13/09/2026
Was hat Trauma eigentlich mit Familiengeschichte zu tun?
Sehr viel mehr, als man im ersten Moment vielleicht denkt.
Wenn wir unsere Familiengeschichte erforschen, sammeln wir zuerst Fakten: Namen, Geburtsorte, Berufe, Migration, Kriege, Verluste, frühe Todesfälle, Trennungen oder wirtschaftliche Krisen.
Doch irgendwann wird eine andere Frage viel spannender:
Was haben all diese Ereignisse mit den Menschen gemacht, die sie erlebt haben?
Wie haben sie danach ihre Kinder erzogen?
Wovor hatten sie Angst?
Worüber wurde in der Familie nicht gesprochen?
Welche Regeln entstanden daraus?
Und welche Strategien, die damals vielleicht überlebenswichtig waren, werden innerhalb einer Familie noch Jahrzehnte später weitergegeben?
Genau an dieser Stelle treffen sich für mich Familiengeschichte und Psychologie. Denn manches, was wir heute als „typisch für unsere Familie“ bezeichnen, kann ursprünglich eine sehr sinnvolle Anpassung an schwierige Lebensumstände gewesen sein.
Eine Großmutter, die nach Krieg und Vertreibung Lebensmittel hortete.
Ein Vater, der gelernt hatte, Gefühle nicht zu zeigen.
Eine Familie, in der Sicherheit wichtiger wurde als Selbstverwirklichung.
Oder Generationen, in denen über bestimmte Verluste überhaupt nicht gesprochen wurde.
Natürlich steckt nicht hinter jedem familiären Muster automatisch ein Trauma. Aber wenn wir verstehen wollen, warum bestimmte Ängste, Beziehungsmuster, Glaubenssätze oder Verhaltensweisen über Generationen bestehen bleiben können, brauchen wir auch ein fundiertes Verständnis davon, wie Trauma, Bindung, Stress und Regulation funktionieren.
Und genau deshalb freue ich mich auf diese Woche ganz besonders:
Am 14. September beginnt Transform Trauma Oxford 2026.
Vier Tage mit Vorträgen, Panels, Workshops und praktischen Sessions zu Trauma, Nervensystem, Körper, Bindung und Heilungsprozessen.
Mehr als 100 internationale Fachleute kommen zusammen – darunter Gabor Maté, Bessel van der Kolk, Dan Siegel, Richard Schwartz, Dick Schwartz, Linda Thai, Kristin Neff und Janina Fisher.
Besonders spannend finde ich, dass hier ganz unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen: Neurowissenschaft, Entwicklungstrauma, Bindung, körperorientierte Ansätze, IFS, Nervensystemregulation und transgenerationale Prozesse.
Ich wollte bereits im vergangenen Jahr unbedingt an dieser Konferenz teilnehmen. Dieses Jahr klappt es, wenn auch online, und ich freue mich wirklich sehr darauf.
Für mich ist das nicht einfach eine weitere Weiterbildung. Es ist eine Möglichkeit, meine Arbeit mit Familiengeschichten und wiederkehrenden familiären Mustern noch tiefer zu verstehen, neue Perspektiven kennenzulernen und hoffentlich auch neue Werkzeuge für meine eigene Praxis mitzunehmen.
Denn je länger ich mich mit Familiengeschichten beschäftige, desto klarer wird mir:
Es reicht nicht zu wissen, was unseren Vorfahren passiert ist.
Wir müssen auch verstehen, was das Erlebte mit ihnen gemacht hat – und was davon möglicherweise bis heute in Familien weiterlebt.
Und ich möchte euch in den nächsten Tagen ein Stück mitnehmen.
Ich werde hier einige Gedanken, Aha-Momente und besonders spannende Impulse aus der Konferenz teilen.
Wenn euch ein bestimmtes Thema rund um Trauma, Familiengeschichte oder transgenerationale Muster besonders interessiert, schreibt es mir gern in die Kommentare. Vielleicht kann ich genau darauf während der Konferenz besonders achten.