16/02/2022
Wie es dazu kam, dass diese Weinflasche mich gecoacht hat
"Wein aus Frankreich kaufe ich nicht", Punkt. Diese Regel hatte ich übernommen, weil mein langjähriger Partner keinen französischen Wein mochte und sie war so in meinem Unterbewusstsein verankert, dass ich französischen Wein immer noch automatisch ausklammerte, obwohl ich schon länger nicht mehr mit ihm zusammen bin. Erst als mir vor kurzem in einem Prospekt dieses herzige Etikett ins Auge gesprungen ist und ich schon enttäuscht weiterblättern wollte, als ich "France" gelesen habe, ist der Übergang ins Bewusstsein gelungen: Ich habe gestutzt und mir ist plötzlich klar geworden, dass ich diesen Wein einfach kaufen und probieren kann, weil die Regel ja gar nicht mehr gilt. Und was soll ich sagen: Es war einer der besten Weine, den ich je getrunken habe :-) .
Wie viel versäumen wir, weil wir Dinge gar nicht sehen, die unserem inneren, meist unbewussten Regelwerk widersprechen? Wie bunt ist das Leben außerhalb unserer engen Schubladen und Bewertungen, was wir vermeintlich dürfen und nicht dürfen, mögen und nicht mögen, können und nicht können? Und wie viele Schubladen und Bewertungen haben wir irgendwann einfach übernommen - von den Eltern, Partnern, Freunden, von uns selbst - und leben immer noch danach, ohne zu hinterfragen und auszuprobieren, ob das überhaupt stimmt oder nicht auch das Gegenteil wahr sein könnte.