25/10/2022
À propos Farben, mischen, mischen, mischen
Wenn wir heutzutage in einen Künstlerbedarfsladen gehen, sind wir als erstes von Regalmetern an Farben überwältigt und überfragt. So viele verschiedene Farbtöne, so viele verschiedene Qualitäten, so viele verschiedene Hersteller! Zur Beruhigung: Alles halb so schwer und kompliziert, wie es aussieht.
Um nochmal auf die Alten Meister zurückzukommen, zu deren Zeiten gab es noch keine Tuben, denn die wurde es um 1860 vom amerikanischen Maler John Rand erfunden. Im 16. Jahrhundert mussten die Farben noch von Hand angerieben werden. Dazu gab mein Häuferl Pigment (das Farbpulver) auf eine aufgerauhte Glasplatte, fügt ein paar Tropfen Leinöl dazu und vermengte das Ganze mit einem Palettenmesser zu einem homogenen Teig. Anschließend fing man an mit dem so genannten Läufer, einem Teil aus Glas, das wie ein übergroßer Stempel mit aufgerauhter runder Grundfläche aus Glas aussieht, den Farbteig durch kreisrundes Reiben auf der Unterfläche zu einer brauchbaren Farbe zu verarbeiten. Dieses „Anreiben“ ist notwendig, damit sich das Leinöl so innig wie möglich mit dem Pigment verbindet. Nach circa 20 Minuten (jawohl!) ist die Farbe dann gebrauchsfertig.Ein ziemlich langwieriger Prozess, der in den großen Ateliers natürlich allmorgendlich von den Lehrlingen erledigt wurde. Aufgrund dieser langen und auch anstrengenden Vorarbeit, begann man bald mit einer begrenzten, der so genannten limitierten Palette zu arbeiten, weil man als Profimaler natürlich gelernt hatte, wie man aus den Grund- oder Primärfarben (fast) alle anderen Farbtöne hervorzaubern kann. Die Primärfarben, also die Töne, die nicht durch Mischen hergestellt werden können, sind Gelb, Rot und Blau. Theoretisch kann man damit alles andere ermischen, aber man stellt schnell fest, dass man sich leichter tut, wenn noch ein paar Töne dazu kommen. Als da wären: Weiß, helles Braun, zum Beispiel Sienna natur, und dunkles Braun, bevorzugt Gebrannte Umbra.
Anfang des 20. Jahrhunderts lebte der sehr bekannte schwedische Maler Anders Zorn (1860-1920), der vor allem Landschafts- und Portraitmaler war. Von ihm stammt die berühmte „Zorn-Palette“, die nur aus vier Farben besteht: Gelber Ocker, Cadmiumrot mittel, Elfenbeinschwarz und Kremser Weiß (Bleiweiß, das heute nicht mehr, oder nur schwierig, erhältlich ist). Man mag es kaum glauben, dass er mit derart wenig Farbtönen, ein so farbnüanciertes Werk schaffen konnte. (einfach mal bei Google „Anders Zorn“ und Bilder eingeben).
Ganz so puristisch wollen wir es nicht angehen, deshalb hier ein Vorschlag zu einer „erweiterten limitierten Palette“:
Sienna Natur
Gebrannte Umbra
Chromgelb (warm)
Cadmiumgelb (kalt)
Alzarinrot (warm)
Scharlachrot (kalt)
Ultramarinblau (warm)
Kobaltblau (kalt)
Titanweiß
Schwarztöne werden durch Mischen von Ultramarinblau und Gebrannter Umbra erhalten, Hautöne mit Sienna Natur, Alizarinrot (ein Hauch!), Titanweiß und einer Spur von Kobaltblau (noch ein Hauch!) erreicht. Alle anderen Farbtöne sind durch Mischen mit diesen Grundfarben herzustellen. Die Qualität der Farben ist auf den Tuben angegeben und besteht meist aus drei Kategorien: 1. Feinste Künstlerölfarbe, 2. Feine Künstlerölfarbe und 3. Akademie- oder Studienölfarbe. Am Anfang können wir uns beruhigt mit Akademie/Studienölfarben eindecken, die für unsere ersten Versuche absolut ausreichend sind.
Hier noch ein kleiner Quiz, mit dem man sich helfen kann, den richtigen Farbton zu treffen, wenn man mal blockiert ist.
1. Sollte die angemischte Farbe heller sein, um die Vorgabe zu erreichen?
2. Sollte die Farbe dunkler sein?
3. Braucht die Farbe mehr Gelb?
4. Braucht die Farbe mehr Blau?
5. Braucht die Farbe mehr Rot?
Wenn man diese fünf Fragen durch dazumischen der entsprechenden Farben beantwortet hat, sollte der richtige Farbton jetzt auf der Palette zur Weiterverwendung liegen.À propos Farben, mischen, mischen, mischen
Wenn wir heutzutage in einen Künstlerbedarfsladen gehen, sind wir als erstes von Regalmetern an Farben überwältigt und überfragt. So viele verschiedene Farbtöne, so viele verschiedene Qualitäten, so viele verschiedene Hersteller! Zur Beruhigung: Alles halb so schwer und kompliziert, wie es aussieht.
