezer, wo 1734 vertriebene Salzburger Protestanten unter Boltzius, einem Francke-Schüler, eine deutschsprachige Siedlung gründeten, die den Geburtsort des Effingham Countys darstellt. Der „Teutonic Council of Savannah“, der die drei deutschen Gesellschaften Savannahs vereint und mit James Anderson den Lehreraustausch zwischen Halle und Savannah stark unterstützt, lädt uns zu einem stilvollen abendlichen Essen zusammen mit seinen meist deutsch sprechenden Mitgliedern deutscher Abstammung ein, um auch hier der gemeinsamen Geschichte zu erinnern und die neue Verbindung zwischen unserer Schule und Savannah zu stärken.
Und neben diesen vielfältigen Erlebnissen bemühen sich auch unsere Austauschkollegen ständig rührend um unser Wohlergehen. Jeden Abend entführen sie uns in ein neues Restaurant, zeigen uns die wunderschönen Städte Savannah, Charleston und Beaufort (SC) sowie die wichtigsten historischen Stätten, so zum Beispiel die Plantagen Wormsloe oder Boonehall und das Fort Pulaski, begeistern uns mit der wunderschönen Natur am Strand von Tybee Island oder den Alligatoren im Savannah National Wildlife Refuge. Auf dem Savannah Music Festival lernen wir auch die kulturelle Seite Savannahs bei einem Konzert kennen.
Mit einem Koffer voller wundervoller Erlebnisse kehren wir nach zwei Wochen wieder nach Hause zurück und möchten uns bei unseren Austauschkollegen Valérie Granzow und Brandon Howard für ihre großzügige Gastfreundschaft bedanken und bei allen, die uns so herzlich in Savannah empfangen haben.
Voller Vorfreude blicken die amerikanischen Kollegen bereits auf eine neue Runde des Lehreraustauschs und vielleicht trauen wir uns ja irgendwann noch einen Schritt weiter und wagen einen Schüleraustausch nach Savannah… Aber das bleibt abzuwarten…
Sandra Krause-Horn