31/03/2026
Als Hundetrainerin sehe ich täglich die kleinsten Veränderungen bei Hunden.
Diesmal ging es um meinen eigenen.
Und ich hätte sie fast übersehen.
Wie angekündigt, hier ein Stückchen meiner (aktuell blutenden) Seele.
Und eine Erklärung, warum mir Organisation und Logistik noch schwerer fielen als (dank meinem ADHS) ohnehin schon.
Wer nicht den ganzen Text lesen möchte: In den Kommentaren und bald auch auf dem Blog gibt es eine stichwortartige Zusammenfassung.
KENNE DEIN TIER
Anfang Februar habe ich kleine, feine Veränderungen im Verhalten unserer schwarzen Hündin Voodoo bemerkt. Nichts Weltbewegendes. Alles irgendwie erklärbar.
Beim Social Walk lief sie plötzlich deutlich näher bei mir, obwohl sie sonst eher 20–30 Meter voraus ist.
Sie trank etwas mehr – und musste entsprechend öfter raus.
Der Kot war weicher, gelblicher.
Sie war ein kleines bisschen ruhiger.
Fraß langsamer als sonst.
Hatte morgens mehr „Schmodder“ in den Augen und wirkte müde.
Und sie pupste wie ein Weltmeister.
Alles nicht Fisch, nicht Fleisch. Keiner dieser Symptome war wirklich EIN SYMPTOM. Nichts war eindeutig FALSCH mit ihr.
Aber mein Gefühl sagte: Das Gesamtbild stimmt nicht.
Also hörte ich darauf – dieser Mamainstinkt hatte bisher immer recht. Mein Lebenspartner Eric bestärkte mich. Also rief ich in der Klinik an und wir bekamen für wenige Stunden später einen Termin in Heskem.
Die Tierärztin nahm uns direkt mit zum Ultraschall.
Die erste Entwarnung kam schnell: Keine Gebärmutterentzündung. Alles erstmal unauffällig.
Und dann… dieser Moment.
Ein Tumor an der Milz.
6 Zentimeter groß.
Und er blutete bereits.
Aus „wir schauen mal lieber nach“ wurde eine Notoperation.
ACH. DU. SCHEIßE.
Um zu prüfen, ob die OP überhaupt sinnvoll ist, folgten noch Röntgen und Herzultraschall. Keine Metastasen. Alles andere unauffällig. Also warteten wir, bis das OP-Team uns aufnehmen konnte.
Gegen 21 Uhr wurde sie operiert. Das Team ließ sie in meinem Arm in Narkose gehen und ich durfte meine Jacke dalassen, damit sie etwas hat, das nach Zuhause riecht.
Und dann musste ich mit einer "leeren Leine" nach Hause fahren.
Als ich in die kalte Nacht trat, brach alles aus mir heraus.
Ich weinte. Und mein Kopf stellte mir jede Frage, die man sich in so einem Moment stellt.
War es richtig?
Hätten wir es früher merken können? (Spoiler: VIELLEICHT!)
Keine zwei Stunden später kam der Anruf:
Sie hat die OP gut überstanden. Uff.
Es waren aber nicht nur einer, sondern zwei Tumore. Beide wurden zusammen mit der Milz entfernt.
Am nächsten Morgen durfte ich sie relativ früh abholen. Sie lief mir fröhlich entgegen, wedelte, als wäre absolut nichts gewesen. Als hätte sie nicht gerade in der Nacht ein Organ verloren.
Die Tage danach?
Unglaublich gut. Hoffnungsvoll. Sie war fit, wollte spazieren gehen, spielen – einfach leben.
Und trotzdem blieb da dieses mulmige Gefühl, denn wir warteten noch auf die Ergebnisse aus dem Labor.
Zehn Tage später bekamen wir sie:
Ein Tumor gutartig, der andere bösartig - ein Sarkom. Schlimmer geht es nicht mehr. Ein Sarkom ist aggressiv, wächst schnell, kommt wieder, streut, das volle Ar*chl*ch-Programm.
Ab da war klar:
Wir haben Zeit. Aber sie ist begrenzt – und wir wissen nicht, wie sehr.
Vielleicht sind es Wochen.
Vielleicht Monate.
Vielleicht etwas mehr.
Aber sie wird keine süße Omi. Das Privileg des Altwerdens wurde ihr genommen.
Und dann stehen da Entscheidungen im Raum, die man nie treffen will.
Chemotherapie?
Vielleicht gibt ihr das zwei Monate mehr.
Aber um welchen Preis?
Isolation vom Rudel.
Kein Streicheln ohne Handschuhe.
Kein normales Hundeleben.
