26/09/2021
Heute dürfen wir Freiberger und Freibergerinnen die künftigen Standorte der Grundschulen wählen.
Die Diskussion um dieses komplexe Thema bewegt derzeit viele Bürger unserer Stadt und t wurde in den letzten Wochen sehr emotional geführt worden, obwohl bei diesem Thema sachlich und rational entschieden werden sollte.
Die Baustrukturen alter Schulen, die uns sehr vertraut sind, werden den Anforderungen an eine individuelle, demokratische, inklusive Bildung nicht mehr gerecht. Ein Umdenken fällt auch vielen anderen Städten und Gemeinden sehr schwer. Doch die Vorteile liegen klar auf der Hand. Daher sollte uns Freibergern und Freibergerinnen ein größerer und damit flexiblerer Standort am Herzen liegen, um den Kindern auch in Zukunft die besten Bildungsvoraussetzungen zu bieten und Chancengleichheit zu fördern.
Ein Schulgebäude verdeutlicht, welchen gesellschaftlichen Stellenwert die Bildung einnimmt. Man kann ablesen, ob es eine grundsätzliche Offenheit für notwendige pädagogische Entwicklungen und unterschiedliche Lernkulturen gibt. An der Ausstattung und der architektonischen Qualität zeigt sich die Bedeutung, die die Gesellschafft ihren Schulen zumisst. Wir sollten diese Chance nutzen, eine gute Basis für weitere Generationen zu schaffen. Nichts nimmt uns dabei die Erinnerung an unsere eigene Schulzeit.
Der gesellschaftliche Wandel in den Familien und Erwerbsstrukturen ist offensichtlich und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oftmals ein Drahtseilakt. Ganztagsschulen sind eine Antwort auf veränderte Arbeits- und Lebenswelten der Familien und nicht mehr wegzudenken. Frauen erhalten dadurch gleichberechtigte Chancen in der Arbeitswelt. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und hat ab dem Schuljahr 2025/2026 den Anspruch auf den Ganztag beschlossen. Jetzt gilt es für alle Städte und Gemeinden, diesen Rechtsanspruch zum Wohle aller Kinder auszugestalten: mit der Ganztagsschule.
Weiterhin können mit einer Ganztagsschule bereits zu einem frühen Zeitpunkt im Leben eines Menschen die Weichen hin zu mehr Chancen und Teilhabegerechtigkeit in der Gesellschaft erhöht werden. Unterschiedliche teilweise ungerechte Familien- und Lebensmodelle können ein Stück weit ausgeglichen werden. Diese Vorteile können unserer Meinung nach Kindern nicht vorenthalten werden, weil manche Bürger der Meinung sind, dass diese Debatte sie im alltäglichen Leben nicht betrifft. Diese zu treffende Entscheidung betrifft jeden Bürger dieser Stadt, weil es ein Stück Lebensverantwortung darstellt, der wir uns nicht entziehen dürfen. Unsere Stadt liegt hinsichtlich des Grundschulangebotes im Vergleich mit anderen Städten und Gemeinden, welche mehr als 16.000 Einwohner haben derzeit auf einem der letzten Plätze. Dies wollen wir nicht hinnehmen.
Ganztagsangebote erweitern die Möglichkeiten für Bildung. Besonders Ganztagsschulen fördern Kinder und Jugendliche in ihren Interessen und Talenten, ihren sozialen Kompetenzen und ihren fachlichen Leistungen. Kinder verbringen heutzutage mehr Zeit in der Schule als zuhause. Was sich zunächst negativ anfühlt, wirkt sich positiv auf die Unterrichtsgestaltung aus. Schüler können persönlicher betreut werden und individueller lernen. Durch die Integration der Freizeitgestaltung in den Schulalltag und die damit verbundene längere Verweildauer, wird die Gemeinschaft gefördert und Kinder lernen von Kindern. Sie erlangen höhere Sozialkompetenz und sind aufgeschlossener. Vielfältige Angebote von Sport und der kulturellen Bildung sowie der Jugendsozialarbeit ermöglichen Erfolgserlebnisse jenseits des Fachunterrichts. Sie stärken Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, vertiefen Wissen und Kompetenzen, fördern Teilhabe und die Bereitschaft, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.
Die Freizeit zu Hause ist dadurch viel entspannter, da keine Hausaufgaben mehr gemacht werden müssen und Hobbies schon im Rahmen der Schule integriert sind. Zudem wird der Geldbeutel der Eltern nachhaltig entlastet.
Die Wirksamkeit der Ganztagsangebote hängt natürlich von ihrer Qualität ab. Was vielleicht selbstverständlich klingt, muss gut geplant und für die Praxis tauglich sein. Zu diesem Punkt haben wir mit Vereinen und Sozialträgern aus Freiberg gesprochen, welche der Ganztagsschule offen gegenüber stehen und sich über ein potenzielles Angebot an Erfahrungen mit in die Schule einbringen können.
Damit die neue Schule den ganzen Tag gut funktioniert, benötigen wir gute und moderne Räumlichkeiten. Lehrer und Lehrerinnen können heutzutage die Bildungspläne nicht mehr in alten Raumkonzepten zur Zufriedenheit aller umsetzten und müssen improvisieren, was zu Lasten der Schülerinnen und Schüler geht. Durch moderne Strukturen steigt deutlich die Bereitschaft aller Beteiligten, dass die Umsetzung funktioniert.
Leistungsfähige Schulen sind Orte, an denen sich die Menschen wohl fühlen. Dies resultiert aus funktionalen, sozialen und ästhetischen Qualitäten: altersgerechte Zonierung in überschaubaren Einheiten, klare räumliche Strukturen und Wegeführungen, prägnante Raumatmosphären innerhalb und außerhalb des Schulgebäudes.
Mehr als je zuvor werden die Lernorte zu Lebensorten, zu welchen sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrerinnen und Lehrer mit Freude gehen dürfen. Daher wird es auch keine Anonymität und zu große Klassen in der neuen Schule geben. Die Räume werden viel kindgerechter als in den alten Schulen sein, in denen Klassenräume oftmals nüchtern eingerichtet sind, so dass man sich ungern in den Räumlichkeiten aufhält.
Daher möchten wir alle Freiberger und Freibergerinnen bitten die o. g. Punkte bei ihrer Entscheidung heute zu bedenken.
Mit einem JA kann Freiberg sicherstellen, dass unser Ort für die nächsten Jahrzehnte gerüstet ist und sich im Vergleich mit anderen Gemeinden des Landes nicht abhängen lässt Lassen Sie uns diese Chance nutzen.
Elterninitiative zukunftsfähige Grundschulen für Freiberg am Neckar