15/08/2026
Emotionen verschwinden nicht, nur weil wir sie gut verpacken.
Ich bin Halb-Libanesin.🇱🇧
Und etwas, das ich aus dieser Seite meiner Familie mitgenommen habe, ist ein ziemlich selbstverständlicher Umgang damit, Gefühle zu zeigen.
Freude darf laut sein.
Trauer darf sichtbar sein.
Und Ärger darf auch einmal spürbar sein.
Das bedeutet nicht, dass Libanes:innen deshalb reflektierter mit ihren Emotionen umgehen.
Aber vielleicht habe ich dort früh gelernt:
Gefühle zu zeigen ist nicht das Gegenteil von Professionalität.
Gerade in Organisationen erlebe ich oft das Gegenteil.
Wir sprechen über Gefühle, aber wir zeigen sie möglichst nicht.
Wir sagen: „Das hat mich geärgert.“
Sehr sachlich natürlich. 😉
Wir sagen: „Die Situation belastet mich.“
Und bemühen uns gleichzeitig, uns die Belastung bloß nicht anmerken zu lassen.
Dabei sind die Emotionen längst im Raum.
In unserer Körpersprache.
In unserer Stimme.
In der Art, wie wir reagieren.
Oder eben nicht reagieren.
Für mich liegt die Fähigkeit deshalb nicht darin, Emotionen möglichst gut zu verstecken.
Und auch nicht darin, jedes Gefühl ungefiltert an anderen auszulassen.
Sondern darin, wahrzunehmen, was da ist – und Verantwortung dafür zu übernehmen.
Vielleicht ist das eine der wertvollsten Verbindungen meiner beiden Welten:
Gefühle dürfen sichtbar sein.
Und wir können trotzdem bewusst mit ihnen umgehen.
Hart an der Sache. Weich zum Menschen.