Um nochmal auf die Alten Meister zurückzukommen, zu deren Zeiten gab es noch keine Tuben, denn die wurde es um 1860 vom amerikanischen Maler John Rand erfunden. Im 16. Jahrhundert mussten die Farben noch von Hand angerieben werden. Dazu gab mein Häuferl Pigment (das Farbpulver) auf eine aufgerauhte Glasplatte, fügt ein paar Tropfen Leinöl dazu und vermengte das Ganze mit einem Palettenmesser zu einem homogenen Teig. Anschließend fing man an mit dem so genannten Läufer, einem Teil aus Glas, das wie ein übergroßer Stempel mit aufgerauhter runder Grundfläche aus Glas aussieht, den Farbteig durch kreisrundes Reiben auf der Unterfläche zu einer brauchbaren Farbe zu verarbeiten. Dieses „Anreiben“ ist notwendig, damit sich das Leinöl so innig wie möglich mit dem Pigment verbindet. Nach circa 20 Minuten (jawohl!) ist die Farbe dann gebrauchsfertig.Ein ziemlich langwieriger Prozess, der in den großen Ateliers natürlich allmorgendlich von den Lehrlingen erledigt wurde. Aufgrund dieser langen und auch anstrengenden Vorarbeit, begann man bald mit einer begrenzten, der so genannten limitierten Palette zu arbeiten, weil man als Profimaler natürlich gelernt hatte, wie man aus den Grund- oder Primärfarben (fast) alle anderen Farbtöne hervorzaubern kann. Die Primärfarben, also die Töne, die nicht durch Mischen hergestellt werden können, sind Gelb, Rot und Blau. Theoretisch kann man damit alles andere ermischen, aber man stellt schnell fest, dass man sich leichter tut, wenn noch ein paar Töne dazu kommen. Als da wären: Weiß, helles Braun, zum Beispiel Sienna natur, und dunkles Braun, bevorzugt Gebrannte Umbra.
Anfang des 20. Jahrhunderts lebte der sehr bekannte schwedische Maler Anders Zorn (1860-1920), der vor allem Landschafts- und Portraitmaler war. Von ihm stammt die berühmte „Zorn-Palette“, die nur aus vier Farben besteht: Gelber Ocker, Cadmiumrot mittel, Elfenbeinschwarz und Kremser Weiß (Bleiweiß, das heute nicht mehr, oder nur schwierig, erhältlich ist). Man mag es kaum glauben, dass er mit derart wenig Farbtönen, ein so farbnüanciertes Werk schaffen konnte. (einfach mal bei Google „Anders Zorn“ und Bilder eingeben).
Ganz so puristisch wollen wir es nicht angehen, deshalb hier ein Vorschlag zu einer „erweiterten limitierten Palette“:
Sienna Natur
Gebrannte Umbra
Chromgelb (warm)
Cadmiumgelb (kalt)
Alzarinrot (warm)
Scharlachrot (kalt)
Ultramarinblau (warm)
Kobaltblau (kalt)
Titanweiß
Schwarztöne werden durch Mischen von Ultramarinblau und Gebrannter Umbra erhalten, Hautöne mit Sienna Natur, Alizarinrot (ein Hauch!), Titanweiß und einer Spur von Kobaltblau (noch ein Hauch!) erreicht. Alle anderen Farbtöne sind durch Mischen mit diesen Grundfarben herzustellen. Die Qualität der Farben ist auf den Tuben angegeben und besteht meist aus drei Kategorien: 1. Feinste Künstlerölfarbe, 2. Feine Künstlerölfarbe und 3. Akademie- oder Studienölfarbe. Am Anfang können wir uns beruhigt mit Akademie/Studienölfarben eindecken, die für unsere ersten Versuche absolut ausreichend sind.
Hier noch ein kleiner Quiz, mit dem man sich helfen kann, den richtigen Farbton zu treffen, wenn man mal blockiert ist.
1. Sollte die angemischte Farbe heller sein, um die Vorgabe zu erreichen?
2. Sollte die Farbe dunkler sein?
3. Braucht die Farbe mehr Gelb?
4. Braucht die Farbe mehr Blau?
5. Braucht die Farbe mehr Rot?
Wenn man diese fünf Fragen durch dazumischen der entsprechenden Farben beantwortet hat, sollte der richtige Farbton jetzt auf der Palette zur Weiterverwendung liegen.