Für einen Hund, der Nähe liebt wie kaum ein anderer und nie nah genug sein kann. Sie schläft mit im Bett oft mit der kompletten Körperlänge an mich oder Eric gedrückt.
Wir haben uns dagegen entschieden.
Stattdessen haben wir uns für das entschieden, was für sie zählt:
Leben.
Rrrrrrrrichtig leben.
Sonne im Fell.
Wind in der Nase.
Wiesen, die gut riechen.
Bäche, die kühlen.
Leckerlis, die glücklich machen.
Und ganz viel Nähe.
So lange es geht.
So schön es geht.
Vier Wochen nach der OP tasteten wir neue Knoten. Die Blutwerte wurden schlechter. Ihr Körper baut Blut ab, während er versucht, neues zu bilden.
Auch hier gäbe es noch eine Therapie.
Mit ungewissem Ausgang.
Mit Nebenwirkungen.
Mit noch mehr Einschränkungen.
Wir haben uns wieder gefragt:
Für wen tun wir das?
Und wieder haben wir uns für sie entschieden.
Für IHRE Lebensqualität.
Gegen ein vielleicht längeres, aber schwereres Leben.
Wenn sie wählen könnte, würde sie sich für genau das entscheiden:
Für jeden einzelnen guten Moment.
Und genau das habe ich jedem meiner Hunde versprochen, als sie in mein Leben kamen.
Dass ich für sie entscheide. Immer. Immer in ihrem Sinne.
Nicht in meinem.
Warum ich das hier teile?
Weil immer noch zu wenig darüber gesprochen wird.
„Vorsorge rettet Leben“ – weiß jeder, oder?
Gut. Aber WELCHE Vorsorge?
• Jedes Jahr ein Ultraschall vom Bauch
• Jedes Jahr eine Blutuntersuchung
Wir haben es in den letzten Jahren leider vernachlässigt. Vielleicht hätten wir den Tumor früher entdecken können - aber sich selbst dafür auspeitschen verändert jetzt nun mal auch nicht die Vergangenheit.
Ich habe Gott sei Dank diese kleinen Veränderungen gesehen – und viel mehr: ich habe sie ernst genommen.
Und genau das hat ihr diese letzten 1,5 Monate geschenkt.
Bitte geh nicht erst zum Tierarzt, wenn es offensichtlich schlimm ist.
Hunde verstecken Schmerzen instinktiv – das sichert ihr Überleben.
Gerade bei fröhlichen, clownartigen Hunden, wie FlatCoatedRetriever ist das besonders tückisch.
Ich habe das Privileg, „unnormal viel Zeit“ mit meinen Hunden zu verbringen.
Ich sehe Dinge, die viele nicht sehen können.
Und ich habe gelernt, genau hinzusehen.
Verdammt, es ist mein Job und Hunde sind meine größte Leidenschaft!
Deshalb – eine ehrliche Bitte von mir (und deinem Hund)... Bitte nimm es fest in deinen Kalender und dein Budget auf:
• regelmäßige Impfungen – oder noch besser: vorher ein Titer-Test, um zu schauen, ob die geplante Impfung nötig ist oder ob ein ausreichender Schutz noch vorhanden ist
• regelmäßige Entwurmung (ca. alle 3 Monate)
• mindestens 1x im Jahr ein Blutbild
• mindestens 1x im Jahr ein Ultraschall
Und lass den Ultraschall bitte in einer Klinik durchführen. Die Geräte sind besser, die Erfahrung größer – und genau das macht ja bei Vorsorge den Unterschied.
Was viele auch wissen wollen - der Kostenfaktor.
Die Not-OP - ca. 2.700€
Blutuntersuchungen und Kontrollen bis jetzt: fast ein weiterer 1.000€.
Hätten wir uns das sparen können? Mit einer guten KRANKENversicherung wahrscheinlich ja. KRANKENversicherung, nicht nur OP-Versicherung! Das ist ein Riesenunterschied! Manche Versicherer übernehmen auch die Kosten der Vorsorge (bei einer KRANKENversicherung).
Uff, na gut. Ich hoffe, trotz Emotionen war der Text verdaulich. Es ist vermutlich der wichtigste, den ich bis jetzt geschrieben habe.
Und ich hoffe, dass du, lieber Leser, dass du genau das davon mitnimmst:
Es ist nebensächlich, wie lange sie da sind.
Sondern wie sehr wir für sie da waren.
Wie genau wir hingeschaut haben.
Wie ernst wir sie genommen haben.
Auch dann, wenn es noch keinen „offensichtlichen“ Grund gab.
Wir sind die Stimme
unserer Hunde.
Die einzige, die sie haben.
Lasst uns sie nutzen.
Für sie. 🖤