22/07/2026
Für Toleranz und Gleichberechtigung: Poetry Slam der EF
Als das Licht herunter gedimmt wird und die Scheinwerfer die Bühne erleuchten, wird es endgültig still im Forum. Lucy betritt die Bühne, und sie hat „Wut“. Der Titel ihrer Darbietung bezeichnet, was viele Schülerinnen und Schüler empfinden: Wut über Diskriminierung, gesellschaftliche Rollenbilder und sexualisierte Gewalt.
Zu diesem Thema wurde vorab im Deutschunterricht recherchiert und diskutiert. Aus den daraus entsprungenen Empfindungen wurden individuelle und kreative Texte – Beiträge für einen Poetry Slam. Im Klassenverband fand ein Vorentscheid statt, die besten drei Beiträge jeder Klasse zogen ins Finale ein.
Unterstützt von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zeigten die Finalistinnen und Finalisten vielschichtige Facetten und Perspektiven zu diesem Themenkomplex und machten ihre Gefühlslage überaus deutlich. Keine leichte Aufgabe für die Jury, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Darbietungen bestaunten. Sophie Hessing, Julia Ridderskamp und Clara Sander (alle Q1) urteilten aus Schülersicht. Mirko Papierz als Vorsitzender der Fachschaft Deutsch legte besonderes Augenmerk auf den literarischen Gehalt sowie die sprachliche Gestaltung. Für die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Hünxe, Tatjana Strupek, zählte vor allem die tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Thema.
Gewonnen hat am Ende vor allem die Gleichberechtigung. Insbesondere den platzierten Beiträgen gelang es eindrucksvoll, ihre Sicht zu vermitteln. Die drittplatzierte Lina Humpert zum Beispiel brachte die Hilflosigkeit eines Opfers so gut zum Ausdruck, dass Jury und Publikum gleichermaßen von dessen Bewusstseinsstrom mitgerissen wurden. Besonders beklemmend war dabei der Gedanke, dass ihr fiktives Opfer „Nicht die Erste, nicht die Letzte“ ist, wie der Titel ihres Beitrags verdeutlichte. Mit einer eindringlichen schauspielerischen Darbietung schuf Mirja Radermacher „eine nahezu ungefilterte Realitätsnähe“, so die Jury. „Ihre Komplimente“ erzeugten so „Ekel“ bei der Zuhörerschaft. Damit belegte sie Platz 2. Im Siegerbeitrag „Die Jagd“ gelang es Lara Tagay und Lilly Herrmann das Bild , in den Worten der Jury „creepy“, Täters zu zeichnen. Dank ihres gedanklichen Zwiegesprächs zwischen Opfer und Täter erreichten sie das schier Unmögliche: Das Handeln des Täters bei allem Unverständnis doch nachvollziehbar zu machen, lobte die Jury. Damit zeichneten sie ein psychologisches Profil fernab jedweder Stereotype, ergänzt durch Gesellschaftskritik ohne erhobenen Zeigefinger: Was, wenn der selbsternannte Beschützer in Wahrheit das Monster unter dem Bett ist?
Jeder einzelne Beitrag sowohl in diesem Finale als auch im Vorentscheid sorgte dafür, das Bewusstsein für Diskriminierung und sexualisierte Gewalt zu schärfen. Denn, so Jurymitglied Mirko Papierz, „Literatur soll verändern und Perspektiven erweitern.“ Dass dies dem 11. Jahrgang gelungen ist, belegen auch die Reaktionen des Publikums, das sich beeindruckt und zuweilen ergriffen zeigte.
Stattfinden konnte dieser Poetry Slam nicht zuletzt aufgrund der engeren Zusammenarbeit zwischen Schule und Gemeinde, die nach Anregung der Gleichstellungsbeauftragten Frau Strupek seit dem letzten Herbst besteht. Aus dem damals ins Leben gerufene Projekt „Orange Days“ stammt die Idee für diese Veranstaltung.