08/09/2025
Landtagsabgeordneter Daniel Scheen-Pauels (CDU) hat eine erfreuliche Mitteilung für die Kinzweiler Heimatfreunde – leider als Verein nicht mehr existent, aber viele Kinzweiler Einwohner sind Kenner und Freunde der heimatlichen Geschichte, zu der ich hier immer wieder etwas veröffentlicht habe. Die Eschweiler Filmpost schreibt:
"Eschweiler. Mit Fördermitteln aus dem Denkmalförderprogramm unterstützt die CDU-geführte Landesregierung den Erhalt wertvoller Denkmäler in den Städten und Gemeinden. In diesem Jahr fließen 23.200 Euro Landesmittel nach Eschweiler.
Gefördert wird die Instandsetzung des Bruchsteinmauerwerks im Kellergewölbe der Kinzweiler Burg. Damit trägt das Land entscheidend dazu bei, die historische Burganlage zu bewahren und ihre Substanz langfristig zu sichern."
Man darf diese Burg nicht mit der anderen Wasserburg verwechseln, mit Schloss Kambach. Die Burg Kinzweiler liegt auf der östlichen Seite der Wardener Straße gegenüber der Einmündung der Kirchstraße. Das Rittergut war eines der größten und bedeutendsten in der Region Aachen/Düren und Sie war Jahrhunderte lang ein Lehen des Marktgrafen bzw. später des Herzogs von Jülich. Von ihm steht heute nur noch das Herrenhaus, das sich in Privatbesitz befindet und deshalb nur von außen besichtigt werden kann. Die römische (!) Badewanne im Keller durfte ich aber zusammen mit einer Klasse der Liebfrauenschule besichtigen, als wir dort bei Architekt Tom Krause eine Klassenfeier veranstaltet hatten.
Wikipedia vom 08.09.2025: „Als Erbauer der Kinzweiler Burganlage gilt die Familie von Palant, welche die Herrschaft Kinzweiler mitsamt zwei dort existierender Motten 1420 von den Erben der Ritter von Kinzweiler erwarb. Historiker nehmen an, dass die Familie in der Nachfolgezeit die nicht mehr zeitgemäßen Motten als Wohnsitz aufgab und stattdessen die zu Beginn des 16. Jahrhunderts von Dietrich von Palant neu errichtete Burg Kinzweiler nutzte.“
Es ist also nicht erwiesen, dass beide Motten sich im Besitz desselben frühen Rittergeschlechtes befanden. Klar ist aber, dass das Schloss Kambach auch entstand, als beide Motten – der Mühlenbongert und der Kalvarienberg – verlassen wurden. Nach archäologischen Funden wurde die Motte Mühlenbongert als erste verlassen, denn die Bruchsteinfundamente im Kalvarienberg scheinen jüngeren Datums. Insofern halte ich es für wahrscheinlicher, dass zwei verschiedene merowingisch-karolingische Fürsten an Stellen, die schon zu eburonischer Zeit als Fluchtburghügel eine Rolle gespielt haben könnten, sich jeweils eine neue Burg- bzw. Hausanlage errichteten. Dass der Name bis heute „Haus Kambach“ lautet, zeugt eigentlich davon, dass dieses Renaissanceschlösschen zurückgeht auf eine frühe Hofanlage, deren Zugehörigkeit zur Dompropstei Köln nachgewiesen ist.
Bis 1639 blieb die Anlage der Kinzweiler Burg im Besitz der Familie von Palandt und kam anschließend an Graf Philipp Dietrich von Waldeck, einem Urenkel des Floris von Palandt, ehe Herzog Ernst Friedrich I. von Sachsen-Hildburghausen sie im Jahre 1707 erwarb. Dessen Nachkommen veräußerten die Burg 1747 an den Kurfürsten und Jülicher Herzog Karl Theodor von der Pfalz. Der Herzog ließ die gesamte Anlage etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts im Stil des Barocks umgestalten und erweitern, wobei Teile der alten, gotischen Bausubstanz in den Umbau einbezogen wurden.
Interessant ist auch hier die Quintessenz, dass dieses Dreieck: Kloster St. Jöris mit Fischteichen, das Gebiet des Schlosses Kambach mit Jagd und der Wirtschaftsraum Hoher Berg mit seinen Steinkuhlen ein durch Verträge zwischen den Kinzweiler Rittern und den Hehlrather Rittern entstandenes Mischgebiet war, in dem es ja auch Felder und Wiesen sowie den Maxweiher und die Lehmkuhle gab. Also kein Almende-Gebiet für das Volk, sondern eine Win-Win-Situation für Privilegierte. Mitte des 17. Jahrhunderts schwand der Einfluss der Palandts.
Das Kloster auf dem Gebiet der Hehlrather Ritter, die Nachfahren der Helroder auf Bauerngütern in Hehlrath, die Jülicher Ritter und die Eigentümer des Propsteier Waldes (Eschweiler/Köln) waren allerdings Konkurrenten und Vertragspartner zugleich – und immer wieder gegen die Reichsstadt Aachen gerichtet, da der Propsteier Wald ja bei Verlautenheide an den Reichswald grenzte.
Die Zeit der Auseinandersetzungen auf der Grenze zwischen den Burgen (ungefähr dort, wo die alte Landstraße verläuft) waren also vorbei. Die Zeit der Zuwendung mit dem Ergebnis der ehemaligen Gemeinde Kinzweiler begann.